Mit jedem Tag rückte meine Reise nach Dortmund näher. Früher hätte mich das nicht weiter gestört. Doch nun begann ich bereits früh mit den Vorbereitungen. In Dortmund würde ich einen engen Zeitplan haben. Zumindest für eine Stippvisite wollte ich im Big Boss am Borsigplatz vorbeischauen, dann standen Verhandlungen mit der Stadt Dortmund auf dem Programm.

Durfte DerSamstag! als offizieller Medienpartner exklusiv von den vielleicht bald schon anstehenden Feierlichkeiten in der Stadt berichten? Redermann hatte ein rundes Paket geschnürt, doch am Ende war es uns egal, was daraus wurde. Die Stadt hatte uns einen Termin für Samstag, 15.45 gegeben. Wir würde da sein.

Bis dahin aber würden noch ein paar Tage vergehen, die ich, dank meiner Prominenz, als Celebrity verbrachte. Erst vor einigen Wochen, in etwa nach dem Bericht der Berliner Wochenzeitung, war eine Agentur auf mich zugekommen und hatte mich als Prominenten angeheuert. Es war ein idealer Job, der endlich auch ein wenig Kohle in meine Kassen spülte. Der Job ging so:

Die Agentur versorgte mich mit einem Smartphone, welches später wieder in den Besitz der Agentur übergehen würde, und buchte mich dann für ein paar Besuche in irgendwelchen Läden. Manchmal waren es Kneipen, doch zumeist waren es Einkaufsgeschäfte. Ich musste dann nur in die Kneipe, in den Laden und dort via App einchecken. Danach durfte ich zur Theke schlendern, mir meine Kohle (nie unter 300€, immer in bar) abholen und entweder aufs Haus einkaufen oder saufen. In dieser Woche hatte ich mich gleich in 7 Läden buchen lassen, und würde so auf gute 3.000€ kommen. Natürlich hatte ich ein wenig Angst davor, dass mich meine Fans stalken könnte, aber auch dafür konnte mir die Agentur ein perfekte Lösung anbieten.

„Dembowski, wenn Du da bist, kannst Du erstmal saufen und dann später beim Rausgehen einchecken. Es geht in der Tat nur darum, dass Du mit deiner Prominenz, Deinem VIP-Status für die Läden ein paar neue Kunden generierst. Das ist eine, wie wir sagen, Win-Win-Situation. Dein VIP-Status ist für die Läden überlebenswichtig. Die App-User wissen von Deiner exquisiten Trunksucht und wollen gerne in die Läden gehen, die Dir die Welt bedeuten.mNatürlich bedeuten sie nur Geld und Freisuff für Dich, aber das wissen die User nicht.“, war die für mich wenig einleuchtende Erklärung der Agentur. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass irgendwer sich dafür interessierte, wo ein Ermittler sein Bier trinkt. Aber ich war hier in Berlin und beteiligte mich gerne an zum Scheitern verurteilten Projekten. Solange ich aktiv an ihrem Scheitern mitwirken und verdienen konnte.

War ich nicht unterwegs, plante ich das Wochenende. Plante ich nicht das Wochenende, war ich unterwegs. Man buchte mich zu den Spreeborussen, man buchte mich in eine Kneipe in Charlottenburg, die jetzt auch was mit Fußball machen wollte und man buchte mich in ein paar Läden nach Steglitz und Tegel. Kaum war ich in den Läden, stürmten die Verkäufer auf mich zu und wollten von mir aber auch „alles über das Ermittler-Leben“ wissen. Die Antwort darauf stand jedoch nicht in dem Agenturvertrag. Ich schwieg, checkte ein, trank und kaufte mir ein paar neue schwarze Klamotten. Die würde ich am Wochenende brauchen. Die würde ich auch im Sommer noch brauchen. Es waren weiterhin gute Tage in Berlin.

Doch als der Anruf kam, fluchte ich für einen Moment. Der Verein war dran und erklärte mir, dass es mit den Finalkarten, die ich ja bereits vor Wochen sicher geglaubt hatte, nichts werden würde. Natürlich hatte ich mich über ein paar andere Personen an der Verlosung beteiligt, aber es war mir niemand bekannt, der ein Ticket gewonnen hatte. Ein paar Blaue und ein paar Bayern hingegen hatte in unserer Verlosung gewonnen. Der Verein hatte seltsame Regeln aufgestellt, und sich daran gehalten.

Nun war DerSamstag! kein Medienpartner der Vereins, und so hatte ich auch kein Anspruch auf Pressekarten. Der DFB hielt nichts von meinem kleinen Blatt, mein Einmischen in die Nerlinger-Angelegenheit machte das alles auch nicht einfacher. Nun: Ich wusste nur, dass es seltsam war. Die Zuteilung und alles. Aber von der Verliererseite des Lebens zu schimpfen, hatte immer einen faden Beigeschmack. Ohnehin: Ich war längst eine Gewinner und würde mich davon nicht unterkriegen lassen. Vielleicht, dachte ich, könnte die Agentur mich ins Olympiastadion buchen. Im nächsten Jahr würden sie dort jeden einzelnen Besucher brauchen und mein Name hatte eine große Strahlkraft entwickelt.

die vip-agentur oder warum man sich als verlierer nicht beschweren sollte