Der Arbeit nachgehen. Im Unterwasseraquarium, nur ein Stück vom Fußballstrand in Heringsdorf entfernt. Ich kam mir ziemlich idiotisch vor, gerade wenn ich auch noch an Tomasz dachte, der irgendwo hier ein Gewehr versteckt hielt, wenn ich an Winowski dachte, der seiner Empfindung nach die Psychoanalyse erfunden hatte, der aber nicht einmal in Bonnies Ranch eine Anstellung erhalten würde. Dann noch Piotr, den es komplett zerstört hatte. Schon der Auftritt von Alpo Myller war fragwürdig gewesen, alles was danach hier im Unterwasseraquarium passiert war, ging darüber hinaus.

Wie konnte man innerhalb eines Jahres derart abdriften oder aber – überlegte ich – waren sie überhaupt nicht abgedriftet, hatten sie sich überhaupt nicht bewegt und mit mir war etwas passiert? Kontemplation. Vielleicht sollte ich mir eine Tonsur schneiden, verschwinden, auf einen Berg. Wie Kerouac in Big Sur. Aber das ging letztendlich schief. Ertrunken am eigenen Geist. Überfahren am Geburtstag. Die Todesart, da bestand kein Zweifel, konnte man sich aussuchen, doch bis dahin hatte ich noch einiges vor.

Erst einmal jedoch musste ich hier raus. Egal wie.Redermann und Amok hatten auf meine Hilfeschreie nicht reagiert, der große Traum war längst ausgeträumt. Dreckiges altes Unterwasseraquarium. Keine Fabriken, keine Mädchen. An Dörte nicht zu denken. Die Liga Monate entfernt. „Tomasz, was sagt der Typ aus Berlin eigentlich?“ „Wollte ins Café King. Aber wir sind ja hier.“

EM-Tag 7
Café King, City-West – Birgit’s Pub, Charlottenburg
Kroatien – Italien, Spanien – Irland

Alles angerichtet für den Klassiker. Auf zum Café King, dem Ort so vieler Legende. Auf dem Weg zur Toilette, erzählen sich die Eingeweihten, grüßt Ivan Klasnic von den Wänden. Hier hat Hoyzer einen Fernseher bestellt, hier haben die großen Wettpaten Ante und Milan Sapina das Spiel als Glücksspiel erfunden. Und jetzt Italien gegen Kroatien, der Manipulationsklassiker im Café King. Vor Aufregung finde ich die Nacht vorher bereits keinen Schlaf.
Vom Breitscheidplatz noch schnell die Rankestraße runter. Das Café King liegt linker Hand. Schon aus der Ferne der sagenumwobene Schriftzug. Café King. Auf der Webseite beworben mit „Sie stehen davor und denken: Ach, sieh mal einer an, das ist also das berühmte Café King. Treten Sie doch bitte ein….Wir WETTEN mit Ihnen, dass Sie wieder kommen!!!“. Auf diesen einen Moment habe ich seit Tagen hingefiebert. Nur noch ein paar Meter. Ich sehe jetzt schon die Stühle des Außenbereichs.
Vom Breitscheidplatz noch schnell die Rankestraße runter. Das Café King liegt linker Hand. Schon aus der Ferne der sagenumwobene Schriftzug. Café King. Auf der Webseite beworben mit „Sie stehen davor und denken: Ach, sieh mal einer an, das ist also das berühmte Café King. Treten Sie doch bitte ein….Wir WETTEN mit Ihnen, dass Sie wieder kommen!!!“. Auf diesen einen Moment habe ich seit Tagen hingefiebert. Nur noch ein paar Meter. Ich sehe jetzt schon die Stühle des Außenbereichs.

Doch dann: Ernüchterung! „Wegen Renovierungsarbeiten und Urlaub haben wir ab dem 1. Juni geschlossen. Wir öffnen wieder im September. Einen schönen Sommer wünscht: Café King!“ Urlaub! Renovierungsarbeiten. Während der EM. Während Italien gegen Kroatien. Klar! Der EM-Super-GAU! Ziellos, niedergeschlagen laufe ich durch die schäbige City-West. Im alten „Hanne am Zoo“ wird jetzt Bubble Tea verkauft, aus dem Sex-Shop nebenan schleicht ein Anzugträger. In der „Dicken Wirtin“ am Savignyplatz sitzen die Abgetakelten, essen Matjes, die Fernseher schweigen.

Tief in Charlottenburg spüle ich meinen Frust über diesen Abend mit ein paar Bieren runter. „Sehr zum Wohl!“ und „Ich mach mal was zum Knabbern fertig“. Birgit’s Pub ist im funky Zebra-Style dekoriert, gebrochen von roten und gelben Luftballons sowie Aschenbechern in Fußballform. Kroatien trifft spät, aber nicht einmal Buffon lässt sich in der letzten Minute der Nachspielzeit zu einem Patzer hinreißen. Alles hätte anders kommen können, aber das Café King musste ja Urlaub machen.

Daheim langweile ich mich mit dem spanischen Erlebnisfußball und den Unzulänglichkeiten der Iren. Ein trauriges Spiel. Bis Tom Bartels schweigt. Bis die Iren singen. Und nicht mehr aufhören wollen. Magisch! The Fields Of Athenry, Gdansk, June 14th, 2012. Das wird in Erinnerung bleiben. Danke Irland! Und Café King, Urlaub? Wer es glaubt!

em – tag 7 – das café king macht „urlaub“

Ein Gedanke zu „em – tag 7 – das café king macht „urlaub“

  • Juni 15, 2012 um 7:22 am
    Permalink

    "Im alten "Hanne am Zoo" wird jetzt Bubble Tea verkauft."

    Als Auswärtsfan war Hanne immer ein Anlaufpunkt. Zwar nicht unbedingt "meine" Kneipe, aber doch eine Institution. Bei meinem letzten fußballerischen Berlin-Besuch im Mai 2011 konnte ich es im Trubel des Pokalfinales noch erfolgreich verdrängen, dass es den Laden kurz zuvor erwischt hatte. Sollte Hertha jemals wieder in die Bundesliga aufsteigen wird es mir aber das Herz zerreißen, wenn ich mit ansehen muss, wie ausgerechnet in diesen traditionsreichen Hallen Bubble-Tea feilgeboten wird. Aber mit etwas Glück ist dann die Mode des Gummibärchen-Heißgetränks auch schon wieder abgeebt.

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