Natürlich riefen sie jetzt alle an: „Ermittler! Ihre Meinung zum Platzsturm bitte!“ Und sie meinten natürlich nicht den Platzsturm gegen Freiburg, sondern den beim gestrigen Relegationsspiel. Ich hatte dazu genau keine Meinung. Das Spiel hatte ich am Fernseher verfolgt, erst mit dem überheblichen Interesse eines Doublegewinners, dann mit dem verwunderten Interesse eines verstörten Fans. „Wieso?“, fragte ich mich „wieso schmeissen die Jungs ihre Bengalos jetzt auf das Spielfeld. Sind doch noch ein paar Minuten zu spielen!“. Dann ging das auch weiter und als sich alle freuten, dass jetzt die Fans schon unmittelbar am Spielfeldrand stehen, Ranislav Jovanovic den Ball ziemlich dämlich nicht ins Tor schoss, irgendwer ein Tor oder was auch immer gesehen hatte, dann vom Spielfeldrand auf den Platz stürmte und einer im freudentaumelnden Rückzugsgefecht gleich noch den Elfmeterpunkt mitnahm, war dieses Spiel unter den hysterischen Schreien der TV-Kommentatoren endgültig zu einer Farce geworden. Alles. Irgendwo war Campino, um einen Auftritt betrogen, hoch über allen und in größter Sicherheit schwebten Beckmann und Scholl, hatten bereits mit Krug Rücksprache gehalten, und dann hörte es nicht mehr auf zu klingeln.

„Ein Ermittler muss eine Meinung dazu haben!“, hielten sie mir vor. Doch ich antwortete „was ist denn passiert? Ich habe hier kein 3D!“, denn das hatte mich schon geärgert. Das Ding in 3D, das wäre großartig gewesen. Jetzt wollte ich mich nicht auf die Seite der Verharmloser begeben. Es war nun einmal so, dass Hertha da einer Chance beraubt wurde. Auch wenn sie diese Chance nicht verdient hatten, so hatten sie diese Chance verdient. Doch als ich das erklären wollte, hatten sie schon aufgelegt. Ich wollte aber auch nicht vom Untergang des Abendlands reden. Das war auch nicht passiert. Die Hertha-Idioten hatten ihre Pyros geschmissen, der verhinderte Aufstiegsjubel war gelaufen, und es war schlichtweg nix passiert, was nicht schon einmal passiert wäre. Außer dass Hertha eben keine Chance mehr hatte. Das war blöd. Und zumindest für Hertha ärgerlich. Aber mir am Ende des Tages auch egal. Zumindest würde so jetzt die Zeit bis zur EM überbrückt werden. Es war seltsam. Und immer noch auch mein Sport. Wie ich drum kämpfen würde, war mir noch nicht klar, aber ich würde drum kämpfen. Nur nicht jetzt. Erst wenn die sich alle beruhigt hatten. Und so zitierte mich auch niemand mit dem Satz „Beruhight Euch doch erst einmal, ihr Pressemenschen und erzählt mir aber auch nichts mehr von Emotionen respektieren, ihr Fans!“ Jetzt aber hieß es erst einmal die lächerlichen Brennpunkte und Sondersendungen der „sogenannten Presse“ über sich ergehen zu lassen, die Repliken der Netzgemeinde zu lesen. In Hoppenheim rieb man sich ohnehin bereits die Hände.

emotionen respektieren, fans schikanieren