„Junge, Junge, Junge! Es kann nicht immer so weitergehen!“ Bis auf „Junge, Junge, Junge!“ konnte ich Amok da durchaus zustimmen. Er hatte mich angerufen und wollte das Eis brechen. Immer wenn es nicht lief, war es Amok, der zum Hörer griff. Amok hatte von meinem Gelage im Oldie-Eck erfahren. Sein Netz war mittlerweile dichter gestrickt, als ich es mir jemals hatte vorstellen können. Vom alten Praktikanten war nicht mehr viel übrig geblieben. Er hatte jetzt das Ruder übernommen.

Amok saß irgendwo in einer östlichen Vorstadt Dortmunds. Er war zu uns gestoßen und hatte sich unentbehrlich gemacht. Anfangs wollte ihn niemand ernst nehmen. Doch er blieb hartnäckig. Er erarbeitete sich eigenen Fälle, und auch die Entführung in Niedersachsen hatte ihm nicht zugesetzt. Jetzt hatte er sich seit einiger Zeit in die Schallattacke verbissen. Mittlerweile war da im Hintergrund einiges passiert. In seinem Archiv schlummerte einigen Bomben, die in Hoppenheim für Unruhe sorgen könnten. Anstatt aber an die Öffentlichkeit zu gehen, vorschnell und ohne exakte Ergebnisse, wollte er die Sache in Ruhe zu Ende bringen. Und die Bomben dann platzen lassen. Sie würden die Schallattacken in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Die von uns geplanten Maßnahmen zur Gästefanstörung und die Schuldübernahmeerklärungen des Hausmeisters und seiner Bande würden hinfällig sein. Wir waren, so sah es nach Einsicht der Archive aus, nur ein Baustein in einer viel größeren Geschichte. An dieser Geschichte war Amok jetzt dran.

Trotzdem fand er jedoch die Zeit, um die Wogen zu glätten und um es mit meiner Trunkenheit aufzunehmen. Ein guter Mann! Keine Frage. Ich aber hatte keine Zeit, es mit meiner Trunkenheit aufzunehmen. Den Kampf würde ich später führen, dachte ich und beendete das Gespräch. Amok! Was soll das? Ich ging zum Kühlschrank, holte mir ein Kronen raus und trank die Flasche in wenigen Zügen leer. Die verstreuten Boulevardblätter ereiferten sich über die Zwickauer Zelle, den Verfassungsschutz. Griechenland, Berlusconi, die Euro-Krise? Zweitrangig in Zeiten der Gefährdung der nationalen Sicherheit. Das kann Jahre dauern, dachte ich über Komaroff nach. Die hier, ich blickte noch einmal auf die Boulevardblätter, sind ihr halbes Leben lang mordend durch Deutschland gezogen und der hier, ich blickte auf den Ringfinger, ist nicht einmal vermisst.

Überhaupt: Zurück zum Fußball. Die drei wichtigsten Spiele der letzten Jahren, die großartigste Woche seit Fußballfansein stand vor der Tür. Ich durfte mich nicht von blutigen Nichtigkeiten aus der Bahn werfen lassen. Die kurzhaarige Frischmann lag falsch. „Make a cup of tea and put a record on!“ Sie hatte es nicht verstanden. Zumindest den ersten Teil nicht. Ich öffnete eine Datei und notierte: Gipfeltreffen 1 Woche der Wahrheit 0. Wer würde das Rennen machen? Waking up and getting up has never been easy.

gipfeltreffen vs woche der wahrheit