Die Koffer hatte ich gepackt. Ein paar schwarze Hemden, meine Krawatte, meine schwarzen Hosen und meine schwarze Lederjacke. Ich wollte noch einmal kurz weg. Inspiration holen. Es gibt immer noch keinen neuen Namen für den großen Boss. Mit Schwung und dem guten alten John Denver Jetplane war ich längst startklar, doch in der Tür stehend klingelte das Telefon.

„Dembowski, wir haben ein Problem“. Es war Reiser. Eigentlich wollte ich sofort wieder auflegen. Reiser hat immer Probleme und Reiser ist das Problem. Immer und zu jeder Zeit. „Dich?“ „Jetzt hör mir mal zu, Dietfried, hör mir wirklich zu“, so kannte ich Reiser nicht. Seine Stimme stockte, flehte, bebte und zitterte bei jedem einzelnen Wort. Irgendwas musste passiert sein, und scheinbar war ich seine letzte Hoffnung. „Ich habe keine Zeit, erzähl schnell, der Flieger geht gleich!“ „Du wirst Zeit haben, Dietfried, Du wirst Dir die Zeit nehmen, wenn ich Dir erzähle, was passiert ist, wirst Du Dir die Zeit nehmen, Dietfried.“ „Raus mit der Sprache, Reiser! Wie Du weißt: Ich habe keine Zeit!“ „Aki….“ „Was ist mit Aki?“ „…ist raus?“ „Was erzählst Du da? Wo raus? Und wieso?“

Ich hatte mich längst wieder an den Küchentisch gesetzt, die Spiegelwand schilderte mein Drama. Ich war jetzt bereits den Tränen nahe, wenn es das ist, was ich denke, dachte ich am Küchentisch sitzend, ist das die größte mögliche Katastrophe für die Stadt und für die Menschen, die so viel Hoffnung investiert haben. „Reiser, mach kein Scheiß! Verarscht Du mich? Ist es das, was ich denke? Ist es wirklich passiert? Ich war auf dem Saarlandstraßenfest schon verwundert, Du ja auch. Wir haben kein Wort drüber verloren und wir haben uns in unseren Streitigkeiten gesuhlt, während um uns herum, die Welt zusammenbrach? Sind wir noch bei Trost? Mit diesen Händen, die jetzt den Hörer halten, könnte ich auf die Welt einschlagen. Sie ist so ungerecht! Sie ist verlogen! Sie raubt die Hoffnung! Sie lässt einen kurz glauben, alles sei OK und dann schlägt sie mit aller Macht zurück. Sie zerstört Träume. Sie macht mich fertig. Ich will auf sie einschlagen. Jetzt! Doch halte ich den Telefonhörer in der Hand, Reiser. Den verdammten Telefonhörer. Mir sind die Hände gebunden.“ „Verdammt, Dembowski, krieg Dich wieder ein. Ja, es ist so, wie Du denkst. Aber denke dran, Du bist unsere letzte Hoffnung. Rubbeldikatz darf nicht sterben.“

Er hatte Recht. Er hat Recht, denke ich. Rubbeldikatz darf nicht sterben. Hoffentlich hoffentlich hat Piotr eine Idee. Rubbeldikatz am Borsigplatz, die Beatles haben sich aufgelöst, ich konnte es nicht verhindern. Kurt Cobain ist gestorben, ich war zu jung. Es sind so viele gegangen, aber das hier und heute darf nicht passieren. Für den späten Abend verabredete ich mich mit ein paar Bekannten, die Interessensgemeinschaft „Rubbeldikatz darf nicht sterben“. Ab sofort, das ist das Ergebnis, das zu teilen es sich lohnt, erklärten wir jeden Montag zum Rubbeldikatz-Tag! Immer und zu jeder Zeit. Ob es hilft? Es bleibt nur die Hoffnung. Es bleiben nur die Konstrukteure, sogar das hat Reiser eingesehen.

Ich breche mit der Tradition. Hier ist das Video

rubbeldikatz darf nicht sterben!!!