Lange hatte ich nichts mehr von Amok gehört. Er war nicht gerade abgetaucht, aber mein trister Alltag hatte mich aus der Spur geworfen. Zwischen Ermittlungen und Suff blieb mir wenig Zeit für Kontaktpflege. Doch während ich gestern wieder die gnadenlose Presse (Klopp muss gehen, damit alles besser wird) durchging, fand ich eine kleine Notiz in einem lokalen Kraichgauer-Blatt. Die Ermittlungen in Sachen Hoppenheim seien eingestellt, war dort zu lesen. Aufatmen! Sie würden uns somit nicht verfolgen. Niemals hatten wir die Absicht, Menschen ihrer Ohren zu berauben. Es sollte ein kleiner Spaß, eine kleine Attacke auf die scheinheilige Welt dort unten sein. Dies war uns gelungen, doch hatten wir zu keinem Zeitpunkt mit Strafverfolgung gerechnet.

Natürlich: Sie hatten aus Unwissenheit einen Hausmeister vorgeschoben. Dieser, so hatte es damals geheißen, würde schon sehen, was er davon habe. Einen feinen Urlaub, dachte ich mir. Und vielleicht war es auch so. Es war aber auch egal. Der Imageschaden war bislang nicht unerheblich und erst vor einigen Wochen hatte sogar Der Tagesspiegel nachgelegt. Immerhin. Eine Tageszeitung, die nicht „Der Samstag!“ hieß und somit vielleicht sogar gelesen wurde. Sie standen unter Druck und Amok hatte längst einen Zeugen beigebracht, auch einen Informanten, der uns aus erster Hand über die Ermittlungsergebnisse der Staatsanswaltschaft informierte. Da würde nichts kommen. Schuld sind immer die Geschädigten, hatte Amok bereits bei unserem letzten Zusammentreffen in der Kneipe geraunt. Er würde Recht behalten.

Erst wollte Amok seine Informationen einem TV-Sender zuspielen, doch Rederman hatte ihm mit Fäusten und ich mit Worten davon abgeraten. „Amok, es geht nicht darum, was die Justiz sagt! Es geht um den DFB. Dieser Fall muss abgeschlossen werden und wenn wir erst einmal aus der Schußlinie sind, dann können wir loslegen. Du hast saubere Arbeit geleistet und Du wirst weiter saubere Arbeit liefern. Keine Frage! Wir bekommen Hopp! Und wenn wir ihn nur auf seine Worte festlegen. Das wird reichen!“, hatte ich ihm erklärt.

Jetzt also, einige Monate nach der ersten losen Anfrage beim DFB, die am 26.September mit „Die Ermittlungen sind sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch beim DFB-Kontrollausschuss anhängig, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen“ abgetan wurde, stand der DFB-Kontrollausschuss nach dieser kleinen Notiz im Kraichgauer Piratenblatt nun also unter Druck. Er würde sich nicht mehr rauswinden können und er würde gemeinsam mit dem Patron handeln müssen. Dieser hatte auf der der Vereinshomepage angeschlossenen Tageszeitung bereits am 23.August folgendes verlauten lassen:  „Ich will mich noch nicht festlegen, ob ich die Einladung annehme“, sagte Dietmar Hopp dem „Kicker“, aber ganz abgeneigt scheint der Sportmäzen nicht zu sein. […] Hopp sagte im „Kicker“-Gespräch, „erst einmal habe ich mich gefreut, dass man von Fan-Seite des BVB Interesse zeigt, einen Dialog zu führen“. Den Brief von www.schwatzgelb.de werde er beantworten, allerdings erst nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse in der Schall-Affäre“

Ich war begeistert. Endlich würde was passieren. Mit großer Freude blickte ich in die nahe Zukunft. Es war klar: Der DFB würde eine kleine Spende erwarten. Mehr sicher nicht. Und trotzdem stand der Patron weiterhin mit dem Rücken zur Wand. Längst, und das musste auch ihm klar sein, war sein Plan gescheitert: Der Wind hatte sich in den vergangenen Monaten gedreht. Das beschauliche Kraichgau galt nicht länger als der kleine Gegenentwurf zum großen Geschäft, sondern er wurde vielmehr von der Allgemeinheit als scheinheiliger Entwurf eines Großkonzerns gesehen. Ein Glück, musste er sich wohl in den letzten Monaten immer wieder gesagt haben, ist nich auch der Felix bei mir. Sonst wäre alles vorbei. Wenn aber Felix die letzte Hoffnung ist, kann man sich gleich einen Strick nehmen, hatte ich in Gedanken erwidert. Vielleicht hatte er meine Gedanken lesen können, die ich jeden Mittag bei meinem Spaziergang mit den Farbbeuteln gegen die SAP-Zentrale in Berlin-Mitte geschleudert hatte. Vielleicht hatte er den Ermittler bereits gesehen, doch wegen meiner Unscheinbarkeit wieder vergessen. Der größte Feind ist immer der unscheinbarste, lieber Hopp. Und Amok, da bin ich mir sicher, haben Sie noch nie gesehen. Hoppenheim geht jetzt erst richtig los!

jetzt geht es in hoppenheim erst richtig los

2 Gedanken zu „jetzt geht es in hoppenheim erst richtig los

  • Dezember 14, 2011 um 7:09 pm
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    Ob die jetzt wohl Angst haben?

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