Zwischen den Niederlagen sehen wir Dembowski im Soldiner Eck. Ein müder, mittelalter Mann in einem alten, von Motten zerfressenen Anzug. Vor ihm steht seine Tulpe. Er zählt sie nicht mehr. Er denkt nicht mehr, an die, die noch kommen werden. Überhaupt denkt er weniger als noch in letzter Zeit.
Im goldenen Spiegel hinter der Theke sieht er sein Gesicht. Eingefallen. Er sieht die Augenringe, und er sieht die Ausweglosigkeit seines Blickes. Manchmal sieht er ein Auto durch seinen Kopf fahren. Er fühlt den Motor, den Aufprall der Maschine und setzt noch einmal an.
Schill sitzt auf den Stufen zu seinem Hochbett. Er trägt seinen HSV-Bademantel und seine Beine hängen locker in der Luft. Sie haben The Natural Bridge aufgelegt, David Berman. Einer denkt an Hamburg und einer an den Oderbruch. Tagträume. Sie hängen fest. Am Ende der Einbahnstraße. Sie wollen drehen, doch haben keine Kraft mehr.
„Wann hat das eigentlich angefangen?“, fragt Dembowski, doch seine Worte verlieren sich auf dem Weg, werden von den blinkenden Automaten geschluckt. Neulich hatte einer eine Serie. Näher waren sie dem Glück seit Monaten nicht gekommen.  
Dembowski kennt nicht den, der er gerade ist, will es auch nicht wissen Er fühlt sich seiner Vergangenheit verpflichtet. Doch schon die war ohne Perspektive.
Die Ersatzspieler Schill und Dembowski warten weiter auf ihre Einwechslung. Der Trainer hat für sie keine Verwendung. Vielleicht tat sich bald eine Chance auf, vielleicht würden sie da sein. „Ich werde stärker zurückkommen“, sagt jetzt Schill, doch Dembowski hört ihn nicht.
Der Ermittler steht vor seinem Spiegelbild. Und schweigt, sieht ein Auto bevor er sich umdreht, und wieder seinen Platz einnimmt. Schill nimmt einen Schluck aus seiner Flasche. Er hat wieder mit dem Trinken angefangen. Dembowski war zu viel. Den Absturz der Hamburger hatte er noch ertragen.
„Berlin ist ein mieser Ort, wenn Du down bist.“  Das ist wieder Dembowski. „Wenn ich mich im Spiegel sehe, frage ich mich, wo ich bin.“ „Komm lass uns Pokal schauen.“  Aber sie wollen nicht. Wie schon am Vortag. Da hatte der BVB gewonnen. Jetzt verlor der HSV. Ein Stück Normalität.
Irgendwann geht der Ermittler heim. Irgendwann schläft Schill ein. Er hat es noch ins Bett geschafft.
Berlin, Du lockst die Menschen mit Deinen Versprechen an. Doch Du brichst sie, und spuckst sie in einer Kneipe am Ende der Welt wieder aus. Allein. So allein. Bis es ihnen auffällt. Und der Schmerz von vorne anfängt.
Dembowski ist sich nicht sicher, ob es an der Stadt liegt, oder doch nur an seinem Verein. Schill hat längst aufgegeben. Trotzdem macht er sich Sorgen als sein Freund der Ermittler am Samstag nicht zum Topspiel an der Theke sitzt. Sogar Justin Hagenberg-Scholz ist gekommen, erkundigt sich unverbindlich nach seinem Bekannten.
Der Ermittler aber liegt in seiner Wohnung nur zwei Türen weiter. An einem dieser Tage werden diese Tage enden, denkt er. Aber nicht heute. Was ist das für ein Leben? Dembowski liegt auf dem Boden, inmitten von Bildern, von Zetteln und Zeitungsausschnitten. An den Wänden des Zimmers hängen Schaubilder, hängen Fetzen der früheren Erfolge.
Sometimes I don’t know where this dirty road is taking me. Townes van Zandt singt. Lots of booze and rambling. Aber er will sich wehren und so geht er noch einmal die Unterlagen durch. Sind es Verschwörungstheorien? Wo ist Dembowski gelandet und worauf wartet er? In München geht Dortmund in Führung, aber der Ermittler bekommt es nicht mit. Wann hat das angefangen und wann hört das auf?
Er schreibt, und schreibt. Kann seine Schrift kaum noch entziffern. Es geht um die Transfers, es geht um die veränderte Mentalität des Vereins. Die Überschrift:
Warum der BVB bald Tabellenletzter ist
Jetzt trifft Lewandowski, und bald Robben. Der freie Fall. Tom Petty. 1989 bei den MTV Awards mit Axl Rose, 19 Jahre später ohne ihn beim Superbowl. Chinese Democracy. Die ewige Kopie. Das Leben. Und immer die Autos, die erst blinken, dann durch den Kopf fahren.
In Horrorfilmen gibt es immer wieder einen Versuch, das Auto noch einmal zu starten. Diese Verschwörungstheorien. Sollte er den Vorschlag wirklich weiter verfolgen. Musste der BVB wirklich absteigen, um den europäischen Fußball zu revolutionieren. Dembowski ist sich nicht mehr sicher. Er ist wieder Marlon Brando am Ende des Flusses. Wir hören The End. Und verlassen den Ermittler für einen kurzen Moment.
Ein kurzer Flug aus der Stadt. Über die Außenbezirke, die Hochhausbezirke. Hinter den Ahrensfelder Bergen steigen wir auf. Es ist ein klarer Tag und hinten im Osten sehen wir ein Feuer. Dahinter die Oder. Es ist Dörte, die dort sitzt. Den Baumschnitt abfackelt. Es lodert, es knistert und wir sind jetzt auf der Lamafarm. Koi dreht seinen Runden. Es ist Sonntag, er taucht ab und wieder auf. Seine Flossen verdecken seine Augen, dann seinen Mund, aus dem keine Blasen mehr aufsteigen wollen. Auch die Schallwellen erfassen ihn nicht mehr. Er sinkt hinab, und verschwindet in einer Böschung. Dort, in seinem Zuhause, lassen wir den einsamen Karpfen allein und fliegen noch ein kleines Stück bis zu Dörte.
Sie will den Ermittler unterstützen. Sie will ihn zurück. Aber sie weiß auch, dass sie einen Fehler gemacht hat. Gerade arbeitet sie hinten auf dem Feld. In der Nähe der Flamen. Sie redet auf ein Lama ein. Beruhigt das Tier, und das Tier beruhigt sie. Flüstert: „Alles wird gut. Die Therapie wird anschlagen“ Bald steht eine Reise nach Dortmund an. Es sind letzte verzweifelte Versuche. Dörte hat das Ausmaß der Krise erfasst.
Schon bald wird es Nacht Im Oderbruch und in den nächsten Tagen passiert wenig. Natürlich: Der Streit um Reus nimmt immer absurdere Ausmaße an, doch Dörte, die wir bei ihrem Tagwerk beobachten, interessiert das nicht und während wir zurück in die Hauptstadt fliegen, vermuten wir bereits: Dembowski hat einen Plan.
Er wird ihn uns nicht verraten. Der Ermittler hat immer Pläne, aber nun läuft er durch seinen Kiez. Ein Gedanke treibt ihn um. Auch Frank Giering konnte die Zeit nicht anhalten, und bei dem Versuch es zu tun, war die Platte nicht gesprungen, sondern hatte sich immer schneller gedreht. Und irgendwann war es vorbei. Wenn alle schönen Momente eben immer nur Momente blieben, wenn das Glück nie greifbar war, es immer wieder verschwand, wonach suchte er dann überhaupt?
Genug der schweren Gedanken.

Jetzt ist es Dienstag. Und Dembowski sitzt wieder bei Schill. Es ist Champions League. Borussia gewinnt. Und einmal lächelt der Ermittler. Da stellt ihm sein Freund noch schnell ein neues Schulle hin. Ist das eine Träne? Wir können es nicht sagen, denn jetzt ist es dunkel und Sophia spielen If Only.   „Wie spät ist es eigentlich“, fragt Dembowksi und wir lassen die beiden Freunde im Soldiner Eck allein, denn es ist wirklich schon spät geworden. 
fc bayern 2 bvb 1 – wonach dembowski suchte