Welch ein prächtiger Sommer. Irgendwo. Nicht hier. Reiser dreht durch, Redermann schrottet den Soulvan und ich bin wieder soweit: Zurück in die Erdgeschosswohnung. Jalousien runter und mal schauen, was nicht passiert. Der Abend in der Kneipe hat mich fertig gemacht. Ich sitze in der Erdgeschosswohnung. Am Tisch. In der Küche. Neben mir eine Stange Ernte 23, ein paar alte Brötchen und ein paar dreckige Kaffeetassen, die ich ab und an benutze. Sie manchmal auch spüle. Seit zwei Tagen jetzt kein Fuß vor die Tür.

Es ist Will Oldham, der mich an diesen Tage begleitet. The Risen Lord. Von einer längst vergessenen Platte. Alle paar Minuten stehe ich auf, lege den Plattenarm zurück auf Start, zünde mir noch eine Kippe an und weiß nicht, was zu tun. Redermann meldet sich, will wissen, was los ist und ob es mit Richtung Sinsheim geht. Nein, antworte ich ihm. Wieso sollte ich das tun, frage ich mich. Wieso sollte ich hier raus. Es gibt genug Fälle in der Stadt. Die Reiser-Gefahr in Sinsheim war mir einfach zu groß. Wenn mich jemand jemals ernsthaft verstört hat, dann war es Reiser mit seinem Auftritt in der Kneipe. Nicht einmal seine Beleidigungen waren das Problem, es waren seine Aussetzer. Seine Versuche, von Mauern auf Menschen zu schließen. Und umgekehrt. Nicht mein Problem aber.

Was ist nur mit Dörte? Lange habe ich nicht mehr an sie gedacht, doch jetzt ist das wieder so. In der Erdgeschosswohnung, am Küchentisch sitzend, den Gedanken an Dörte und den Abend auf dem Balkon. Immer wieder. Was ist nur passiert? Oh Lord are you in need? Beer o’clock. Ich mache eins auf, und stelle vorsorglich einen ganzen Kasten kalt. Es ist Donnerstag, der 11.August 2011. Und ich bin mir nicht sicher, in welche Richtung die Ermittlungen und der „Samstag!“ in den nächste Wochen laufen werden. Von Piotr habe ich länger nichts mehr gehört, auch wenn ich mich zu den Konstrukteuren zähle, wäre eine Antwort auf meine Fragen manchmal sehr hilfreich. Zum Beispiel heute: Was jetzt, Piotr?

kein sinsheim, reiser-gefahr noch lange nicht gebannt