„Immer wenn es regnet, muss ich an Dich denken“. Wieder in den 90ern angekommen und doch ist die Party irgendwie anders. Anstatt 2 Unlimited spielen sie Freundeskreis, anstatt neonfarbenen Kampfsportbekleidungen gibt es hier Wursthaare. Redermann hat mich mitgeschleppt, um mal „so richtig die Sau raus zu lassen“. Deckungsgleich sind unsere Vorstellungen da nicht, denke ich und schlendere wieder in Richtung Bar. Noch ein Getränk. Anders, das ist mir klar, werde ich den Abend hier nicht durchstehen. Bereits 2 Unlimited sind immer und zu jeder Zeit hart am Limit, aber die neonfarbenen Kampfsportoutfits entlocken mir meist noch ein Lächeln, ein müdes und geringschätziges Lächeln zwar, aber immerhin ein Lächeln. Mit Wursthaaren, denke ich, hatte ich immer meine Probleme und mit deutschsprachigen Hiphop-Feiern ohnehin. Sie drängen sich auf der Tanzfläche als der Beat von „Sie ist weg“ einsetzt. Ironie, my arse. Ich verstehe es nicht und will es nicht verstehen. Noch eine Rum-Cola bitte, und stell mir doch gleich zwei Rum-Cola hin.

Redermann kommt und schreit „geil, geil, geil“ ins Ohr. Er fällt auf die Knie und brüllt „excuse me while I kiss the sky“ in die Runde. Die Blicke sind nicht auf ihn gerichtet. Ein Paar knutscht am Rande der Tanzfläche, jemand springt auf und ab „und ich bin wieder allein, allein!“. Das Konzept der Selbstdarstellung hart am Anschlag. Noch eine Rum-Cola! Und die Blicke wandern weiter über die Tanzfläche, ich schiebe mich durch, auf die Toilette. Seit an Seit mit den Wursthaaren. Die Cowboyschwingtür. Die Bar. Die Hitze. Too Strong. Such A Surge. Und immer wieder zur Beruhigung „von vorne und von hinten. A-N-N-A!“. Was denkt Redermann, was ich nicht denke, denke ich. Meine Gedankenn schweifen ab. Noch drei Wochen bis zum Ligastart. Noch drei Wochen kräftezehrende Namensfindungsprobleme und noch drei Woche langweilige Vorbereitungsspiele, noch drei Wochen die Frage: „Wer spielt neben Bender?“ und noch drei Woche die Vorfreude auf den ersten Besuch im Stadion.

„Geil, geil, geil!“ Da ist Redermann wieder, wir hängen an der Bar, beobachte ein paar Studentin beim Ausdruckstanz. „Nicht mal erlebt! Nachgeboren! Ausdruckstanzende Erstsemester.“ „Nehm ich mit. Für eine Nacht“, Redermann redet und Dembowski bstellt noch eine Rum-Cola. Die hinter der Bar schaut mich an: „Der Herr Ermittler hat heute ausgeprägten Durst. Darf ich gleich eine zweite Rum-Cola servieren?“ Auf der Karte ist kein Platz mehr für die 2. Auch egal. Die 2 steht jetzt da, auf dem Begleitzettel eine Nummer. Ein Augenzwinkern. Und von vorne bis von hinten A-N-N-A. Durch die Haare streichen. Nervös. Lange schon keine Nummer mehr bekommen. Redermann, in der Menge abtauchend. Fällt vor der Erstsemesterfrau auf die Knie. Hat Erfolg. Zieht in hoch. Fällt ihm um den Hals.

Samstag! Samstag! Samstag! Samstag! Ich habe es. Samstag. Samstag. Samstag. So sollst Du heißen. Samstag! Samstag! Samstag! Samstag! Auch wenn wir manchmal Freitags spielen. Einmal die Woche ist Samstag, einmal die Woche werden wir erscheinen.

samstag! samstag! samstag!