Es war einer dieser verschissenen Tage. Redermann berichtete mir von seinen Ermittlungen, doch auch diese konnte man nicht als gelungen bezeichnen. Sollte er den Neuen aus unserem Revier verjagen. Zusätzlich hatte ich jetzt auch noch Markus Auersberger an den Haken. Mehrfach hatte ich Redermann gebeten, sich von ihm fern zu halten und ihn keineswegs wieder an Bord zu holen. Die Anweisungen von Piotr waren da doch sehr deutlich. Jetzt war es eben geschehen und gelinde gesagt, bereitetet mir das nicht die größte Sorge. Der Auersberger war ein feiner Kerl, und er hatte die Technik im Griff. Vielleicht war das keine so schlechte Ergänzung, dachte ich während ich durch die Rolloritzen spähte.

Draußen spielte sich seit Stunden nur ein Bild immer wieder von vorne ab. Direkt vor dem Fenster hatten es sich die Grünen bequem gemacht und ihre Einsatzzentrale eingerichtet. Schulze und Koslowski hatten mich noch am Abend informiert. Ich würde mich nicht vor die Tür wagen. Die Braune in meinem Revier und mir waren die Hände gebunden. Hin und wieder ging ich zur Wentraud und fasste mir mit Kleppo an den Kopf, auch die Wirtin hatte sich zu uns gesellt. Sie musste den Laden schließen. „Kommt sowieso niemand. Veranstaltung abgesagt!“ Da hatte ich wochenlang auf sie eingeredet und sie letztendlich auch überzeugen können. Doch jetzt war dies hinfällig. „Kultur an diesem Tag ist nicht möglich“, bemerkte ich und fügte hinzu „aus rein logistischen Gründen!“ Auf einmal aber war es mir draußen deutlich zu unruhig geworden. Die Grünen zogen sich um und standen jetzt in voller Kampfmontur am Kiosk.

„Lass uns besser reingehen“ schlug ich Kleppo und der Wirtin vor. Und so saßen wir nun bei mir in der Erdgeschosswohnung rum. Irgendwann rief Redermann an. Er war die Blockade umgangen und zwischen die Fronten geraten. Jetzt schimpfte er auf alle Idioten, wir stimmten ihm in Sicherheit sitzend zu. Niemand wollte Musik hören und sogar Kleppo regte sich in einer Tour auf. „Auf der einen Seite hängen die Schweine GAS geben vor das jüdische Museum in Berlin und hier sind Sitzblockaden gleich Straftaten. Ich verstehe die Welt nicht mehr!“ Niemand verstand die Welt. Niemand wollte diese Jungs in der Stadt haben. Sie machten im ganzen Land Schlagzeilen. Sie störten den Samstag, sie nervten nur noch. Wir schauten noch ein wenig auf den Live-Ticker der Ruhrbarone und hörten die Aufregung vor der Tür. Noch einmal öffnete ich das Fenster und schrie einer der Stumpfbacken „Lass Dich hier nie wieder blicken“ entgegen. Es würde nicht helfen.

nazis raus

5 Gedanken zu „nazis raus

  • September 4, 2011 um 7:55 am
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    Na, wenigstens kannst Du gut spanisch.

  • September 4, 2011 um 1:11 am
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    Und Du kannst?

  • September 3, 2011 um 5:39 pm
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    Kannst Du denn Kultur?

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