Das Problem, das sich mir ohne DerSamstag! im Oderbruch stellte, war relativ einfach: Ich hatte niemanden, den ich mit meinen Theorien nerven konnte. Redermann hatte nach der Sache am Flughafen (nachzulesen im aktuellen Heft von Der Tödliche Pass) nichts mehr von sich hören lassen, Amok war mit der Rettung seiner Heimat beschäftigt und Brankhorst hielt es nicht mit den Sternen. Er träumte um Zwölf vom Saufen und war dann auch gleich blau. Dabei hätte ich so viel zu erzählen gehabt, mein Fußballcomeback zählte für mich zu meinen drei besten Comebacks aller Zeiten. An erster Stelle rangierte natürlich „Das Liebescomeback“, doch dahinter rangierte dann auch schon meine neu entflammte Fußballleidenschaft. Alles war wieder da und endlich endlich endlich spürte ich an diesem späten Sonntag auch wieder diesen großen Hass in mir.

Es nützt doch nichts, wenn man sich für Fußball interessiert, für die eine Mannschaft jubelt und der andere Mannschaft respektvoll zunickt und wenn man dann verliert oder unentschieden spielt, sich damit einfach so abfindet. Es hatte ein paar Tage gedauert, aber der Ärger über den Elfmeterpfiff in Manchester kam zurück, als es in der Nachspielzeit in Hannover keinen Elfmeter gab. „Hannover war Krieg, Brankhorst“, erklärte ich meinem liebsten Trunkenbold, als wir am Montag an der Alten Oder hockten. „Ach hör mir auf damit! Die verdienen genug! Meckern, meckern, meckern! Du bist wie der Werbefritze an der Linie. Voll auf Linie, Dembowski. Du bist voll auf Linie. Prost!“, war alles, was von Brankhorst zurückkam

Aber als der Verein die Verluste zählte und neben den zwei verlorenen Punkten auch noch 10 Wochen Verletzungen zu beklagen waren, war es geschehen. Ich rief in Dortmund an. „Redakteur her, ich hab da so eine Vermutung.“ Lang und breit erklärte ich dem Redakteur, warum wir da nicht gewinnen konnten und empfahl ihm, mal in Richtung Andreasenkante zu recherchieren. „Die Spur ist ein Dead-End“, höhnte es vom anderen Ende der Leitung, „Du warst auch schon einmal schneller, origineller. Wo treibst Dich eigentlich rum.“ Ich schmiss das Telefon gegen die Wand. Auf nichts war mehr Verlass. Ich musste Redermann und Amok aktivieren. Irgendwie. Sie würden das für mich regeln können.

Ich setzte eine Mail auf:

Redermann! Amok!
Ich brauche Euch! Jetzt! Bevor das hier alles den Bach runtergeht. „Borussia ist größer als sämtliche Schiedsrichterleistungen“, habe ich neulich gesponnen. Doch ich wollte das hier nicht erwähnen. Ich dachte nicht dran. Und das hier ist das: „Die Schiedsrichterleistungen gehen mir gehörig auf den Sack. Sie könnten den sauber abgetrennten Kopf von Lewandowski präsentieren, und der Kopf würde immer noch ein Freistoß gegen sich bekommen. Ich bin sauer. Der Redakteur ist auch nichts wert, dem müssen wir mal wieder ein wenig Volkszorn entgegenbringen, wir müssen die Massen aufwiegeln. Wenn wir auch nicht für eine Stuttgarter Zeitung schreiben. Wir sind die Konstrukteure (gewesen) und wir müssen was tun. Redermann, schau nach, welche Direktive in Sachen Lewandowski von höchster Stelle rausgegeben wurde. Amok, kümmer Du Dich um die Andreasenkante. Da steckte ne Menge drin, sogar nen Date mit Gwyneth. Ich kümmer mich um ein neues Setup. Amok! Redermann! Ich brauche Euch, hier gibt es nur einen Trunkenbold, und der heißt nicht einmal Dembowski.

Euer Dietfried. 
verzweifelte mail an amok und redermann nach hass auf schiedsrichter im allgemeinen