Diese verdammten Träume. Sie ließen mich nicht los. Wieder waren da diese Kerle vor der Tür. Wieder warteten sie nur auf meinen Auftritt. Es gab keinen Ausweg. Ich musste auf die Straße und immer wenn ich auf die Straße ging, waren diese Kerle schon da. Diesmal sah ich sie nur hinter ihren Masken, sie kamen schnellen Schrittes auf mich zu. Wenige Momente später, ich hatte mich gerade in eine andere Richtung gedreht, um den maskierten Kerlen zu entfliehen, stolperte ich, stürzte und lag auf dem Boden, der sich natürlich öffnete, mich verschluckte und in ein schwarzes Loch fallen ließ. Mein Beine waren gelähmt, mein Körper war gelähmt, meine Atmung setzte aus, nur mein Geist war noch da und sah mich in das Loch fallen. Ganz oben, dort am Rande des schwarzen Lochs standen die Kerle und blickten mir mit ihren schwarzen Masken nach.

Jetzt lag ich wach, doch meine Beine waren weiterhin gelähmt und meine Atmung setzte ganz langsam wieder ein. Mit letzter Kraft kam ich zu mir. Es war 5.23 Uhr. Auch wenn die Tage nun stets früher begannen, waren es sicher noch über 2 Stunden bis zum ersten schwachen Tageslicht. Ich zitterte am ganzen Körper, stand auf, trottete in die Küche. Den Schock spülte ich mit den letzten Bierresten des Vortags runter. Reichte mir nicht. Neue Flasche. Dazu einen Kaffee. Dazu einen Kaffee mit Schuß. Das Ernteschild hing über dem Balkonausgang. „Wer Tabak sät, will Ernte rauchen!“ Ich war mir da nicht mehr sicher, testete jedoch, wie viel Wahrheit in diesem alten, längst vergessenen Werbespruch steckte. Zumindest verstärkte sich das Unwohlsein. Zumindest war ich wieder da. Wenn auch leicht benebelt. Aber sowas von da. Diese verdammten Träumen. Ich hatte Angst, mich schlafen zu legen. Ich hatte Angst, und schraubte mir daher jeden Abend einen rein.

Meine Arbeit hatte zwangsläufig gelitten. Tagsüber befasste ich mich jetzt primär mit den Wurzeln meiner Schlaflosigkeit. Ich war gereizt. Nicht nur einmal war ich in den letzten Tagen übers Ziel hinausgeschossen. Die Situation schien mir jetzt aussichtlos. Aus dem Regal kramte ich das Byrds-Debüt. Vielleicht konnte es mich auf andere Gedanken bringen. Sicher war das nicht! Aber was war schon sicher? Immerhin entrieß mich „I’ll Feel A Whole Lot Better“ meiner Schmerzen. Nur für den Moment. Aber für diesen Moment hätte ich töten können. Ich war am Arsch und mir war das durchaus bewußt. Die Nachrichten aus Dortmund konnte meine Stimmung nicht erhellen. Götze verletzt. Es war klar, was jetzt kommen würde. Es war klar, wer sich jetzt am Telefon melden würde.

Reiser. Seine Geschichten vom Götze-Schock ekelten mich jetzt schon. Sie hatten sich in den letzten Tagen bereits einen anderen Skandal gestrickt, der in seiner Verachtenswürdigkeit noch lange nicht am Ende gekommen war, doch mit Götze würde er jetzt auch wieder ins Tagesgeschäft eingreifen können.  Reiser, das musste man ihm lassen, konnte aus Nichtigkeiten, und nichts anderes war der Götze-Ausfall zu diesem frühen Zeitpunkt der Rückrunde, die größten Rückschläge machen. Er wusste wie er sein Blatt verkaufen konnte. Die Leute würden es ihm aus den Händen reißen. Momentan waren mir die Hände gebunden. Wer waren diese Kerle? Diese verdammten Träume machten mich fertig.

diese verdammten träume

2 Gedanken zu „diese verdammten träume

  • Januar 26, 2012 um 7:38 am
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    diese kerle zeigen ihre schuhe nicht. wie sollten sie auch? bin immer da, wo sie nicht sind

  • Januar 25, 2012 um 10:26 pm
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    Tragen die Kerle auch Turnschuhe?

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