Mir verging es dann aber doch. Nicht die Liebe für den Verein, aber sonst ziemlich viel. Eigentlich war es ein großartiger Samstag. Sogar Nobby Nobster G hatte es mit den Konstrukteuren aus England nach Dortmund gezogen. Die Geschichte in Dover war ausgestanden. Irgendwie zumindest. Er sprach es nicht an, und ich hatte kein Interesse es nur zu erwähnen. Wenn dies also auch zwischen uns stand, so waren wir gemeinsam vor dem Stadion und freuten uns auf das anstehende Spiel.

Ein paar seltsame Gestalten erkundigten sich bei mir nach auswärtigen Fans. Wir standen im Kreuzviertel, gingen noch einmal die Aufstellung der Bremer durch und waren beruhigt. Nichts würde passieren. Ein neuer Wück war nicht in Sicht, ein neuer Rekord schon. „Wollt ihr die Bremen auch fragen, wer die Spieler sind, die da heute auflaufen?“, fragte ich den Kleineren.

Er hatte kurze Haare, eine lustige Trainingshose, durch die sich sein Geschlecht drückte und war grundsätzlich bestimmt voll bei der Sache. „Äh ja. Wir suchen eher ne kleine Gruppe, wir wollen nen Schal?“ Ich verstand nicht und verwies die Boys an den Fanshop. „Parkt sicher wieder zwischen Rote Erde und Süd. Oder ihr geht noch einmal runter, an der Brücke steht nen Typ, der verkauft die für einen 5er“ Sie belegten mich mit ein paar Schimpfworten und verschwanden. Komische Gestalten. Aber süße Jungs.

Auch Redermann zeigte sich kurz, war dann aber gleich weg. Date mit Reiser. Die Stadt hatte sich verändert. Ich auch. Aber das hatten wir schon. Im Stadion ging alles schnell. Der Rekord war nach 8 Minuten eingefahren. Großkreutz, Gündogan, Kagawa. 1-0 und kein Bremer weit und breit, der ein Tor schießen konnte. Wir trafen dann zwar trotz vieler Chancen auch nicht mehr, aber es blieb beim 1-0 und zumindest in der ersten Halbzeit hatte ich guten Fußball gesehen. 

Trotzdem riefen sie auf der Tribüne die Krise aus. Zum Glück hatte ich die Tabelle dabei und zeigte drauf. Wir liefen Gefahr, in dieser Saison keine 70 Tore zu schießen, aber wir liefen nicht Gefahr, keine 70 Punkte zu erlangen. Nach dem Bremen-Spiel waren wir bei 59. Eine formidable Ausbeute in der Titelverteidigersaison. Noch waren 24 zu vergeben und 11 davon würden wir wohl holen. Und 11 davon würden zum direkten Einzug in die Champions League reichen und 16 davon würden zum Titel reichen. Keine Panik!

Nach dem Spiel traf ich kurz den Langen, der mir in guter Tradition die Punkte überreichte. Für gewöhnlich übersendete er mir diese per Post, diesmal konnte ich sie persönlich abholen. Es war gut, wieder in Dortmund zu sein. Auf zur Kneipe. Würde Redermann auftauchen und was würde Amok aus dem Süden berichten? Und könnte Hertha die Bayern kleinhalten?

Als ich nach einem Abstecher zur Wentraud, die vor ihrem alten Kiosk stand, und mir von einem erneuten Überfall, diesmal ohne Affenmaskenmann, sondern nur mit Stemmeisen, berichtete, in die Kneipe kam, stand es bereits 3-0 für die Bayern, die in der Folge einfach noch ein paar Tore schossen. Otto war mit dem Kopf vielleicht schon bei der Bundesversammlung. Die Mannschaft eventuell schon in anderen Vereinen. Preetz hatte den Verein runtergewirtschaftet und Hertha drückte sich nicht gerade vor dem Abstieg.

Aber es lag was in der Luft. Redermann rief an. „Hast Du den Banner gesehen?“ „Was fürn Banner? Hab nur die Boxerei im Block gesehen. Komische Typen“ „Boxerei. Ja. Wegen des Banners“ „Und was stand da jetzt drauf?“ „LIEBER NE GRUPPE IN DER KRITIK – ALS LUTSCHERTUM UND HOMOFICK! – dann war da noch ein anderer Banner. Gutmenschen oder so.“ „Was für Idioten. Wieso der Banner?“ Redermann erzählte mir dann eine Geschichte, die mich nach gut zwei Sekunden bereits ermüdete. Im Prinzip, erklärte Redermann mir, sei eine Bremer-Gruppierung schuld, weil sie die DES in die rechte Ecke gestellt hatte, sich aber gleichzeitig für Schwulenrechte einsetzte. Oder so. 

Vielleicht waren sie auch Schuld, weil sie die DES schlecht behandelt hatten. Es war nicht ganz klar, und auch Redermann, der stundenlang auf der Tribüne recherchiert hatte, war noch zu keinem endgültigen Entschluß gekommen. Komplizierte Sachverhalte, und, wie Redermann gehört hatte, sollte man da jetzt auch nicht zu viel Wind drum machen. Schließlich sei niemand zu Schaden gekommen.

Er wollte mir nicht sagen, woher diese Worte stammten. Aber sowohl Redermann als auch ich waren ziemlich gepisst von diesem Banner und auch den anschließenden, absurden Erklärungen um die Hintergründe. Das hier war nicht das Leben des Brian. Das hier war Borussia, das hier war von der Süd gekommen und diese Hintergründe konnte man nicht kennen, wenn nicht einmal der Ermittler und sein Sidekick da durchstiegen. Ich saß dann in der Kneipe, war aber nicht mehr ganz bei der Sache. Der Abend plätscherte dahin, der Nobster konnte mich nicht aufheitern und so schraubte ich mir ein paar Biere rein und machte mich niedergeschlagen auf die Rückreise.

Im Soldiner Kiez angekommen, fiel es mir immer noch schwer die richtigen Worte zu finden. Aber DerSamstag! erfordete einen Kommentar. Das hier waren meine Worte.

Die Idioten im Block
(berlin / 18.03.2012) Borussia eilt von Sieg zu Sieg. Sie scheren sich nicht um die 20-Tore Bayern. Sie machen klar: Hier regiert der BVB, und wird es weiter tun. Aber anstatt Hier Regiert der BVB, trieb am Samstag ein Banner sein Unwesen. Mitten auf der Süd, mitten im Herzen des Stadions. Die Worte sind zu dumpf. Sie werden an dieser Stelle nicht stehen. Es geht um Streitigkeiten. Mit anderen Fangruppierungen.
 Doch wer hat die Zeit sich damit zu beschäftigen. Am Ende bleiben die Worte von Idioten, voller Hass und Donner. Und ein erschreckendes Bild. Dieses Pack hat im Stadion nicht zu suchen. Ein Bild, das die Runde macht. Ein Bild, bei dem die Hintergründe nicht hinterlegt sind. Auf dem Banner stand nicht: Lieber ein Homofick – als Naziparolen und Iidotenchique! Eher das Gegenteil. Die süßen Boys der DES stehen im Abseits. Und bald hoffentlich nicht mehr im Stadion. (dembowski / DerSamstag!)

lieber ein homofick – als naziparolen und idiotenchique