Wenn ich dann mal wieder unten bin, wir sogar das Derby gewinnen, muss mein Weg mich natürlich auch zu Kleppo führen. „Der kann ja nix dafür“, denke ich also an diesem Samstag, es ist bereits spät. Erst einmal haben wir den Sieg gefeiert, sind dann durch die Straßen gezogen, haben gesungen, getanzt, getrunken und uns immer wieder in den Armen gelegen. Sachen, die man nach einem Derbysieg macht. So viele, und gerade so viele im Westfalenstadion, gab es in letzter Zeit nicht. Fühlt sich gut an. Keine Frage. Aber wenn ich dann mal wieder unten bin, wir sogar das Derby gewinnen, muss mein Weg mich natürlich auch zu Kleppo führen.

„Du hast doch einen Knall“, haut mir Redermann entgegen, als ich ihm meinen Plan erläuter. Aber ich ziehe das Ding durch und Redermann ist dabei. Amok nicht. Er bleibt oberhalb der Möllerbrücke. In einer der Kneipen. „Is näher in den Osten“, sagt er und näher in den Osten ist es. Nur wenn der Osten nicht so weit weg ist, wie der Osten in dem ich mich jetzt meist bewege. Die Erklärung behalte ich jedoch für mich. Keine unnötigen Verwirrungen am Tag des Derbysiegs. Gab schon genug um The Night They Drove Old Dixie Down. „Wie lahm“, hat gesagt. Und mal wieder nichts verstanden. „Der Robertson hat das geschrieben, für Dich, für mich. Für alle Menschen. Ein gutes Lied wird immer ein gutes Lied bleiben. Und ein gutes Lied wird natürlich besser, wenn man es voller Inbrunst gegen seinen größten Feind wenden kann. Aber Feindschaft, Redermann, Feindschaft pflege ich nicht mit Kleppo!“ Er versteht. Wir gehen runter.

Vielleicht 23.30 Uhr. Vielleicht was früher. Kleppo fällt uns in die Arme. „Redermann, Dembowski! Lass uns saufen! Ich will feiern!“ „Du? Verloren habt ihr. In Euer Gesicht!“ „Ach, Fußball“ „Ey, Derbysieg, Spitzenreiter!“ „Ach, Derbysieg! Ach, Spitzenreiter!“ Kleppo zeigt uns seinen Schein. 3 – 13 – 23 – 33 – 38 – 49. „Das sind die Zahlen! Das sind meine verdammten Zahlen. Da könnt ihr noch so oft Derbysieger, Spitzenreiter! singen. Lottogewinner, Lottogewinner! Hey, hey!“ „Respekt, Kleppo! Respekt!“ „Hab ersma den Boss angerufen. Auch sone Zecken wie ihr!“ „Und?“ „Ihn beschimpft und gekündigt! Ich mach jetzt in Privatier. Ist ne gutes Leben. Wir fahren jetzt zur Syburg!“ „Ach, Kleppo. Lass ma gut sein. Wir trinken jetzt noch wat in der Kneipe und dann gut ist. Isja nen Glückstag für uns alle dann. Schlafen we aus!“ „Nein. Ich fahr zur Syburg. Hau ersma nen bißchen wat auffen Kopp. So 30.000€ ist dat Limit. Den Rest lege ich dann an.“

Redermann und ich lassen Kleppo ziehen und verschwinden noch auf ein paar Bier in die Kneipe. Die englischen Konstrukteure sind auch da. Hätte mir mal jemand sagen können. Nobster G fällt mir in die Arme. Singt den alten Chesney Hawkes. „I am the one and only“. „My fucking first derby win, ever!“ Hat er sicher Recht, der Modefan. Wo warst Du in Bielefeld, denke ich? Und frage mich dann, wo war ich eigentlich in Bielefeld? Egal. Ich bin Fan, er ist Modefan. Und wir sind alle Derbysieger. Die Nacht wird lang. Um 5.40 nehm ich den Zug nach Berlin. Den Sonntag verschlafe ich. Am Montag schau ich mir die Quoten an. Hat Kleppo wohl Schulden gemacht. Einmal Blauer, immer Blauer, denke ich. Der 2-Tage-Lottogewinner. Der 4-Minuten-Meister

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