Und als ich aus Duisburg zurückkam, nachdem sich die Kräne nicht mehr bewegten, fühlte ich mich besser. Ich habe da wie 1998 gesessen und mir wieder vorgenommen, ein anderer Mensch zu werden und ein anderes Ich zu finden. Ob es mir gelingen wird? Und was ich werden soll? Die Frage stellt sich aktuell nicht. Ich bin wieder einfach aufgestanden, die paar Kilometer zum Bahnhof gelaufen und mich in den Zug gesetzt.

Ich habe keine Ahnung, wie lange ich dort gesessen habe, und mit welchen Leute, dass ich es getan habe ist mir klar, ich mich wie lange und worüber unterhalten habe. Ich saß wieder einfach nur da. Immer dann geschehen Dinge mit mir. Es kündigt sich immer eine Veränderung an, doch verändern sich die Dinge, bemerken wir es selten, denke ich.

Wir sitzen in Häfen und an Ufern und sehen die Bewegungen des Wassers und fühlen uns wohl. Wir sitzen in Häfen und an Ufern und warten auf ein Zeichen und halten, wenn wir es uns trauen, die Zehen ins Wasser und manchmal entledigen wir uns unserer Sachen und springen ins Wasser. Im Wasser dann stört uns keine Kälte, stören uns keine Algen und die Fische stören uns schon gar nicht. Wir kommen aus dem Wasser und alles zieht uns immer wieder zum Wasser zurück, denke ich mittlerweile wieder in der Erdgeschosswohnung angekommen.

Wir sitzen in Häfen und an Ufern und warten. Wir sitzen in unseren Erdgeschosswohnungen, wir fürchten das Licht und die Menschen und gehen genau daran zugrunde. Und als ich mich dann irgendwann wieder zumindest bemühe, diese seltsamen Intervallgedanken zur Seite zu schieben und auf den Kalender schaue, bemerke ich, dass meine beste Freundin heute volljährig wird. Redermann geht nicht ans Telefon, Reiser werde ich dort treffen, ob ich will oder nicht, auf die Feier will ich jedoch nicht verzichten. 18 Jahre „Die Kneipe“. Wie die Zeit vergeht, früher zeigten sie dort an jedem Sonntag Kinski, doch ich war dafür noch lange nicht bereit, dann hing irgendwann die Affenmannmaske unter der Decke und aus einer Kneipe wurde „Die Kneipe“. Sie ist der einzige Ort, an dem sich in all den Jahren nie etwas verändert hat und die doch für so viele dort einkehrende Menschen Veränderungen gebracht hat. Sie ist dieselbe noch wie im letzten Jahr. Auch wenn sie sich hin und wieder erneuert.

„Wentraud, Rubbeldikatz am Borsigplatz und ab in die Kneipe. Den Kiosk lässt Du heute zu. Die Kneipe wird 18 und wir gehen da hin.“ Wentraud nickt nur. Wir verabreden uns auf 19oo Uhr und auch Kleppo wird das Warten auf seinen Autocorso für einen kurzen Moment unterbrechen. „Ich hoffe nur, dass sie nicht doch eintreffen und ich genau dann nicht da bin. Es wäre sehr tragisch, Dembowski. Es wäre sehr tragisch, Dembowski, sehr tragisch.“ Und doch strahlen seine Augen und auch Kater Karlo und Ritchie werden sich aus der verbotenen Stadt rübermachen, Amok, den ich irgendwann einfach vergessen hatte, ruft sich in Erinnerung. Es wird die beste Party der Geschichte werden, denke ich und schränke mich gleich wieder ein, es wird die beste Party der Geschichte nach dem besten Wochenende aller Zeiten werden.

Herzlichen Glückwunsch, Cornel!

vom kanal zur größten party der geschichte, die kneipe wird 18