Auszeit überstanden. Das Meisterwochenende hinter mich gebracht. Und was es für ein Wochenende war. Erst will ich nicht feiern. Es besteht kein Grund für mich. Dann verbringe ich den ganzen Freitag in der Kneipe, und nur ganz am Ende, als Ritchie auf einmal vor Ort ist, gibt es leichtere Probleme mit der Kundschaft. Ritchie holt aber schnell die SIN-Keule raus und alles ist wieder gut. Zumindest für uns. Am nächsten Morgen ruft Martin an, ich bin gerade auf meinem Weg, um ein letztes Mal in Sachen Meisterstich zu ermitteln. „Dembowski, alles in Ordnung. Die Shirts haben sich fast alle verkauft. Ich habe jetzt auch ne neue Truppe, die die Dinger heute und morgen verkauft. Superjob von Dir! Wir treffen uns später“. Auf dem Weg zu den Meisterstichermittlungen schaue ich dann noch einmal in der Redaktion vorbei. 
„Geilomat, Dembowski! Dich gibt es auch noch“ schleudert er mir mit einer Currywurst in der Hand entgegen. „Sogar den Laden haben wir jetzt in Schwarz Gelb umbenannt. Mit der kann man es aber auch machen. Die ist jetzt auch Fan. Jede Presse ist gute Presse, sag ich Dir doch immer. Und wenn jede Presse gute Presse ist, dann sind wir doch die allerbeste Presse, denn wir sind ja nicht jede Presse, sondern die Presse schlechthin.“ Reiser hat schon gut einen drin, aber wer hat das an diesem Wochenende in dieser Stadt nicht. Ritchie, der mitgekommen ist, flüstert mir zu: „So habe ich mir Reiser jetzt nicht vorgestellt. Am Telefon klang der immer so seriös. Aber das hier ist das Gegenteil von seriös.“ Ich beachte Ritchie nicht und bestell mir erstmal nen Pils. Der Meisterstich kann warten. „Natürlich. Ihr seid die Allergrößten und Du hattest die Königsidee. Superreiser, kennste Superritchie?“ Ich stelle sie vor. Reiser ist natürlich verwirrt. „Ist Superritchie nicht längst jemand anders?“ Die Situation klärt sich auf. Doch wir verlassen den Laden wieder. 
Auf zum Borsigplatz. Dort steht eine Kapelle und rubbeltdikatz. Um sie herum tanzen Verrückte in Schwatzgelb. Jemand schrammelt „Wir sind alle am Borsigplatz geboren.“ Um mich herum ein Stimmengewirr. Ungarisch, Italienisch, Französisch, Englisch. Alle sind sie gekommen, alle sind sie am Borsigplatz geboren. Wir entern bessern die Bahn. Vom Borsigplatz zum Riesenrad. Vom Riesenrad zur Lindemann. Von der Lindemann zum Stadion. Dort stehen wir vor verschlossener Tür. Keine Karte. Hätte mir vorher auffallen können. Ich rufe Reiser an. Der will sich kümmern, wir versacken vor dem Stadion. Auf einmal stehen wir auf dem Platz und halten Karten für die Party im Turm in der Hand. „Für Deine geile Arbeit, Dietfried! Weißt Du noch, die Sache mit der Meisterschale? Dein Coup schlechthin!“ Wieso das so war, ist mir auch egal. Wie ich gelernt habe, ist jede Presse gute Presse, und Reiser der Allergrößte.“ Zumindest bin ich das heute auch, denke ich, während ich versuche Ritchie endlich abzuschütteln. Anstelle von Ritchie sollte da lieber jemand anders mitkommen. 
Wir stehen auf der Lindemannstraße, der schwatzgelbe Strom aus dem Süden will nicht abreißen. „Ich bin dann mal kurz für kleine Dohertys“, erkläre ich Ritchie und verpisse mich in den Westpark. Für ein paar Minuten. Über die Brücke zurück, in die Massen am Sonnenplatz. Sie fallen mir um die Arme. „Dembowski, Du hast für uns ermittelt. Tief im Herzen wissen wir, Du bist einer von uns.“ beschwichtigen die Einen, während die Anderen mich mit „Ein Mann, der sich Dembowski nannt“ verhöhnen wollen. Es gelingt ihnen aber nicht. Ich hole die Karten für die Party raus und singe „War in der Nordstadt wohlbekannt.“ Sie fallen mir um den Hals. Entschuldigen sich. Mehrfach. Doch längst tanzt die Straße zu „Hacke, Spitze, 1-2-3 – da ist der Lucas stets dabei. Ja! Wir haben keine Nummer 3“. Ein genialer Hit, der immer noch nicht vertont ist, aber schon längst seine Runde gemacht hat, denke ich und bin über mein 13 Pils des Tages mächtig Stolz auf meine Kreativität – auch im Abschütteln von Ritchie. Ich hab jetzt Kriens an meiner Seite. Ein alter Kumpel. Lange nicht gesehen, war unsere Begrüßung und dann natürlich sein ewiger Spruch „Die Championship ist mein Verein.“  
Teil 2 des Meisterwochenendes folgt morgen, ich bin ermitteln
vom riesenrad zur lindemann