Neulich hatte er einen Stein entdeckt. Das Gewässer war an dieser Stelle seicht.

Er kannte es von seinen Patrouillen. Niemand konnte unentdeckt rein, niemand konnte unentdeckt raus. Wenn er in Form war. Doch er war so träge. Hatte wochenlang an der Oberfläche abkorallt, auf Dietfried gewartet.

Meist kreiste er um den Steg, einmal rechts, und einmal links. Bis es ihm langweilig wurde.
Aber Dietfried kam nicht. Nur Dörte ließ sich jeden Morgen um 9.00 blicken. Sie fütterte den Schwan. Erst hatte ihn das fürchterlich aufgeregt. Schnell aber nachgerade euphorisiert. Der dumme Schwan musste jeden Brotkrumen mit Wasser tränken. Er schnappte es ihm aus dem Mund. Der Schwan seufzte still, manchmal entfuhr ihm ein kurzes, wehleidiges Fauchen.

Er trieb an der Oberfläche, schnappte manchmal nach Luft. Die Regentage verbrachte er in einer kleinen Tiefe nahe der Uferböschung, manchmal, wenn ihm langweilig wurde, gründelte er sich durch den hinteren Teil des Sees. Er wirbelte mit seinen Brustflossen Sand auf, sah den Gasblasen beim Aufsteigen zu, oder verschwand in einer Dreckwolke. Er freute sich über die vorbeiziehenden Forellen, die seit diesem Sommer seine Weggefährten waren.

Er gab nicht viel auf die Forellen, und war sich sicher, dass sie ohnehin in eine Räucherkammer enden würden. Der Kampf der Barsche war ein weiteres Highlight. Sie lernten nicht. Und so lichteten sich die Reihen bei jedem Besuch des Reihers.

Koi war ein glücklicher, wenn auch ein einsamer Karpfen. Neulich hatte er einen Stein entdeckt. An einer Stelle, an der vorher kein Stein lag. Er hatte ihn umrundet, und dann einen Schriftzug entdeckt. „Bleiben Deinen Freunden Koi. Dietfried.“ Ein Lächeln hatte auf seinen Kiemen gelegen. Der Ermittler, hatte er gedacht.
Er vermisste die Hand, an die er sich so gerne schmiegte.
der träge karpfen koi