Immer diese Aufregung. Immer diese Meinungen. Geht es nicht ein wenig leiser, dachte ich mir. Geht es am Ende nicht um die Jungs da unten auf dem Platz, die eben ganz gut verdienten? Geht es nicht um die Jungs da unten auf dem Platz, die uns mit ihrer Arbeit fast schon millionenfach glücklich machen? Geht es nicht um die Jungs da unten auf dem Platz, die uns, wenn sie uns nicht glücklich machen, zumindest leiden lassen. Die also durch ihre Existenz unsere Gefühle testen, uns in extremste Lagen versetzen können.

Wir werden geboren, dachte ich, sind erst Säuglinge und dann irgendwann Kleinkinder. Unsere Eltern erziehen uns, geben uns ihre Leidenschaft mit auf den Weg. Als Kind bin ich mit meinem Vater gekommen, und der wurde auch schon von seinem mitgenommen. Wir haben keine Wahl. Und wir wollen keine Wahl haben. Wir werden Fan eines Vereins, bevor wir uns das erste Mal verlieben und wir schenken diese Liebe nicht mehr her. Wir gehen das erste Mal ins Stadion und kennen alle Spieler. Wir stehen das erste Mal auf der Südtribüne und behaupten unseren Platz. Wir sehen die erste Niederlage, unserer Wochenende ist zerstört.

Mit der Zeit gewönnen wir uns vielleicht an die Niederlagen, mit der Zeit werden Siege vielleicht zur Normalität, und doch haben wir uns ein soziales Umfeld geschaffen, das uns an Spieltagen, dachte ich, in der Küche sitzend, auffängt. Ein soziales Umfeld, das über die Jahre hinweg manchmal wichtiger als das eigentliche Spiel ist. Die Jungs da unten auf dem Platz spielen ihr Spiel, der Trainer bekommt nix auf die Kette und wir laufen trotzdem noch hin. Weil wir es immer gemacht haben, weil wir es immer machen werden. Weil es unsere große Liebe ist. Weil wir es nicht anders können.

Wenn wir nach langen Jahren des Stillstands auf einmal wieder oben sind, können wir unser Glück erst kaum fassen, lassen uns mit dem Irrsinn treiben und sind uns bewusst, dass alles irgendwann wieder enden wird. Wir lassen uns mit dem Irrsinn treiben und vergessen das Ende, das hinter jeder Ecke lauern kann. Wir gehen weiter ins Stadion, wir treffen weiter unsere Freunde. Doch jetzt, so dachte ich einen Kaffee trinkend, steht das Spiel wieder im Mittelpunkt. Wir gehen zur Arbeit und denken doch nur an das nächste Spiel.

Wir stecken unsere Nase in Angelegenheiten, die uns nichts angehen, weil wir arbeiten und verlieren jedes Interesse an den Angelegenheiten, die uns nichts angehen. Wir fragen uns, wann es endlich wieder Freitag wird und wir die Mannschaft sehen können. Wir sind Fans. Und als Fans wissen wir nie, was wir tun. Wir sind uns nur sicher, dass diese Liebe niemals enden wird. Wenn wir nicht enttäuscht, sondern belohnt werden, sind wir die glücklichsten Menschen der Welt, dachte ich und blickte auf den Berg Arbeit, der sich in den letzten Wochen meines Fandaseins auf meinem Schreibtisch aufgebaut hatte.

über die unmöglichkeit, kein fan zu sein