„Langerak! Dingdong!“ Auf einmal steht er vor mir und brüllt mir ins Ohr. „Langerak! Dingdong! Meine Name ist Redermann, Ernst Redermann. We’ve got a goalkeeper! He comes from down under. Number 20 on his back, his name’s Mitch Langerak!“ Redermann also, ich im Halbschlaf. „Dembowski, Ermittler! Angehender Konstrukteur“, stelle ich mich vor. Er lacht. Redermann lacht, seinen Beatlesschnitt schmeißt er dabei zurück. „Klar, Dembowski. Ermittler in Kneipen, mein Arsch. Was hast Du schon geleistet?“ Was will Redermann hier, wer ist er und wie kam er in das Unterwasseraquarium? Ich ignoriere ihn, lasse Redermann in seinen Discopants im Aufenthaltsraum und öffne die Tür zur Station. Sie ist verwaist. Dort wo gerade eben noch Tomasz und Piotr saßen, sehe ich nur leere Stühle, abgeschaltete Computer, der Wels pflegt die Panzerglasscheibe, die fahlen Betonwände wirken heute noch bedrohlicher, auf der Leinwand sehe ich einen Flachbau vor Pinien, die Lautsprecher sind auf volle Lautstärke gedreht.

„Aamulla siitä tuli vaikea. No mitäpä sie?! Pääsitkö perille Discoon, Discoon, Discoon, Discoon, Discoon? Jokke, Ossi, Hemppa. Jokke, Ossi Hemppa. mennään, mennään, mennään, mennään, discoon!“ Ich gehe zurück in den Aufenthaltsraum. 4, 8, 15, 16, 23, 42. Ich öffne die Tür zum Baderaum, erfrische mich, kaltes klares Wasser. Noch einmal. Lege meinen Scheitel auf die Seite, rasiere mich, binde mir meine Krawatte, ziehe mein schwarzes Hemd und meine schwarze Hose an. Gehe aus dem Bad, Redermann steht mit hinter dem Rücken verschränkten Armen an der Panzerglasscheibe und murmelt weiterhin seinen Langerak-Gesang, meinen Langerak-Gesang. Meine erste große Aufgabe hier unten in der Station. Ich gehe zur Bar, mixe mir eine Rum-Cola, gehe zurück in die Station. Aus dem Flachbau wird ein Kraftwerk mitten im Nadelwald. „Enoon, Enoon, Enoon, Enoon, Discoon, Discoon, Discoon, Discoon!“ Die Heimorgel verkündet die große Sehnsucht, das ewige Warten. Sie ist das Warten auf Veränderung, sie ist die Fernweh, die wir alle in uns tragen, denke ich, während ich mich mit der Rum-Cola auf einen der Schreibtische setze.

Die vergangenen Wochen ziehen vor meinen Augen vorbei. Unsere Vergangenheit ist Eure Zukunft ist unsere Gegenwart, denke ich und sehe Piotr mit wildfuchtelnden Armen einen seiner Monologe halten, langsam bewegt sich Dörte durch den Raum, in ihren Gedanken verloren, in unserer Vergangenheit gefangen, Piotr gibt noch eimal den Walter Petersen und Tomasz arbeitet vor seinen beiden Monitoren an den geheimsten Projekten, fügt die losen Fäden langsam zusammen, wir sitzen unter Fichten am Jezioro Nidzkie und reden über Piszczek, Herr Immer will mehr Details. Die fahlen Betonwände reflektieren mein Leben, berichten von meinen Ermittlungen, geben mir die wertvollsten Hinweise für meine Ermittlungen. Enoon, Discoon, die Orgel, der Drink, Dörte.

„Auf in den Soulvan! Wir müssen los, Dembowski“, Redermann reißt mich aus meinen Träumen. Durch Tunnelgänge, durch Stahltüren, an Abzweigungen mit in Kreide an die Wand gemalten Blättern vorbei erreichen wir den Treppenabsatz. Wir stehen auf der Jezioro Nidzkie-Insel, ganz langsam fällt eine Feder von Himmel, sie schwebt vom Wind getragen einige Minuten in der Luft und fällt vor meine Füße.

die vertreibung aus dem paradies, federn schweben, blätter fallen