Als Aki Schmidt damals seinen Abschied von der glamourösen Musikwelt verkündet hat, war ich am Boden. Ich hatte es nicht verhindern können und gemeinsam mit Reiser hatte ich einen Stammtisch ins Leben gerufen. Dieser war nur von kurzer Dauer. Unüberbrückbar die Differenzen zwischen uns. Doch Rubbeldikatz durfte nicht sterben. Und die Konstrukteure waren die letzte Hoffnung, das hatte sogar Reiser eingesehen.

Die Welt hatte für einen kurzen Moment innegehalten. Finanzkrise, arabischer Frühling, Fukushima interessierten nicht. Was sollte aus Rubbeldikatz werden? Was sollte aus Rubbeldikatz werden – nachdem bitteren Ende der bewährten Partnerschaft? Bis heute hatten wir unsere Bemühungen geheimgehalten. Höchste Sicherheitsstufe. Nur ein Wort an die Öffentlichkeit, nur ein Wort zur Presse hätte unserer Vorhaben torpediert und am Ende mit Sicherheit auch scheitern lassen. Piotr kam erst mit der Idee eines Spielfilms um die Ecke. „Buck macht das. Wird ne Komödie. Um ausgestopfte BHs und untergehende Schauspieler. Dieser Schweighöfer übernimmt die Rolle“ „Was? Du hast nix verstanden, Piotr! Überhaupt nichts!“, schrie ich ihn damals noch in der Erdgeschosswohnung sitzend an. Piotr mochte ein heller Geist sein, doch hin und wieder holte ihn die Umnachtung ein. Eigentlich immer, wenn es um Öffentlichkeit ging. Er hatte seltsame Vorstellungen von Öffentlichkeit und einen eigentümlichen Unterhaltungsgeschmack. Ihm war da nicht mehr zu helfen. „Lass gut sein, Piotr! Ich kümmer mich drum.“

So war die Drecksarbeit der Konstrukteure am Ende doch an mir hängengeblieben. Die Produktionsfirma bestand auf den Film. Es sei einfach eine zu gute Idee, schrieb mir eine der Verwaltungsangestellten. Meine Laune verschlechterte sich. Klar, Rubbeldikatz durfte nicht sterben, aber auch nicht in einem deutschen Komödienflop weiterleben. Der Schatten hätte sich für immer über die Meisterschaft gelegt. Es war an mir, die Verhandlungen aufzunehmen. Es folgten Treffen, die man dort Meetings nannte, die mir jedoch nur Zeit und Verstand raubten. Es war kurz nach meinem Trip in die Masuren. Die Tage im Unterwasseraquarium hatten ohnehin kräftig an meiner Wahrnehmung geschraubt. Ich war schlagartig Konstrukteur geworden, hatte einen Sidekick und hing in der Saisonpausenluft. Meine Träume schlugen im Takt der Enon Disco, durch die Erdgeschosswohnung fuhr eine Happy Cow. Ich war angeschlagen. Und jetzt die Treffen mit der Filmproduktion, um zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Es waren verdammt lange Verhandlungen, am Ende gelang es mir mit einer Finte, ein „e“ zwischen das „i“ und das „k“ zu platzieren. Immerhin. So war „Rubbeldikatz“ vor einer Verwässerung gefeit und Redermann und ich konnten uns endlich den nachhaltigen Dingen zuwenden. Wie konnten wir das Wort Rubbeldikatz konservieren, wenn es uns schon nicht gelungen war, Aki Schmidt zu einem Comeback zu bewegen? Wie konnten wir Rubbeldikatz für immer in der deutschen Sprache verankern? „Die Jugendschiene! Ich kenn da jemand beim Verlag“, schlug ich vor und Redermann blickte mich an, und lachte: „Und dann ne Kampagne! Da bin ich bei Dir!“ Natürlich kannten wir niemanden bei irgendeinem Verlag, aber durch ein paar Kniffe konnten wir das Wort auf die Kandidatenliste für das Jugendwort des Jahres unterbringen. Jetzt hatten wir leichtes Spiel. Im Internet kannten wir uns aus. Über die Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozesse im Internet hatte man sich als Konstrukteur zu informieren. „Die Zukunft!“, hatte uns Piotr eingebläut „liegt vor Euren Augen“. Und genau dort nahm die Entwicklung nun ihren Lauf. Wir waren verdammt gut. Wir bestimmten, wer wann wie oft abstimmen konnte. Wir blieben am Ball. Heute ist „Rubbeldikatz“ auf der Langenscheidt „Jugendwort des Jahres“-Liste aufgetaucht. Rubbeldikatz wird nicht sterben!

rubbeldikatz wird nicht sterben!