Wenn man dann so ein paar Tage in der Erdgeschosswohnung sitzt, sich andauernd aufregt und der Hass nicht weichen will, beginnt man sich mit Dingen zu beschäftigen, die schon immer da waren. Dazu muss man wissen: Ein paar Dinge neben dem Ernte-Werbeschild in der Küche gibt es schon in der Erdgeschosswohnung. Ich habe einen Küchentisch, einen TV-Wagen, ein Plattenspieler, auf der sich immerzu Musik dreht, ein gut gefülltes Regal mit der Musik, die sich auf dem Plattenspieler dreht, einige Bücherregale, einen Laptop und natürlich noch viele Sache mehr. Sachen, die man eben ansammelt, während man lebt und wartet.

Überhaupt warten. Worauf eigentlich? Immer wieder warten. Manch einer würde dann aus Langeweile Artikel über schwulenfeindliche Äußerungen abservierter Nationalmannschaftskandidaten verfassen, manch einer würde diesen abservierten Nationalmannschaftskandidaten auch in immer tiefere Tiefen rücken und diesen Artikel dann allen Presseagenturen dieses Landes anbieten, irgendwer würde schon anbeissen, denke ich und setze mich für einen kurze Moment an den Computer, verfasse die einleitenden Zeilen, doch als es mir nicht gelingt, den Kollegen Amerell mit Michi K. in die Geschichte einzubauen, entschließe ich mich, diesen Teil der Berichterstattung an verdiente Kollegen und Kolleginnen abzutreten. Ich jage einfach einen Mail durch meinen Verteiler, irgendwer würde schon drauf anspringen, und ich hätte endlich wieder was zu lachen. Ein paar Stunden später vermeldet N-TV dann auch den Skandal. Dummheit wartet nicht. Auf nichts.

Mir jedoch gehen die Momente vor dem Computer jetzt schon wieder auf den Sack. Von überall schreit es mich an. Redermann ist der neue Dembowski und wenn Du nicht aufpasst, könnte Amok der neue Redermann werden, was Dich logischerweise zum neuen Amok, also zur Nummer 3 in der Nahrungskette machen würde. Bevor ich erneut einen Wutanfall bekomme, schalte ich den Computer einfach aus, ziehe Hüsker Dü aus dem Plattenregal, besser als auf der Don’t Want To Know If You Are Lonely EP waren sie nie wieder. Helter Skelter! Helter Skelter! Und natürlich „I’m curious to know exactly how you are / I keep my distance but that distance is too far / It reassures me just to know that you’re okay / But I don’t want you to go on needing me this way/ And I don’t want to know if you are lonely / Don’t want to know if you are less than lonely / Don’t want to know if you are lonely /Don’t want to know, don’t want to know.“ Das ist für Dich, Dörte! Und für Dich, Redermann! Ich will es nicht wissen. Niemand will es wissen, von mir auch nicht.

Ich schaue mich im Zimmer um. Das Bild von Kinski auf dem Boot hängt schief. Erst will ich es wieder in eine normale Position rücken, aber mal ehrlich, ist es nicht wirklich egal, ob ein Bild schief hängt oder nicht? Ich weiß es nicht. Erinnere mich nur der Probleme, die das Herrichten von Bildern so mit sich bringen kann.

die langen tage in der erdgeschosswohnung