Lieber Ballspielverein Borussia aus Dortmund

Als ich in der Nacht starb, dachte ich zuletzt an Dich. Es war ein normaler Tag. Es war nicht kalt, aber auch nicht sonderlich heiß. Gegen Vormittag hatte es noch geregnet, doch Stück für Stück übernahm die Sonne das Kommando. Ich hielt mich zu diesem Zeitpunkt noch in meiner Wohnung auf. Las die Zeitung, warf sie weg und war Feuer und Flamme für den „Samstag!“. Die ersten Ausgaben waren längst erschienen und wir hatten einen richtig guten Start hingelegt. Mit Redermann hatte ich mich auf eine berufliche Partnerschaft geeinigt. Wir gingen uns aus dem Weg und sahen uns nur noch in der Redaktion. Du hattest gerade Deine ersten beiden Champions-League-Spiele absolviert. Auf die 1-4 Niederlage bei Manchester United und die sich anschließende Ernüchterung folgte die Wende gegen Ajax Amsterdam. Durch Tore von Götze (2), Hummels, Lewandowski und Leitner (Foulelfmeter) hast Du das Ding mit 5-0 nach Hause gefahren. Ganz Europa war beeindruckt und mir war es vorher bereits klar. ZSKA Moskau, Dein nächster Gegner fürchtete sich vor Dir und auch in der Liga lief es wahrlich nicht schlecht. An diesem Tag saß ich in der Küche und blätterte durch den „Samstag!“. „Großkreutz: ‚Normal ist das nicht'“ war die letzte Überschrift. Kevin hatte mal wieder mit Anfeindungen aus dem verbotenen Lager zu kämpfen. Sie hatten sein email-Account geknackt und nach ein paar Tagen Recherche konnten wir die Attacken Flak-Rolf zuschreiben. Redermann hatte dann ein quasi philosophisches Gespräch über den Wert des Hasses und der zunehmenden Abkehr vom Menschen hin zum digitalisierten Ich. Kevin hatte sein Innerstes nach außen gekehrt und mit diesem Interview sämtliche Vorurteile gegen ihn widerlegt.

Am Nachmittag hatte ich das Haus verlassen. Reiser wollte mal wieder die Friedenspfeife rauchen, doch Redermann und ich hatten es uns längst auf dem Kriegspfad gemütlich gemacht. Zum 11.September hin hatten Reiser und Straus Attacken auf meine Integrität gestartet. Als diese von mir jedoch abperlten, hatte ich lange lange Zeit nichts mehr von ihnen gehört. Reiser sah ich ab und an bei den Spielen, doch mittlerweile zog mich nicht mehr viel zu den Spielen. Redermann vertrat mich gut und Amok sorgte mit seinen Aktionen auf den Tribünen hin und wieder für ordentlich Verwirrung. Alles lief gut und ich war also auf dem Weg zu einem weiteren Treffen mit Reiser. Es war das erste Treffen seit langer Zeit, aber für mich war es wie ein weiteres Treffen. In Gedanken ging ich meinen Plan noch einmal durch. Ich würde von meinen Maximalforderungen nicht abweichen. Reiser muss sich zurückziehen und dem „Samstag!“ das Feld überlassen, dachte ich. Nur so würden wir der Stadt Dortmund etwas zurückgeben können. Solange aber Reiser und im schlimmsten Fall auch noch Straus ihren Tätigkeitsschwerpunkten in Dortmund sahen, würde die Stadt nie zur Ruhe kommen. Ich schlenderte und schlenderte. Durch die Brücken, die die Nordstadt von der echten Stadt trennen und überquerte am U den Wall. Wieder dachte ich an Dich, liebe Borussia, an die Zeit, die wir miteinander verbracht hatten. Die Borussia, dachte ich, war immer da. In diesem Moment erfasste mich ein Reisebus. Ich musste nicht leiden, war sofort tot.

die letzten gedanken

2 Gedanken zu „die letzten gedanken

  • Juli 27, 2011 um 7:50 pm
    Permalink

    Amy Winehouse tot? Dembowski tot? Dann gibt es keine Hoffnung mehr.

    Redermann
    den Soulvan verschrottend

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