Puh! Jetzt purzeln die Aufträge nur so rein. Wir kommen überhaupt nicht zu den durchaus notwendigen Umbauarbeiten im großen Boss. Den Samstag, sage ich zu Redermann, verschieben wir einfach auf später, es gibt immer was zu tun, so eben auch heute. Amok hat mich zwar kurzzeitig aus der Bahn geworfen. Nicht durch seine Erinnerungslücken, sondern allein durch die Frage, was ich da eigentlich mache, ermitteln sei es ja nicht, hatte er zu mir gesagt und für einen kurzen Moment stellte ich das auch in Frage, berief mich dann aber auf all meine bisherigen Erfolge, vergewisserte mich in der wikipedia, dass es ohnehin keine genaue Berufsbezeichnung und schon gar keine genaue Berufsausbildung gibt und ich daher tun und lassen kann, was ich will. Ich bin Ermittler, auch wenn Amok meine Methoden fragwürdig findet, sind sie immer zielgerichtet.

Und eigentlich, sagt Redermann zu mir, bist Du doch so viel mehr als nur Ermittler, sind wir beide doch so viel mehr als Ermittler. Wir sind die bald publizierenden Konstrukteure mit angeschlossener Ermittlungsabteilung. Wir brauchen keine Leserreporter, wir greifen uns die Geschichten aus der Nordstadt und bringen sie auf den Tisch, wir trinken mit den Geschlagenen und Abgehangenen und geben ihnen eine Stimme, wir sind auf der richtig guten Seite. Und wenn die gute Seite nicht für alle die gute Seite ist, so ist es immer noch unsere eigene gute Seite und schwerer als die Worte stadtbekannter Menschenverachter wiegt das warmherzige Lächeln Kleppos, wenn er mal wieder von seinem eigenen Auto-Corso erzählt und die Wentraud ihm ein weiteres Bier reicht.

Bei der Wentraud auch kommen wir, Redermann weicht mir seit einigen Tagen nicht mehr von der Seite, er will alles lernen und alles aufsaugen, Piotr habe ihm von meinen Methoden erzählt und diese seien der schiere Wahnsinn, mit Karina ins Gespräch. Sie ist nur auf der Durchreise. Sie ist 57, wohnt eigentlich in Berlin und schaut immer mal wieder hier vorbei. Ihre Worte sind vom Pathos durchdrungen, ihre Weisheit eine erstaunliche, wenngleich auch eine sehr befremdliche Weisheit. Ihre Sprache leuchtet, ihre Vergleiche hinken, ihre Haaren schimmern silberfarben im Abendlicht und ihre Aufgeregtheit kann sie nicht verbergen. Sie habe schon viel von den Ermittlern gehört und gehofft, sie bei der Wentraud zu treffen, erklärt sie uns. Sie habe da ein Anliegen und mit ziemlicher Sicherheit seien wir genau die richtigen Ansprechpartner dafür, erzählt sie uns. Die Wentraud lächelt, zieht ihre Schürze gerade und reicht mir ein Bier durch den Ausschank. Kleppo steht in einiger Entfernung, hört aber mit ziemlicher Sicherheit genau hin.

Er zeigt sich immer wieder beeindruckt, gewiss, er hat Amok noch nicht getroffen, doch Amok und Kleppo würden sich verstehen. Kleppo wartet auf ein Auto-Corso und Amok immer auf das nächste Bier. Das ich mir auf den Schock sofort runterkippe. Auch Redermann ist schon wieder gut dabei. „Lob ist selten, oder?“ fragt er mich mit leiser Stimme. Ich nicke nur. Und höre weiter auf Karina. Sie frage sich jetzt schon länger, wie wir den Übungsleiter K, wie sie Jürgen Klopp in einer Tour nennt, über 2014 an uns binden können. Und mit ihrer Anfrage sei sie beim BVB auf Granit gestoßen. Eine Schimpftirade später sind wir wieder beim Thema. Redermann erklärt ihr mit all seiner bescheidenen Diplomatie, dass wir nicht der Verein und auch nicht das Boulevardblatt von nebenan sind und langsam, ganz langsam dringt das bis zur Karina vor. „Aber dafür suche ich die Ermittler auf! Auf der Suche nach Mitteln und Wegen. Der Auftrag gilt! Bis zur Verlängerung. Spesen und Vorschuss. Alles hier.“ Auf einmal ist sie ganz Geschäftsfrau, auf einmal haben wir einen neuen Auftrag, einen langfristigen Auftrag, der großen Spaß verspricht: Übungsleiter K muss bleiben.

übungsleiter k muss bleiben, sagt nicht nur karina, aber sie erteilt den auftrag