Sie kamen mit einem alten Golf, sie passten mich an der Ecke ab und versperrten mir den Weg. Einsteigen. Ich hatte keine Wahl. Gerade noch hatte ich über Götzes Liebe zu Justin Bieber gegrübelt und was das nun wieder bedeutet und was Fußballer überhaupt außer Fußball können. Mit Geschmack können. Mit Verstand. Liest einer von ihnen mal ein Buch und hört Klassik, ist er gleich der Mittelfeld-Mozart und muss in der Folge nach Australien auswandern. Verschmäht von den Mitspielern, verachtet von der Presse.

Werden Profi-Fußballer nach den bedeutendsten Deutschen gefragt, sind das meist Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg (früher und bald wieder), Dieter Bohlen (sein Humor!), Helmut Kohl (seine Lebensleistung!). Werden Profi-Fußballer nach ihren Musikvorlieben gefragt, ist die Antwort Andrea Berg, Helene Fischer nicht überraschend und jetzt folgt mit der Generation Götze eben auch Justin Bieber. Sagt einer der Spieler einmal Kanye West, vermerke ich das bereits unter „außergewöhnlicher Musikgeschmack“. Fußballer, hatte ich gedacht, bevor an der Ecke vor mir der Golf stoppte und mir den Weg versperrte, konzentrieren sich auf den Fußball und bekommen von der restlichen Welt zumindest andere Ausschnitte als der Rest der Menschheit mit. Dabei, hatte ich gedacht und die Typen hatten mich abgepasst, hätten sie alle Zeit der Welt, sich mit dem Leben zu beschäftigen. Vielleicht taten sie das auch, aber vielleicht taten sie es einfach auf eine andere Art und Weise. Vielleicht glaubten sie tiefer, vielleicht glaubte ich tiefer. Und wie war ich auf Glaube gekommen?

Auf Glaube? Kurios! Aber wahrscheinlich meine letzte Hoffnung. Die Typen wollten nicht spaßen, umklammerten mich und zogen mich in ihren Wagen. Schon wieder gefangen? Mein Januar-Schicksal? Bleibt mir wenigstens die Modemesse erspart, dachte ich und erinnerte mich an die alte Frau in der Abendschau. Sie interessiere sich sehr für Mode, aber mit ihrer Figur. Dabei, so schien es mir, war sie noch lange nicht so fett wie die fette Qualle von Pankow. Die Typen hatten immer noch nicht mir gesprochen, wir fuhren die Allee der Kosmonauten entlang. Die Nacht hatte sich über diesen Teil der Stadt gelegt. Während wir die Märkische Allee passierten, dröhnte ein Klassiker durch die Boxen. 


So this is how it feels to be lonely / this is how it feels to be small / this is how it feels when your word means nothing at all. Immer noch hatten sie kein Wort geredet. Ich schaute auf die Platte und hörte dance if you wanna dance / please brother take a chance / you know they’re gonna go / which way they wanna go. Ich war offensichtlich im Auto der Vergangenheitsverhafteten gelandet, die mich jetzt nach Marzahn fuhren. Damals als ich mit meinen Ermittlungen begonnen hatte, gab es einmal einen Marzahn. Aber dieses Marzahn war nicht der Marzahn oder doch. Wir stiegen aus. Vor uns die Ruine des Klub Renner Marzahns. Immer noch kein Wort. Sie baten mich in den Klub Renner, setzten mich auf die letzten Bühnenteile und holten eine Maschine raus. „Diese Maschine, Dembowski, ermöglicht Dir Reisen an unbekannte Orte!“ Ich musste hier schnellstmöglich verschwinden, doch sie hatten mich fest im Griff.
 

die allee der kosmonauten