Auch anstrengend. In der Kneipe sitzen und die 10 Mann sehen. 10 Mann, die ihren Vorsprung nicht nur verteidigen, sondern auch noch verdoppeln. Während es Redermann also nach Bremen gezogen hat (guter Job, Ernst! Auftrag erfüllt!), saß ich der Kneipe und kippte die Kronen voller Nervosität in mich rein. Hin und wieder stimmte ich den neuen Hit „Ohne Platz 2 schlafe ich heute nacht nicht ein“. Ich hatte das Lied schnell runtergerissen und in der Kneipe traf es auf größte Zustimmung. So saß ich da, sah Owo den Ball ins Tor verlängern, erhielt die Nachrichten aus Bremen, die ich selbst im TV sah und stöhnte noch in der 85 Minute.

Ich hatte wahnsinnige Angst um die Serie, und Redermann es um einiges besser. Er war in Bremen und konnte es wenigstens ein Stück weit beeinflussen. Irgendwann, nach dem siebten oder achten Kronen, sprach mich die Wirtin dann wieder auf die alte Hoppenheim-Geschichte an. „Was ist denn jetzt damit?“ „Was soll schon sein?“ „Schwache Nummer, Dembo!“ „Wieso?“ „Erst treibt ihr die Jungs in die Enge und dann vergesst Ihr es einfach!“ „Schon klar, aber….“ „Dembo, nix aber. Reiser lacht sich hier regelmäßig kaputt. ‚Was machen die Samstags-Jungs eigentlich wegen Hoppenheim?‘ fragt er mich immerzu. Was soll ich antworten?“ „Fuck! Du hast Recht. Aber wir haben keine Zeit.“ „Keine Zeit? Du hängst tagelang hier in der Kneipe rum und kippst Dir die Kronen hinter die Binde, Dein Ernte-Aschenbecher quillt über. Ich kann den gar nicht so schnell leeren!“ Sie hatte Recht. Ich ging aufs Klo und betrachtete mich im Spiegel, mein Blick war verzeert, die Augen voller trunkener Leere. Bis auf ne große Fresse hatten wir in Hoppenheim nichts erreicht. Waren wir am Ende der Macht nicht gewachsen? Wir waren immer noch die Konstrukteure! Und wir waren stärker als der DFB, als die DFL und Hoppenheim zusammen.

Ich würde mich mit Amok in Kontakt setzen müssen, er war mir in letzter Zeit ein wenig entglitten und zog seit seiner Entführung sein eigenes Ding durch. Jetzt aber würde sich das ändern. Er war mein Mann für Hoppenheim und er wußte es. Ich hatte ihn jedoch immer wieder auflaufen lassen und irgendwann war bei ihm sicher die Ernüchterung eingetreten. Raus aus dem Klo. Ich bestellte mir noch ein Bier und freute mich über den alten Soup Dragons-Klassiker. „Free“! Ich stand auf, ging auf das Podest, zündete mir noch eine Ernte an und riss meine Hände hoch. Heute werde ich die Welt nicht mehr verändern können, heute werde ich einfach noch betrunkener, dachte ich. 3 Punkte! Und Lothar war immer noch bei Reiser. Vielleicht würde er was drehen können. Ich nicht.  Nicht jetzt.

Am Samstag traute ich mich nicht vor die Tür.

mission 3 punkte erfolgreich