Gründonnerstag. Ich muss wieder unter Menschen. Erst die Sache mit dem Affenmaskenmann, dann Maria. Die Woche hat mir ein wenig zugesetzt. Ich reiße mich zusammen, ziehe eine Army-Hose an und schnappe mir mein weißes Shirt mit der Aufschrift „Dembowski – Enjoying Global Warming Since 1976“. Hatte ich irgendwann mal zum Geburtstag bekommen. Kurz vor Sonnenuntergang trau ich mich raus. Es ist immer noch furchtbar heiß. Die paar Schritte zur Kneipe fallen mir schwer. Von drinnen dröhnt bereits die Jukebox. „Lächeln in erschrocknen Augen, blind vom Licht, Tränen wie aus Eis verbrennen ihr Gesicht, Pärchen auf vergilbten Fotos der Phantasie, Menschen, die sich lieben sterben nie“. Tief durchgeatmet, rein da. Am Anfang lassen sie mich in Ruhe, ich hau mir ein paar Pils weg und schau oben auf den Fernseher. Aus der Werding wird erst Alexandra und dann Dalia Lavi. „Deswegen“ denke ich „deswegen, gehe ich nicht raus“.

Noch bevor Hannover das 3-0 macht, hängt er neben mir. „Man hat mir erzählt, du ermittelst. Auch in Sachen Borussia!“ „Ja“ „Eine Unverschämtheit. Ich gehe seit Jahren ins Stadion. Ich bin ein wahrer Fan. Und jetzt kommen die ganzen Modefans aus ihren Löchern und ziehen sich die Tickets für das Frankfurt-Spiel. Da holen die Borussen einmal einen Titel und natürlich, das ist ja klar!, darf ich nicht dabei sein. Die feinen Herren da oben haben längst alle Bodenhaftung verloren. Der normale Fan von der Straße zählt nichts. Es geht um Männer in Nadelstreifen, wo einst Stehplätze waren. Und dann spielt sich der Boss immer noch als Mann des Volkes auf. Kämpft für den Erhalt der guten Dinge. Vordergründig und hinterlistig“ sagt er und betont dabei natürlich erst Vorder, um sich bei Hinter dann fast zu überschlagen.

Mein Kopf nähert sich bereits bedenklich der Tresenkante. „Was kann ich jetzt genau für Dich tun?“ „Jetzt hör mir doch einmal zu. Dann verschachern die noch den Sahin nach Spanien. Zu Real Madrid. Hast Du schon gewußt, dass die nicht einmal die Königlichen sind? Sind sie nämlich nicht. Das sind die aus San Sebastian. Die Ausführungen würde hier aber zu weit gehen.“ „Wie komme ich ins Spiel? Ich kann Dir nicht mehr zuhören“. Durch den Raum fliegt der verrottete Duft der schwitzenden, schunkelnden Masse. Udo Jürgens, jetzt. Das ehrenwerte Haus. „Ich höre Dir jetzt noch eine Minute zu, danach werde ich mein Pils leeren, aufstehen und diesen Laden verlassen. Ich will mir meine Zeit nicht mit Deinen Gedanken totschlagen“. Er verstummt, nimmt einen Zug von seiner Zigarette und, schaut sich in der Kneipe um. „Du sollst mir halt helfen, ne Karte gegen Frankfurt zu bekommen. Das macht man doch als Ermittler, ermitteln, wo es noch Karten gibt, zum Beispiel. Und überhaupt: Wenn Sahin Weltfußballer wird, verklage ich die Geschäftsführung.“

wenn sahin weltfußballer wird

Ein Gedanke zu „wenn sahin weltfußballer wird

  • Mai 9, 2011 um 6:11 am
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    Dembowski soll doch mal bitte in Sachen "Hotelzimmerschwund in Dortmund" ermitteln.

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