Das war es. Da ist es. Das Loch. Auf das ich gewartet habe, was sich langsam raus zögerte. Was auch der Trip in die dunkle Stadt noch einmal zur Seite drängte. Ich stehe auf, gehe einkaufen. Das mache ich selten. Dann aber bunker ich die Sachen. 3 Toastbrote, die günstigen Muffins, 2 Sixpacks Billocola, Streichkäse, Hartkäse, Fleischwurstringe aus denen der Saft beim Öffnen nur so fließt, die günstigen Tiefkühlpizzas, Chips, zwei Säcke Äpfel für die Vitamine, ein Beutel Aufbackbrötchen, ein paar Liter Tetrapackwein, 5 Stangen Ernte, einige Flaschen Korn. Zurück nehme ich ein Taxi.

Sind die Sachen einmal in der Wohnung, schiebe ich den Kühlschrank, das Entertainment-System, den Campingofen ins Schlafzimmer, direkt neben das Bett. Ich fülle mir ein paar Flasche mit Leitungswasser ab, lasse die Rollos meiner Erdgeschosswohnung runter, stelle den Aschenbecher auf den Tisch rechts neben das Bett, platziere dort noch ein Glas für das Leitungswasser, einen Apfel, ein Messer, ein Glas für den Wein, ein Feuerzeug und zwei Packungen Ernte. Ich gehe meine DVD-Sammlung durch, lege die DVDs raus und baller mich zu. Diesmal sind es Aguirre, der Zorn Gottes; Strange Days; Dead Man; City Of God; Der Pate I-III; Apocalypse Now! und für die ruhigen Momente noch diese BBC-Dokumentation über die Erde und natürlich auch Leonard Cohen Live At The Isle Of Wight 1970 sowie No Direction Home von Scorsese. Der große Bob wird 70. Damit fange ich an. Links neben mir liegen Notizbuch und Kugelschreiber. Was immer mir einfällt, ich schreibe es auf. Gegen 12 habe ich das erste Tetrapack runtergewürgt. Das erste Tetrapack ist immer das schlimmste. Es ist kein Wein, es ist nicht einmal Weinersatz, es ist einfach Alkohol. So liege ich da ketterauchend und schlender mit Dylan durch Greenwich Village und sehe Cohen bevor Hendrix die Bühne überhaupt entern kann. Es wird ein langer Tag im Bett. Das Telefon habe ich ausgestellt, die Klingel deaktiviert.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob ich alle meine Vorräte brauche oder ob irgendwas passiert, sich irgendwas ändert, ich meine Gedanken an Dörte endlich einmal ordnen kann, Sinn in mein Leben bringen kann. Ich warte, länger als 10 Minute liege ich schweigend da, Cohen hat die Bühne verlassen. Ich weiß nicht, was ich jetzt schauen soll. Noch einmal den Dylan? Oder Dead Man? Oder soll ich auf Marlon am Ende des Flusses warten? Und was unternehme ich in der Zwischenzeit. Drängende Fragen, auf dich ich keine Antworten haben, die ich mit einem weiteren Tetrapack und einem Korn runterspüle. Ich stehe auf, trete ans Fenster, ziehe die Rollos hoch, öffne das Fenster. Draußen sind sie wieder. Ich rufe sie herbei und sage: „Give the anarchist a cigarette!“ Die Asche meiner Kippe fällt auf die Fensterbank. Ich ziehe das Rollo wieder runter und schaue City Of God.

give the anarchist a cigarette