Dembowski beobachtete die Menschen, und trieb seine Ermittlungen in Sachen Meisterschaft voran. Mit erstaunlichen Ergebnissen. 


Eine der Fragen, die mich in den letzten Monaten immer wieder beschäftigt hat, war die Frage nach der Macht des Punktelieferanten. In der großen Rückrunde 2011/2012 war der Lange nur 2x seinen Pflichten nicht nachgekommen. In einer fatalen Juninacht hatte er sich auf Komaroffs Seite geschlagen, nur aber um als Doppelagent quasi die Uhren auf null zu stellen. In meinen Unterlagen zu dieser Nacht fand ich noch den Vermerk

„bye bye, junimond – guter song, schlechtes cover – punktelieferant? auf welcher seite?“

Als im vergangenen August nun die aktuelle Spielzeit begann, war ich noch lange nicht bereit dafür, aus meiner Ruhe, aus meinem neuen Alltag auf der Lama-Farm im Oderbruch auszubrechen. Der Punktelieferant war mir egal, der Lange sollte es eben ohne mich richten. Es war dann auch gut losgegangen, wir hatten ein paar Spiele gewonnen und stolperten bald, stolperten dann immer wieder mal und waren am Ende des Jahres viel zu weit hinter die Bayern zurückgefallen.

Nun konnte man die Bayern und ihre Frustration durchaus verstehen. Seit Jahren waren sie die beste Mannschaft aller Zeiten und doch blieben ihnen sämtliche Titel verwehrt. „Wir rüsten solange auf bis wir wieder einen Titel gewonnen haben“, hatte Uli Hoeneß erklärt. Natürlich hatte niemand gefragt, was dann passieren würde. Wenn wieder ein Titel in der Tasche war. Was natürlich irgendwann zwangsläufig der Fall sein würde. Nicht unbedingt in dieser Saison. Auch wenn sich nach nun 19 Spieltagen natürlich ein durchaus klares Bild zeichnete. 12 Punkte Vorsprung (und 11 vor Leverkusen). Das sollte im Idealfall sogar für die Bayern reichen, aber – und hier kam der Punktelieferant eben wieder ins Spiel – von diesem Idealfall war nicht auszugehen.

Es waren die kleinen Signale aus dem Süden, die deutlich machten, dass der Februar zu einer kleinen Katastrophe für den selbsternannten besten Verein der Welt werden würde. Die Spieler in der zweiten Reihe bekamen fortlaufend auf die Fresse, obwohl sie überhaupt nichts gesagt hatten. Sie sollen, wiederholte Sammer, wie immer mit seiner Gewinnermentalität argumentierend, jetzt aber mal ihre Egoismen zurückstellen, sonst wäre ihnen nicht mehr zu helfen. Und überhaupt, so wütetet Sammer, wären die Testspielgegner ein Witz und gut schon lange nicht mehr gut genug.

Mir war unklar, was er überhaupt sagen wollte, außer dass er eben was sagen wollte, um wieder ein paar Reizpunkte zu setzen. Die Bayern im Jahre 2013 erinnerten immer fataler an Dortmund im Jahre 2002. Es war klar, was kommen würde. Vielleicht ja doch die Meisterschaft, aber danach der Absturz, die Niederlage in einem Champions League Qualifikationsspiel und jahrelanges Siechtum. Sie verkündeten den Aufbruch in eine goldene Zukunft und doch war es nur der Aufbruch in den Absturz.

Was das alles mit dem Februar zu tun hatte? Nun: Im Februar würde sich nicht nur der Abstand in der Bundesliga auf Normalmaß reduzieren, sondern das anstehende Aus im Pokal (wenig überraschend) und das frühzeitige Scheitern in der Champions League (schon ein wenig überraschender) – und natürlich das Murren der Spieler der zweiten Reihe – würde sie noch vor den Iden des März mit einem Übergangstrainer dastehen lassen.

Was das alles mit dem Punktelieferanten zu tun hatte? Er würde dafür Sorge tragen. Durch präzises Arbeiten und dem Stoizismus eines fokussierten Emsländers. Am Sonntag hielten wir kurz Rücksprache und gingen die Pläne durch. Bislang waren sie alle aufgegangen. Sie würde weiter aufgehen. Noch bevor ich mich am Montag auf eine weitere Beobachtungstour durch das tauende Berlin begab, und nachdem mir der Punktelieferant mit der Weisheit „Der Beobachter ist der Beobachtete“ kam, setzte ich mich an einen kurzen Kommentar, der den noch nicht absehbaren Trend der Liga durchaus treffend zusammenfasste.

Machtlos-Trainer vor Aus, Bayern vor Absturz
(berlin / 28.01.2013) 11 Punkte Vorsprung, 7 Gegentore – Ganz Deutschland fragt sich: Sind diese Bayern noch zu stoppen? DerSamstag! gibt jetzt Antwort auf die spannendste Frage der Woche. DerSamstag! weiß: Diese Bayern laufen sehenden Auges in den Untergang. Sie wollen Erfolg auf allen Ebenen. Sie blenden die Konkurrenz aus. „Mia San Mia“ ist zum Scheitern verurteilt. DerSamstag! legt sich fest! Den Bayern fehlen die spielerischen Mittel, um gegen die nationale Konkurrenz einen Stich zu bekommen. Leverkusen, Freiburg, Mainz, Hamburg und Dortmund sind die Stolpersteine in der Rückrunde. Heynckes, Sammer, Robben, Gomez, Kroos die Knackpunkte! DerSamstag! legt sich fest! Am Ende dieser Spielzeit wird es einen überraschenden Meister geben. Der wird nicht aus München kommen. Und Machtlos-Trainer Heynckes ist im März weg. (dembowski / DerSamstag!)

vorsicht, ein trend geht um – bayern vor dem absturz