Bevor Dembowski seinen Umschlag bei Frank abholte, beobachtete er an der S-Bahn stehend die landenden Flugzeuge 

Ein Café am oberen Ende der Wollankstraße. Eine breite Schaufensterfront. Eine Theke. Eine Bedienung. Sie telefoniert. Hit-Radio RTL über die Anlage. Xavier Naidoo mit Was Wir Alleine Nicht Schaffen. Im Schaufenster, auf einem Hocker ein Mann. Mitte 30. 3-Tage-Bart, Nike-Sneakers, Anzug. Er trinkt ein Kaffee. Die abtauende Wollankstraße. Der vorbeirauschende Verkehr. Der M27 in Richtung Jungfernheide, der M27 in Richtung Pankow. Die Busse halten. Der Verkehr stockt. Landende Flugzeuge nach Tegel. Sonne.

Der Mann blickt auf die Straße, fährt sich durch die kurzen Haare, richtet seinen Scheitel. Aufgewachsen in der ostwestfälischen Provinz. Aus gutem Haus. Sein Vater an der Universität Paderborn, die Mutter Lehrerin in Höxter. Mit 15 die Scheidung. Der Mann bleibt bei der Mutter. Abitur. Aufbruch in die weite Welt. Zivildienst in Köln. Krankenhaus. Das Nachtleben. Die erste Freundin mit 20. Nach zwei Jahren trennen sie sich.

In New York fallen die Türme. In Köln greift die Hysterie. Da studiert er bereits BWL. Eine WG in der Kölner Südstadt. Es wird getrunken. Sie kiffen. Das Leben rauscht vorbei. Er steht auf einer Kreuzung in Köln. Nichts passiert. Er fühlt nichts. Abende im Rose Club. Konzerte im Gebäude 9. Am Wochenende fährt er mit der S-Bahn nach Leverkusen. Bayer Leverkusen. Praktika bei Ford und beim WDR. Er ist jetzt 27. Beendet sein Studium. Ist immer noch solo.

Er nimmt sich eine Wohnung in Mühlheim, arbeitet jetzt in Düsseldorf. Pendelt. Das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, Abteilung Verfassungsschutz. Er hatte sich das nicht ausgesucht. Er kommunizierte gerne. Kannte sich ein wenig im Internet aus. Sie hatten ihn gesucht, nicht er sie. Er wohnt in Mühlheim und pendelt. Er geht weiter ins Stadion. Es ist jetzt 2011. Er arbeitet verdeckt. Hat gelernt. Spricht mit den Leuten. Sammelt Informationen. Er geht jetzt nicht mehr nur ins Stadion nach Leverkusen. Sein Blick hat sich verändert. Er koordiniert ein knappes Dutzend Leute. Reist zu ihnen. Spricht. Sammelt Informationen. Verwertet sie. Reicht sie aufbereitet weiter. Die rechte Szene. Die Gewalttäterszene. Die Linken. Er denkt in Kategorien.

In Dortmund springt jemand ab. Es ist 2012. Es gibt eine Kleine Anfrage. Nervosität macht sich breit. Er verändert seine Strategie. Kontaktiert den Ermittler. Macht ihn also ausfindig. Macht ihm ein Angebot. Es nimmt seinen Lauf. Doch der Ermittler liefert nicht. Keine brauchbaren Informationen.

Ein Café am oberen Ende der Wollankstraße. Eine breite Schaufensterfront. Eine Theke. Ein Mann, er heißt Frank Berg sitzt im Schaufenster. Der vorbeirauschende Verkehr. Die Tür öffnet sich. Ein langhaariger Typ schnippt eine Kippe weg. Setzt sich neben Frank. Sie stecken die Köpfe zusammen. Der Langhaarige holt Unterlagen aus seiner Umhängetasche. Sie sind nicht von Bedeutung, denkt Frank Berg und wird laut. Seit einem Monat, schreit er, versprichst Du mir Informationen. Der Langhaarige steht auf. Im Radio läuft Unheilig. Er bestellt ein Bier. Wartet. Frank schüttelt seinen Kopf. Dembowski setzt sich wieder. Frank schaut ihn an. Legt einen Umschlag auf den Tisch. Verlässt das Café.

An der Osloer Straße steigt er in den Bus nach Tegel. Gegen 20 Uhr landet sein Flieger in Düsseldorf.

frank berg pendelt von köln-mühlheim nach düsseldorf