Mit der Veröffentlichung auf schwatzgelb hatte ich die Falle gestellt. Der Auftrag war klar formuliert, und ich hatte ihn ziemlich gut erfüllt. Ein wenig Ruhe, ein wenig Niedergeschlagenheit reinbringen, die Niederlage gestehen, Transfergerüchte aus der Bedeutungslosigkeit ins Rampenlicht hieven.

Die Welle, hatte Redermann mir am Telefon gesagt, können wir nicht brechen. Wir waren die verschiedenen Möglichkeiten durchgegangen und entschlossen uns dann dafür, als Treibgut auf der Welle zu reiten, unsere eigene Machtlosigkeit herauszustellen und den Wahnsinn auf eine große Portion Weltschmerz runter zu brechen.

Es war perfekt gelungen, zwar ging mir das ständige Kokettieren mit meiner Trunksucht mittlerweile gehörig gegen den Strich, aber das gehörte nun einmal zum Spiel. Für das Wochenende änderte ich meine Pläne. Anstatt der Kneipe stand nun Dortmund an. Für den Freitag vereinbarten wir eine Redaktionssitzung.

Am späten Abend fuhr ich noch einmal ins Büro. Drehten sie im Fußballgeschäft durch, musste ich nur bei Teenage Kicks vorbeischauen, um mir die wohlverdiente Portion Realität abzuholen. Auch dort waren sie in den letzten Wochen einigermaßen durchgedreht, hatten Heino in den Adelsstand gehoben. Jetzt diskutierten sie über PR-Strategien. Nur Sölden nicht, der wieder einmal auf einer Auslandsreise war.

Langsam zweifelte ich an seiner Existenz. Wenn ich nicht da war, bestand die Arbeit der Agentur aus ein paar vorgefertigten Textbausteinen, die im Wochenrhythmus zu immer neuen Pressemeldungen zusammengefügt wurden. Es funktionierte. Hin und wieder gefiel einem Redakteur eines der neuen Alben.

Ich hatte mir in den letzten Tagen die große Bedeutungslosigkeit, die unendliche Leere vorgeführt. Ich war wie befreit und wieder auf dem Oderbruch-Trip. Noch ein paar Wochen musste ich durchhalten, dann würde ich für einige Zeit verschwinden. Verfassungsschutz hier, Lewandowski da, Sölden nie da, der große Wettskandal und Dörte auf Lama-Schulung.

Nicht einmal mehr auf meinen ziellosen Streifzügen durch die Stadt konnte ich mich beruhigen. Ich war auf dem falschen Dampfer. Trotzdem bewegte ich mich, wie man sich eben bewegt, wenn der Körper sich ganz langsam vom Geist abkoppelt. Erst als ich auf der Museumsinsel angekommen war, bemerkte ich, dass ich die letzte Stunde immer weiter stadteinwärts gelaufen war. Ich setzte mich auf den Brunnenrand, beobachtete von dort den vorbeiziehenden Verkehr auf Unter den Linden, hin und wieder sah ich Menschen.

Bald würde die Sonne wieder aufgehen und bald würde ein neuer Tag über die Stadt kommen. Bald würde das ewige Ringen gegen die Leere wieder beginnen. Am anderen Ende der Straße würden sie in ihren Abgeordnetenbüros sitzen, das Ende von Schavan diskutieren, in den Shoppingcentern der Friedrichstraße würden sie sich mit den neuesten Moden eindecken, am Potsdamer Platz der Kampf um die letzten Berlinale-Tickets weitergehen, die U-Bahnen würden stinken, die S-Bahnen nicht fahren und ich würde neue Pläne aushecken.

Es ist gut so, dachte ich und erhob mich langsam. Der Himmel hatte sich längst blau gefärbt, die Trams am Hackeschen Markt waren voller Pendler und als ich an der Weinmeisterstraße in den Untergrund stieg, klingelte mein Telefon. Dörte war in Peru angekommen und alles war gut. In der Wollankstraße legte ich Cohen auf. You told me again you preferred handsome man, but for me you would make an exception.

die ausnahme