Irgendwann aufgewacht, durch sonnengetränkte, stets verdreckte Scheiben in den Hinterhof geschaut. Das Geräusch musste die Müllabfuhr sein. Wie immer, wenn die Geräusche am frühen, jedoch nicht am frühesten Morgen, denn dann ist, wie bereits mehrfach beklagt, der morgendliche Streit zwischen Bäcker, Busfahrern, Pendlern und der Wentraud, der mir letztendlich, so ich wach bin, frische Brötchen beschert, die Müllabfuhr die die Tonnen nach und nach aus dem Hof karrt. Für ein paar Tage ändert sich dann der Hinterhofgeruch, bevor er, irgendwann zwischen den Leerungen wieder auf Normalmaß pendelt.

Die gute Laune lässt mich den „Müllmann“ auflegen. „Ist doch Müll, ist doch Dreck, muss doch weg!“, schnoddert Rossmy in sein jugendliches Gesicht und die Müllmänner blicken voller Ehrfurcht in das nun weit geöffnete Ermittlerfenster. Ihre grauen Gesichter werden lebendig und sie nicken mir anerkennend zu. So beginnt also ein weiterer Tag im Leben des Ermittlers aus Leidenschaft, der irgendwann einmal zu einer Zeitung namens „Der Samstag!“ gekommen war. Die Existenz des Samstags hing jedoch bereits nach wenigen Wochen am seidenen Faden. Doch noch verschwende ich kein Gedanken daran, das gerade erst begonnene Projekt zu beenden. Gerade jetzt, denke ich mir, gerade jetzt mit diesem Gegenwind, diesem Krisengerede, dieser Niedergeschlagenheit in der Stadt wird „Der Samstag!“ gebraucht. Nicht, um auf fatale Art und Weise den Erinnerungen an lange vergangene Meistertage nachzuhängen, sondern um ein positives Zeichen zu setzen. Erstaunt kratze ich mir an der Schulter. Wie kann es sein, dass Dembowski, der Ermittler aus Leidenschaft, nun für die Zuversicht zuständig ist und sich die im letzten Jahr noch als Gralshüter der Zuversicht gerierenden Anderen hoffnungslos zurückgezogen haben.

Mag man es klassisch und steht man auf Plattitüden, denke ich, sollen sie doch einfach immer wieder mit „Some Might Say“ beschallt werden. Auf Donner folgt Sonnenschein und auf Ebbe auch immer Flut. Den Lauf der Welt kann niemand verändern, doch kann man sich gegen den Lauf der Dinge stemmen. Das verlangt Kraft, denke ich, immer noch der Supermüll zuhörend. Kraft, die mit den Meisterfeiern, den angesammelten Erwartungen und ja auch mit den Versprechen der letzten Spielzeit den meisten Menschen dieser Stadt abhanden gekommen ist. Doch, auch das ist mir bewußt, werden sie alle sagen, dass zwar auf Ebbe Flut folgt, dass aber die Spüle immer noch voller Teller sei. Und ich werde entgegnen: „Dann spül den Dreck doch weg.“ Manchmal, denke ich, ist die Regierung gar nicht so verkehrt. Die Momente, in denen sie das Beste von 1984 – 1995 spielen, gehören zu den besten Momenten der Welt. „Schau Dir doch nur diese Typen, ich weiß, alles was sie wirklich interessiert, ist Koks und ihre Frisuren!“ Und so schließe ich das Fenster wieder, ich werde es nicht putzen, und gehe in den Tag. Nicht neidisch. Es ist mir egal, ob ich dazugehöre. Wichtig ist die Hoffnung. „Kopf hoch“ rufe ich jedem zu, der mir auf meinem Spaziergang durch mein Revier entgegenkommt. Sie raunen: „Dembowski, was ist mit Dir los?“ „Leider Leidensen has left the building“, entgegne ich und sie lächeln wissend.

leider leidensen has left the building