Seit einiger Zeit hatte ich ein neues Hobby. Flugzeugbeobachtungen im Winter. Es war mir bis dahin überhaupt nicht aufgefallen. Setzte ich mich in meine Küche und öffnete tatsächlich einmal die Jalousien, konnte ich die startenden Flugzeuge vom Flughafen Tegel beobachten. Nicht mehr lange. Doch jetzt war es noch möglich. Die Maschinen durchstochen den blauen Himmel und ich hatte immerhin ein wenig das Gefühl, auch einmal vor die Tür zu gehen. Die Minusgrade der letzten Tage hatten mir doch ein wenig zu schaffen gemacht. 
Viel hatte ich bisher von den sibirischen Wintern in Berlin gehört, doch dies eher für einen Witz, und keinen besonders gelungenen Witz gehalten. Doch es war wahr. Minus 25 Grad in der Nacht konnten auch dem trunkensten Ermittler zusetzen. Und jetzt, da ich ohnehin auf Entzug war oder zumindest sein wollte, wurde ich verrückt. Sibirien war definitiv nicht der Ort meiner Wahl.
Der war bislang immer Dortmund gewesen, doch langsam und trotz der Kälte fühlte ich mich in der Stadt wohl. Ich hatte meinen Frieden mit Redermann gemacht und es war beruhigend, den Ballspielverein auch aus der Ferne siegen zu sehen. Ohnehin hatte ich das Gefühl, dass die Ferne meine Gedanken eine neue Klarheit und Struktur vermitteln konnte. Meine Kommentare waren in letzter Zeit messerscharf und immer hart an der Realität. Sie übten Druck aus, wenn Druck sein musste, sie kritisierten, wenn Kritik sein musste und sie lobten, wenn Lob notwendig war. Jetzt hatte ich noch die Flugzeuge, die mein Fernweh stillten. 
Es war keineswegs so, dass ich überhaupt Fernweh hatte, aber es wurde durch die startenden Flugzeuge gestillt. Sie flogen in Berlin los und landeten irgendwo auf der Welt. Das war beruhigend. Sie flogen. Und ich saß in der Küche und malte mir aus, wohin sie wohl flogen und wie es dort sein würde. Nie würde es so schön sein, wie eben gerade in meinem Kopf, der sich über die Borussia freute und der jetzt auch voller Entzückung über die waghalsige Flucht aus Dortmund war. Manchmal musste man einen Ort verlassen, um ihn zu schätzen. Und manchmal musste man an einem Ort sein, um voller Lebensfreude zu sein. Ich näherte mich meinem Idealzustand und Dörte, da war ich mir sicher, war eigentlich längst wieder bei mir.
flugzeugbeobachtungen im winter

Ein Gedanke zu „flugzeugbeobachtungen im winter

  • Februar 7, 2012 um 11:28 am
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    Flugzeuge vor dem Fenster machen mehr her als Schmetterlinge im Bauch.
    Daran solltest Du bitte denken.

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