Der Sommer hing mir immer noch nach. Am 12.12.12 erinnerte ich mich daran, warum ich mein Interesse am Fußball verloren hatte, mir ja sogar geschworen hatte, eine Pause einzulegen. Das hatte ich nicht durchgehalten. Eine richtige Entscheidung. Aber an diesem Mittwoch kamen all die Dinge wieder hoch. Diese Kakophonie der Hysteriker auf allen Seiten machte mich ganz mürbe im Kopf. Wohin ich auch schaute, mit wem ich auch sprach, was ich auch las, was ich auch hörte – alle Seiten machten mir deutlich, die Zukunft des Fußballs as we know it stand auf dem Spiel. Und egal, welche Richtung die Entscheidung im Frankfurter Sheraton Congress Hotel auch nehmen würde, die Diskussion würde danach nicht verstummen, sie würde lauter und lauter und lauter werden.

Egal, was heute passiert, dachte ich vor der Entscheidung, die Populisten werden populistischer, die Hysteriker werden hysterischer, die Ängstlichen werden ängstlicher, die Paranoiden werden paranoider, die Besonnen werden besonnener, die Drohenden werden drohender und das gesamte Szenario wird gespenstischer. Egal, was passieren wird, dachte ich vor der Entscheidung, die nächsten Tage sollte ich mich von allen fußballpolitischen Dingen verabschieden und warten bis die Vernunft wieder die Oberhand gewann. Das würde dauern.

Als irgendwann die Entscheidung durchsickerte wurde die Hysterischen hysterischer, manch einer verstieg sich zu der stumpfen Aussage, nie wieder in ein Stadion zu gehen, wieder andere sprachen vom Ende des deutschen Fußballs, verdammten ihren Verein, wenn sie nicht gerade Union Berlin-Fans waren, und ihren Verein hochhielten, weil sie sich ja gegen die Entscheidung gestellt hatten und diese Meinung jetzt auch nach außen vertraten. In der unerträglichen Kakophonie war es nicht möglich, ruhigere, besonnenere Stimmen zu filtern. Es war laut, es war der Untergang und es war das Ende der Zukunft, die der deutsche Fußball sich gerade erst erschaffen hatte. Fanvertreter aller Farben warben für ihren Kampf, Politiker sonnten sich in dem, aus ihrem unerklärlichen Druck erschaffenen Glanz. Ich fragte mich, wer die jetzt überhaupt noch wählen sollte. Ich würde es nicht tun. Aber ich würde mich auch nicht dazu verleiten lassen, in den Schwanengesang einzustimmen.

Die Vereine, dachte ich, mussten unter immensen Druck gestanden haben, dafür hatten sie, wenn die Zusätze wirklich gemacht wurden, einigermaßen besonnen reagiert. Das Kind war schon vor langer langer Zeit in den Brunnen gefallen, die Korrekturen, die Anpassungen hatten jedoch zumindest aufgezeigt, dass die Vereine sich nicht erpressen lassen wollten. In den letzten Wochen war ich begeistert von den gemeinsamen Protesten der Fans gewesen. Jetzt musste die Fans, die so wunderbar mit einer Stimme sprachen, doch eigentlich nichts weiter machen, als sich nicht außerhalb der Stadien auf die Fresse zu schlagen, ihre Kindergartenspielereien sein zu lassen, vielleicht auch mal die heilige Kuh Pyro schlachten und alles würde irgendwie weitergehen.

Das Leben ist ein Prozess steter Veränderung. Wenn Fußball unser Leben war, dann war auch der Fußball ein Prozess steter Veränderung. Ich legte die Document auf, nur das letzte Lied der ersten Seite und das erste Lied der zweiten Seite. Immer wieder. It’s The End Of The World und dann The One I Love.

the one i love

3 Gedanken zu „the one i love

  • Dezember 13, 2012 um 7:41 am
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    Da stand "Gewalt ist keine Lösung"
    Da sollte stehen "Gewalt, jetzt, ist überhaupt keine Lösung"

  • Dezember 13, 2012 um 7:40 am
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