Die Lamas konnten nun tanzen! 



Da war er wieder. Der Spätsommer.


 Die kurzen Tage, die letzten Vorbereitungen auf die Bundesliga-Saison, der Abschied von der Lamafarm. Zurück in den Kiez. Nicht mehr im Mobile Command Centre. Der blieb auf der Lamafarm. Wie – natürlich! – auch Dörte.

„Es ist soweit“, hatte ich ihr gesagt. „Ich muss gehen“, hatte ich Koi gesagt. „Passt gut auf“, hatte ich den Lamas gesagt.

Sie konnten jetzt tanzen. Koi konnte jetzt lachen. Dörte konnte jetzt ruhen.

Eberswalde Hauptbahnhof. Die Halle. Die großen Flächen. Der kleine Bahnhofssupermarkt. Bei Biesenthal beobachtete ich ein paar Störche, vor Bernau waren es Rehe, hinter Buch dann, dort, wo sich die Stadt ein letztes Mal öffnet, bevor das Grün von Gewerbeparks, Platten, Brachen und Altbauten geschluckt wird, ein Rabe, der allein auf der Autobahnbrücke über die Felder blickt.

Über Pankow, am nassen Dreieck, die letzten Mauerreste rechts liegen lassen, östlich der S-Bahn-Station Bornholmer Straße rein in den Bahnhof Gesundbrunnen. Wie sie ihn herausputzen. Das Tor zum Kiez. Doch jetzt nur eine Baustelle, ein Labyrinth aus Gängen. Hier geht es runter zur U-Bahn. Sie rennen. Am Obststand preisen sie die frischen Kirschen an. Auch Pflaumen gibt es schon.

Ein paar Punks vor der Sparkasse, die Drehtür ins Einkaufsparadies stockt. Der Kinderwagen durch den Seiteneingang. Aldi-Tüten, Real-Tüten, die Pizza kostet jetzt 1.20€. Ein paar Salafisten heuern direkt vor der U-Bahn an. So findet der Kiez nie seine Ruhe. Wer traut sich vorbei? Ein einsamer Schriftzug:

„ACAB – Hertha BSC – Pierre-Michel Lasogga“

Der spielt jetzt in Hamburg. Und aus der Alten Plumpe wird ein Hostel.

Ein paar Meter weiter, jetzt schon auf der Prinzenallee, an der Stelle, an der die Smaragad-Bar die Wettstuben durchbricht, drohend aus der Zukunft grüßt, der Hinweis:

„Wir sehen alles! (BND – ex-Stadion der Weltjugend)“

Klare Kante

Immer wieder mischen sich nun Touristenrollkoffer, fremde Sprachen und aufgeklappte Stadtpläne unter die Bierflaschentrinker und Sonnenblumenspucker. An der Ecke Osloer halten sie eine Weltmeisterschaft im Currywurstessen ab. Alles ist Baustelle. Alles wird neu. Nicht nur die Leitungen. Aus der Post wird die erste Hartz IV-Schule der Welt. Auf der anderen Ecke vermieten sie 2 Zimmer für 800€. Szenebezirk. Der Wedding kommt.

„Es heißt Gesundbrunnen!“

„Es ist der Soldiner Kiez!“

Hier gibt es jetzt einen Kiez-Frisör.

In der Wohnung, sie war niemals weg, hoch oben sehe ich die Übergänge. Im Norden die Wollankstraße, im Süden die Prinzenallee. Langsam ziehen sie die Straße hoch. Nur im Norden ist keine Bewegung. Er steht an der S-Bahn. Und traut sich nicht hinab, hinab, hinab.

Gegenüber in der Kneipe „Zum Friedhof“ verkaufen sie „Vier Biere vom Hahn.“  Andrea Berg heißt hier die Hoffnung. Lautes Treiben. Die Deutschland-Fahnen verkünden den vergangenen Triumph in Südamerika. Es ist länger als den Monat her, der seitdem vergangen ist.

Ich lege Arm The Lonely auf. Wieder. So viel Zeit. Diesmal ist es dringend. 


der letzte tanz