Der Stand der Dinge ist folgender: In genau einem Monat rollt der Ball wieder. In diesem Monat also, in dem eine ganze Stadt auf das Spiel gegen den HSV wartet, müssen wir (Redermann & Dembowski – und vielleicht Amok! Der Praktikant macht sich gut) noch einiges vorbereiten. Dazu erwarten uns die üblichen Kleinkramermittlungen und privaten Verstrickungen der Nordstadtbewohner, die wir alleine schon aus Traditionsgründen weiterführen müssen. Ich bin unendlich froh, mit Redermann jetzt einen weiteren Ermittler an meiner Seite zu haben. Piotr und Tomasz, wahrscheinlich war es sogar Tomasz, haben da eine sehr gute Wahl getroffen.

Manchmal erwische ich mich noch bei den Gedanken an die Bande dort unten im Unterwasseraquarium und in manchen Träumen widerspricht mir Dörte dann und sagt: „Es gibt kein Unterwasseraquarium, Du denkst an das Wort und Du magst das Wort, Du denkst aber nicht an den Sinn dahinter. Du warst niemals dort, Dietfried!“ Doch was soll ich schon für Träume geben, wieso soll ich Erinnerungen hinterhecheln, die zumindest für mich realen Wert haben. Es sind die Konstrukteure und ich war dort. Ich habe sie gesehen. Gott sei Dank! Und wenn ich jetzt in der Erdgeschosswohnung sitze und mich mies fühle, denke ich an die Konstrukteure und ihre Worte, ich denke nicht an Dich, Dörte!, denke ich dann beim Aufwachen.

Es gibt Frei- und es gibt Glückslose. Redermann ist mit Sicherheit ein Glückslos. Er wird mich entlasten. Nur den Kontakt zu den beiden armen Kommissaren werde ich halten müssen, nur die Getränke in der Kneipe werde ich trinken müssen, nur die Bewegungen von Reiser werde ich festhalten müssen. Und endlich einen Namen für die Zeitung finden. Großer Boss oder OWIIIa? Wird es mit mir nicht geben. Das weiß auch Redermann. Das wissen auch die Konstrukteuren, denen ich neulich eine Nachricht übermittelte.

Konstrukteure!
Namensfindung stockt. Redermann schlug im Suff „OWIIIa – Das Fachblatt für Bewegungsspiele und andere Unanehmlichkeiten“ vor. Stimmte erst zu. Lehnte nüchtern wieder ab. Ab jetzt: Öffentliche Ausschreibungen. Will die Menschen mitnehmen. Habe einen Abend in der Kneipe ausgelobt.
Dembowski

Ihre Antwort folgte postwendend.

Dembowski!
Mach was Du willst, nur – um Himmels willen – versuche wenigstens alles. Wir haben unendlich viele Hoffnungen, und Hoffnungen sind unendlich wichtig in dieser verlogenen Welt, in Dich gesteckt. Wenn Du jetzt bereits bei der Namensfindung, und die ist, das wird Dir bewußt sein, eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt. Es ist die sogenannte Königsdisziplin und wir wollen, da ist Tomasz, der Dich herzlich grüßt und sonst weiterhin in ausschließlich den größten Angelgenheiten, und somit mit Sicherheit nicht in Deinen Angelegenheiten, denn, bei aller Liebe, die wir für Dich empfinden, das sind Deine Angelegenheiten nicht. Sie sind ein Tropfen auf dem heißen Stein, der durch das lauwarme Wasser niemals erkalten wird und erst bei vollständiger Erkaltung, Dembowski, werden wir unsere Hymne, die Du so vergötterst, der Weltöffentlichkeit präsentieren können. Jedes Abspielen davor würde, ähnlich wie meine Leitmotivergänzungseingabe „…ist unsere Gegenwart“, ausschließlich die größten Unruhen hervorrufen und somit unsere Bemühungen konterkarieren. Bleib am Ball und spiel ihn nicht ab!
Piotr

Wie immer fiel es mir schwer, seinen Worten nur annähernd Sinn zu entnehmen. Aber Piotr hat es drauf, denke ich. Anders als Reiser, der es sich, so meine neuesten Informationen in den Katakomben des Ruhrstadions gemütlich gemacht hat. Dort, so hört man, hat er eine Frauenfußballweltmeisterschaftsredaktion eingerichtet, mit der vagen Hoffnung, dass aus der Geschichte doch noch etwas wird. Wahrscheinlich auch mit der vagen Hoffnung, dass sich eine der Spielerinnen für ihn interessiert. Beides, das dürfte nach rund 10 Tagen klar sein, wird nicht passieren. Am Ruhetag taucht Reiser dann auch in der Kneipe auf, er sieht nicht gut aus. Dembowski, denke ich, hingegen schon.

frauenfußballweltmeisterschaftsredaktion