Aber wo soll ich Abstand gewinnen, bevor es dann wirklich losgeht? Es geht doch bereits heute los und wieso sollte ich dann noch in die Sonne reisen, wenn Sandhausen doch vor der Tür steht. Ehrlich gesagt, habe ich mich noch lange lange nicht eingegroovt. Irgendwas ist anders. Ich kann es nicht oft betonen, denke ich.

Die elendig lange Sommerpause hat mich kräftig durchgeschüttelt. Aus einem harmlosen Besuch in Sopot, wurde eine neue Lebensphilosophie, die mir in den Masuren eingehaucht wurde. Mit Redermann wurde mir ein neuer Partner, vielleicht sogar ein neuer Lebensfreund an die Seite gestellt (die Methoden der Konstrukteure sind dermaßen genau, dass ich einfach davon ausgehen muss!). Diese Lebensfreunde kann man sich nie aussuchen und seine Erzfeinde auch nicht. Jahrelang hat mich Reiser zu einer fremdbestimmten Maschine gemacht, jetzt mit dem „Samstag!“ haben wir endlich eine Waffe an der Hand, die seinem menschenverachtenden Treiben ein Ende setzten kann. Wir müssen es nur probieren. Wir müssen nur dran glauben und das Gute wird am Ende siegen. Alles wird gut, wie man landläufig sagt.

Redermann klingelt durch. „Komm sofort zum großen Boss. Ich habe da eine Geschichte. Einen Aufmacher! Einen modernen Klassiker. Ein Röckenhaus würde vor Glück heulen, ein Redermann registriert nur, wie genial er ist.“ Klar, der Typ hat einen ziemlichen Schuss, denke ich, aber so aufgeregt habe ich ihn noch nie gehört. Von der Erdgeschosswohnung zum großen Boss sind es knapp 25 Minuten. Ich ziehe mir meine beste schwarze Kleidung an, lege meinen Binder um und marschiere los. „Wohin des Weges?“ fragt mich Kleppo. „Es geht los!“ antworte ich mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen. Kleppo zieht seinen Hut und wünscht mir einen soliden Auftakt. Hinter der Bahnbrücke, nahe dem Borsigplatz zittere ich vor Aufregung. Es geht los. Wir dürfen jetzt keinen Fehler machen, denke ich und schlendere die letzten Meter in Richtung großer Boss.

Ich öffne die Tür uns sehe ihn. Redermann wird immer verwunderlicher. Ich betrete den großen Boss, Redermann tanzt zu Yazz und schmeisst seine Hände in die Luft: „Hold on, hold on, hold on, won’t be long! The only way is up, baby, for you and me now“ Er fällt mir in die Arme. „Dembowski, das musst Du lesen, das ist der Bringer. Ich habe die Jungs außen vor gelassen und mich den wirklich großen Themen unserer Zeit gewidmet.“ Er drückt mir einen Ausdruck in die Hand. Mittlerweile läuft Good Life über die Lautsprecher. Ich blicke auf das Blatt, beginne zu lesen und denke WTF?

Leipzig

Wenn es jemals ein Fußballspiel gegeben hat, das keinen Sieger verdient hat, es wurde noch nicht darüber berichtet. „Samstag!“ wagt sich somit heute auf ein komplett neues Feld. „Samstag!“ geht an die Grenzen der bisher bekannten Welt. Starreporter Ernst Redermann berichtet vom Klassentreffen der schlimmsten Vereine der Geschichte.

Der DFB-Pokal hat seine eigenen Gesetze. Brause gegen Auto ist so eins. Wenn ein Millionär in Sport machen will und sich einen Trainer anlacht und wenn ein Konzern werben will und sich ein Problem anlacht. Und wenn die Konstrukteure diese dann in der ersten Runde des Pokals aufeinandertreffen lassen, was macht man dann? „Gewinnen ist oberste Bürgerpflicht“, erklärt mir ein Fan des Rasensports und kippt eine weitere Büchse runter.

Ich habe mich über die A2 via Magedburg in die sächsische Kultstadt vorgekämpft. Ein paar Volkswagen säumen meinen Weg. Manchmal sehe ich einen Schal „Hier regiert die Erlebnisstadt“. Ich zeige ihnen den Mittelfinger und deute auf meine Kleidung. Ich trage schwarz, ich trage gelb, ich bin der beste Fan der Welt, brülle ich durch die offenen Fenster. Am Völkerschlachtdenkmal parke ich meinen Wagen und spaziere durch die Stadt.

Die Gesichter sind grau. Wolken überdecken die Spuren der jahrzehntelangen Vernachlässigung. Offene Gasleitungen prägen das Stadtbild. Hin und wieder stoße ich auf Werbefiguren und Auto-Corsos. Während man in Dortmund auf sie wartet, sind sie hier durchaus üblich. Weit weg von allem Westlichen. In dieser Stadt kämpften die Leute für ihre Freiheit und wurden mit Zuckerbrause belohnt.

Auf dem Unternehmerkongress sitzen Peter und Felix bei der gemeinsamen Pressekonferenz. „Der große Feind“, sagt Peter und rührt gedankenverloren in seinem Tee „sitzt nicht neben mir, sondern vor mir!“ Sein ausgestreckter Zeigefinger berührt meine geschockte Seele…“

„Wie geht es weiter“, frage ich Redermann, der gerade die Informer-Zeilen runterbetet. „Das, Dembo, frage ich mich auch. Aber das passt, oder?“ „Das passt!“ „Ab dafür!“

klassentreffen der schlimmsten vereine der geschichte