Kann man wirklich nichts sagen, dachte ich. Zum ersten Mal seit Tagen waren mir die Kerle egal und die Kneipe konnte auch was. Sie hatte jetzt endlich Kronen besorgt. Wie sollte die Borussia da noch verlieren? Ich hing an der Theke rum und als der Laden voll war, die Mannschaften einliefen und diesmal liefen die Hertha-Spieler ein, war ich doch etwas verwundert. Es muss nach dem vierten Kronen in der Kneipe gewesen sein, als es mir auffiel. Sie zeigten Hertha gegen Hamburg. Schlagartig wurde mir bewußt: Dembowski, Du bist in Berlin. Nicht einmal in Kiel.

Während des Spiels schaute ich kopfschüttelnd, auf diese Sache dort im Netz. Die Borussia dominierte den Softwaregiganten nach Belieben und dieser verdammte Kuba war erneut in Bestform. Das Ding war durch und so sahen es wohl auch die Störche aus Kiel. Da setzten sich also Spieler hin und entschuldigten sich bei anderen Spielern, der Verein choreographierte und am Ende war da in den Augen der Spieler nichts als Furcht. Ihr schwaches „Sorry BVB“ war nur Ausdruck der Angst vor der großen Borussia. Hatten die Konstrukteure da ihre Finger im Spiel. Ich würde Piotr fragen. Hatte ohnehin schon lange nichts mehr von ihm gehört.

Auf der Leinwand stand es mittlerweile 3-1 und natürlich war das in dem Moment nicht genug, doch die Kerle waren aus meinen Gedanken verschwunden. Hatten sie mich in der Nacht noch auf der Glienicker Brücke überrollen wollen, so waren jetzt nicht mehr da. Noch aber war die Sache nicht ausgestanden. Natürlich würden sie mich erneut besuchen, um zu vollenden, was zu vollenden ihnen bislang nicht gelungen war. 3-1! Hopp zurückgeschlagen. Keine Hoffnung in den Herzen. Dafür war ich blau. Ich sollte meine Finger vom Alkohol lassen. Ich musste vier, fünf Tage durchgesoffen haben. Ich wußte es nicht mehr. Wenn da nur nicht diese Kerle wären. Diese verdammten Träume. Diese Kerle. Diese alles vernichtenden Träume.

Als ich aus der Kneipe kam, hatte sich ein Schneefilm über die Stadt gelegt. Es war dunkel und doch heller als in den letzten Wochen zu diesem Zeitpunkt. Natürlich hatte ich den Schnee nicht vermisst, aber jetzt da er da war, hatte ich zumindest ein Ziel für den Sonntag. Raus aus der Stadt. Schneespaziergang. Kopf klar bekommen. Nur vorher musste ich noch den Kommentar abliefern. DerSamstag! konnte nicht warten. Ich war mir nicht sicher, ob ich etwas niederschreiben konnte. Aber ich wollte es immerhin einmal probieren.

Nach Sieg gegen Software-Giganten: Barrios muss gehen!
(berlin / 29.01.2012) Sie rollen! Von Spiel zu Spiel rollen sie. Wenn Götze ausfällt, ist Kuba bereit. Wenn Kagawa nicht will, zwingt ihn Großkreutz. Wenn Lewandowski nicht trifft, kommt Barrios. Es könnte alles so gut sein. Aber das Meisterteam bricht auseinander. Als Barrios frei vor Starke scheiterte, war dies die letzte Aktion des Welttorjägers. DerSamstag! hatte es bereits im Dezember verkündet, doch jetzt wird es auch der Rest der Fußballwelt wissen. Der Welttorjäger verlässt die Strobelallee und sucht sein Glück auf der Insel. Der Reus-Tausch ist gescheitert! Wie DerSamstag! berichtete wollte Gladbach Barrios, doch nicht sofort! Doch Barrios will sofort weg. Gnadenlos rasiert. So unmenschlich ist der Meisterverein. Wer seine Leistung nicht bringt, muss gehen! Sie rollen von Spiel zu Spiel. Und verlieren ihre Menschlichkeit.  (dembowski / DerSamstag!)

Ich las noch ein wenig in den Kommentaren unter dem Störche-Video und schämte mich mal wieder, meine Liebe mit diesen Menschen zu teilen. Das Internet machte mich noch verrückt, ich schlief ein. Lieber die Kerle. Lieber echte Kerle als diesen Internetheldentum.

nach sieg gegen software-giganten: barrios muss gehen – der kommentar