Irgendwas musste es sein, dass den Menschen ihre Energie raubte, dass die Menschen sich verlieren ließ. Diese Menschen  füllen unser Leben mit ihrem Schmerz, teilen ihr Leid ohne Filter, lassen es uns aufsaugen und uns daran gesunden. Wir hören von ihren Verlusten, erfahren von ihrem Kampf mit den Dämonen und erwarten doch, dass sich hinter dieser Fassade ein glücklicher Mensch befindet.

Wieviel Tage, wieviel Nächte, wieviel dunkle Stunden verbringen wir mit ihnen und gesunden an ihrem Leid. Wir schließen uns in ein Zimmer ein, lassen kein Licht an uns heran, legen die Nadel auf den Plattenspieler und hören nichts als die Worte, die das Ende herbeisehnen und die so viel Hoffnung vermitteln.

In diesem Moment retten sie uns. Ihr Wissen um das Leid, um den Dämon in uns, ihr Ankämpfen dagegen, vermittelt uns Kraft. Manchmal halten wir es nicht lange aus, stehen auf, ziehen die Vorhänge auf, lüften das Zimmer und spazieren in die Nacht, in der Hoffnung, dass es jetzt vorbei ist. Manchmal suhlen wir uns in ihrem Schmerz und denken daran, wie Recht sie haben, wenn sie davon singen, dass man sich immer Sorgen machen muss, dass man nie ohne Sorgen leben kann.

Und doch wachen wir sorgenfrei auf, und doch funktionieren wir Tag ein Tag aus und in den dunklen Momenten erinnern wir uns ihrer wieder. Manchmal erfahren wir von ihrem echten Kampf, hören, dass es alles wirklich so schlimm ist, wie es klingt. Dass es ihnen nicht gut gehen kann, denken wir dann, das hört man ihnen an. Es ist die Art, wie sie ihre Wunden zur Schau stellen. Es ist die Hoffnungslosigkeit, die wir an ihnen bewundern und die uns doch Angst macht. Eine Hoffnungslosigkeit, eine Verwundbarkeit, die wir nicht zu nahe an uns heranlassen wollen.

It’s difficult not to worry about what happens next

Wir lesen von ihrem Absturz, sind für einen Moment schockiert und machen dann weiter, weil sie immer da sein werden. Bis wir einmal davon hören, dass sie nicht mehr da sind. Dann sind wir für einen längeren Moment berührt, sind traurig, ziehen die Fensterläden zu, legen eine Platte auf und hören noch einmal nach, was passiert sein könnte. Wir wissen, dass die Musik bleiben wird. Wir werden nie wissen, was gezerrt und was zerstört hat, was letztendlich passiert ist. Und wir wollen es nicht an uns ranlassen. Wir dürfen es nicht an uns ranlassen. Nicht jetzt, und nicht in der Zukunft.

Am Samstag, dem 16.03.2013 ist Jason Molina verstorben. Es gibt nicht viele Musiker, die mich in meinem Leben bislang so sehr berührt haben, die mich durch so viele Stunden gebracht haben. Sein 2000er-Album The Lioness ist eines der dunkelsten Meisterwerke der Musikgeschichte.

it’s difficult not to worry about what happens next – jason molina ist tot

Ein Gedanke zu „it’s difficult not to worry about what happens next – jason molina ist tot

  • März 19, 2013 um 12:52 pm
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    Sehr schön geschrieben. Sehr anrührend, wahrlich anrührend. Nur würde ich für mich schon erfahren, was Jason zu dieser fatalen Sucht getrieben hat, welche Dämonen ihn umtrieben haben. Und warum ihm niemand aus dem Umfeld (Familie + Band) helfen konnte. Es muss grausam gewesen sein zu sehen, wie ein geliebter Mensch unaufhaltsam dahin geht…

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