Lieber Fußball
Manchmal gehst Du mir wahnsinnig auf die Nerven. Manchmal verstehe ich Dich nicht mehr. Dann denke ich, dass wir uns auseinandergelebt haben. Du hast den Weg des Turbokapitalismus gewählt und ich sehe mich dann als trauriger Chronist Deines Aufstiegs, der in Wahrheit nichts anderes ist als der lange Weg die Achterbahn hinauf. What goes up, must come down, Du kennst den alten Blood, Sweat & Tears-Klassiker.
Manchmal, lieber Fußball, aber machst Du mich verrückt. Dann war wieder Bundesliga-Wochenende. Dann kassiert Schalke in der letzten Minute ein Abseitstor und Du bereitest den Weg für die schlechten Wortwitzwochen. Dann, bei aller Rivalität, erfindest Du eine Bayern-Mannschaft, die marschiert und marschiert und eiskalt ist und sich nicht ablenken lassen will.
Dann lässt Du Wolfsburg gegen Augsburg stolpern, immer wieder. Und dann ist das ein Hauch von Gerechtigkeit. Und um diesem Spieltag noch die Krone aufzusetzen, verzichtest Du im letzten Spiel des Spieltags auf Roman Weidenfeller und stellst Mitch Langerak ins Tor, der jedoch in der ersten Halbzeit nichts machen muss, weil eben Reus ein Genie und Lewandowski, dessen Handlungsstrang Du gefälligst in den nächsten Wochen mal zu Dortmunder Gunsten auflösen solltest, einer der erstaunlichsten Stümer in der Borussia-Vereinsgeschichte ist.
Du lässt Kuba einen Elfmeter verwandeln und in der Folge Boenisch die linke Seite der Leverkusener rauf- und runterlaufen. Da denkt man sich: Boenisch? Wirklich Boenisch? Der Boenisch? Du zeigst Dich unbeeindruckt und obwohl Langerak das 100. Bundesliga-Tor von Kiessling verhindern kann (das sparst Du Dir wohl für das Gladbach-Spiel auf!) , ist Leverkusen innerhalb weniger Minute aber sowas von wieder da und jeder denkt, dieses Spiel hat sich jetzt gedreht, dieses Spiel läuft jetzt in eine Richtung, lässt Du Lewandowski direkt in den Torjubel hinein das 3-2 erzielen.
Jetzt ist es an der Zeit, die Bilder von der Seitenlinie einzufangen. Die Gelegenheit für die Angespanntheit des Jürgen Klopps, die – weil Du es ja gut meinst mit den skandalösen Begleitumständen – von Gummibärchentütenwürfen aufgelockert wird. Und natürlich muss Kuba dann noch einen Elfmeter verhauen, weil er wieder zögert und Leno sich diesmal nicht übertölpeln lässt. Du lässt uns zittern und führst das Spiel doch zu einem guten Ende.
Ach, Fußball, Du wunderbares Spiel! Manchmal bist Du wirklich gut zu uns. Bleib so, wie Du an diesem Wochenende warst. Und denk dran, Du musst bezahlbar sein.
Viele Grüße
Dein Fan
Der Ermittler
offener brief an den fußball