„Endlich Herbst!“ rufe ich aus und stehe mit neuem Schwung auf. De Sommer gut verbracht, ein aufregender Sommer, der mir Redermann zuführte und vor allen Dinge neben „Der Samstag!“ auch die Konstrukteure in mein Leben einführte. Sie haben, und das kann ich ohne größere Reue sagen, mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Also raus aus dem Bett, rubbeldikatz zum Plattenregal und „Oh, Inverted World“ hervorgeholt. Gibt es überhaupt bessere Musik für den Herbst, frage ich mich. Ich mache mir einen Kaffee und singe „Lift the mattress off the floor / Walk the cramps off / Go meander in the cold / Hail to your dark skin / Hiding the fact you’re dead again!“.

Die Fenster habe ich weit geöffnet, es ist sowas von egal, was da draußen passiert, solange es nur Herbst ist. Von der Schule dringen Pausengeräusche rüber, bei der Wentraud ist bereits mächtig was los. Seitdem sie auch Brötchen verkauft, läuft das Geschäft. Der Bäcker ist überfragt, aber wen stört der Bäcker, wenn der Bäcker letztendlich der störende Punkt in dieser Straße ist. Ein wenig Sonne wagt sich hinter den Wolken hervor. Auch sie scheint zu sagen: Schaut, es ist Herbst! Endlich kann ich wieder scheinen. Zu „New Slang“ blättere ich in der Zeitung. Immer wieder ist vom Naziaufmarsch am Wochenende die Rede. Die Konstrukteure werden ihre Informanten in der Gruppe haben. Die Ungeheuerlichkeiten des Abschaums lassen mir einen kalten Schauer den Rücken runter laufen. Sie sind nicht zu vertreiben.

Am Fenster stehend erzählt der Grieche mir von seinen Schlachten in der Nacht. Nur dann, erklärt er mir, kommen sie raus. Er deutet auf seine Faust. Sie hat ein paar Schrammen abbekommen. „Bist Du dabei, Dembrowski?“. Die Rede ist von Samstag, die Rede ist von der Sitzblockade. Der Grieche spricht meinen Namen immer falsch aus, denke ich, aber die Idee an sich ist nicht schlecht. „Ja, vielleicht!“ „Ok! Wir sehen uns in der Kneipe. Treffpunkt ist dort! Machs gut, Dembro!“. Auf die Shins folgen jetzt Special AKA. Ihr Racist Friend wurde damals auch vom Hamburger Ententrio gecovert. Auch gar nicht schlecht, aber gegen die Specials AKA nur ein schwaches Glimmern. 

Während ich da sitze und dann doch noch die Entenversion von Racist Friend auflege, Special AKA chillt für die Morgenstunden doch ein wenig zu sehr, an meinem Fenster die Daumen hoch gehen und ich zustimmende Blicke erfahre, bin ich längst in meine Mails vertieft. Zeit für ein Amok-Update. Der alte Technikfuchs baut seit einigen Wochen an einer Schallanlage, die man so noch nicht gesehen, geschweige denn gehört hat! Das hier schreibt er:

Hallo Dembowski, die Konstrukteure müssen mal langsam den Arsch hoch kriegen und so habe ich auf eigene Faust Ermittlungen angestellt. Ich habe es unter dem Aktenzeichen „das Projekt“ abgelegt. Meine Recherchen ergaben folgendes. Im „Saturn“ Prospekt waren Lautsprecher beworben, 99,- Euro, gute Teile, glaub mir. Dann ging es schnell vom Westenhellweg rüber nach „Conrad“ uund wichtige Konstrukteurutensilien wurden besorgt. Zwei Lüsterklemmen und ein Päckchen Kabelbinder. Summasumarum 2,39 Euro.Die Ermittlungen waren aber noch lange nicht am ende, es sollte also weiter gehen, zum „Herbrügger“ um die Ecke. Der Schreiner in der Werkstatt ist ein alter Kumpel von mir und hat mir unter der hand das gefordete Sperrholz akkurat zugeschnitten. Eigenlich war „das Projekt“ somit fast abgehakt, allerdings fehlte noch ein Baustein. Ab in die Elektronikabteilung, zielsicher die Akkuschrauber links liegen gelassen, um die fehlenden Kabel zu organisieren. Dann der Schock. „Herbrügger“ hatte nur 10 Meter Kabel am Stück. Nach einer SMS an Redermann konnte dieser Fall aber elegant gelöst werden. Ich habe auf anraten dann einfach 6 dieser Stromleitungsprodukte erworben und einfach zusammengestöpselt. Das Gesamtergbenis dieses Einsatzes dürfte als gelungen angesehen werden. Mal sehen was da noch bei rum kommt und wie „das Projekt“ in Zukunft eine Verwendung finden kann. Ich bin allerdings grade wirklich ratlos wie das nun weitergeht und hoffe die Konstrukteure haben da eine Idee wie man diesem Schlamassel entfliehen kann . Gruß Amok

Eins muss man Amok lassen, er nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Ich leite die Mail an Piotr weiter, bedanke mich in aller Form bei Redermann und fahre den Computer wieder runter. Um 11 Uhr ist PK. Was planen Schulze und Koslowski für Samstag? Ich werde sie in einem ruhigen Moment abfangen und sie über die Informanten aufklären. In diesem Fall sollten auch die Konstrukteure mit Schulze und Koslowski arbeiten. Ich nehme den Umweg über Dorstfeld und bekomme schon jetzt schlechte Laune.

racist friend