„Boah, Borussia! Hör niemals auf“, dachte ich als ich den Nachtzug am Hauptbahnhof verlasse. Auf innen Wedding, ab anne Wollank. Was waren das für Tage? Erst traurig, dann wirklich traurig und zum Abschluß dann das.

Auf die guten alten Zeiten mit Schulze und Koslowski, da wo vor langer Zeit alles begann. Treffpunkt Katharinentreppe, am Spieltag, Punkt 5. Ich war schon lange vorher da, saß rum, beobachtete die aufziehenden Hundertschaften, unten am Bahnhof standen schon wieder was weiß ich wieviel Einsatzwagen rum. Sicher Risikospiel, dachte ich auf der Katahrinentreppe auf Schulz und Koslowski wartend, mein Blich schweifte vereinzelten Real-Fans und immer wieder Borussia. Ist ja Spieltag. Ist ja Krieg da unten am Bahnhof, dachte ich, nahm noch einen Schluck Kronen.

Blick nach rechts. Immer noch da. Hing da jetzt auch schon seit Samstag und nix war passiert. Dat wär doch mal nen Fall für die beiden Ordnungshüter, dachte ich und nahm noch einen Schluck Kronen. Und da zogen sie auf. Koslowski im altbewährten Stechschritt, ganz der Alte. Mit Schulze war es bergab gegangen. Schon aus großer Entfernung sah ich sein Hinkebein.

Als sie die Treppe hochkamen, winkten sie mir zu, freuten sich, wollten aber nicht sitzen. Also aufstehen, Kronen nehmen. „Auch ne Pulle?“ „Im Dienst!“, schallte es unisono zurück. „Abba späta!“, flüsterte Koslowski. „Wasn überhaupt mit Dir los, Schulze?“ „War im Krieg. Krawalle. Hatten mich am Samstag einfach verpflichtet. Dat kommt dabei raus, wenn Du mitten drin bis, die Flora is uns auseinandergeflogen.“ „Ha! Du warst dabei?“ „Diese verdammten Ultras, die bekommen we dran. Für allet!“

Ich hörte nicht mehr hin. Klar, was die Ultras da abgezogen hatten, war wirklich finster. Aber das konnte Schulze nicht gesehen, geschweige denn gemeint haben. Da war niemand. Sie hatten mich brutal überfallen, oder es zumindest versucht. Dabei war ich nur der Tourguide der Dortmund City Tour. Und wollte ein paar Bilder zu Dokumentationszwecken, für mein Archiv, für Dörte, forever ago, machen. Ging ja dann auch irgendwie.

Um den großen Rest mit dem umgekehrten Blocksturm, dem Banner, den Hubschraubereinsätzen hatte ich mich nicht gekümmert. Das hätte mir nur die Laune am Fußball verdorben. Gründlich. Und die war nach dem Taktikunfall gegen die Blauen ohnehin gerade nicht da. 

So saß ich also auf den Stufen der Katharinentreppe, sprach mit den alten Haudegen Schulze und Koslowski, und lenkte ihre Blicke langsam auf das The Unity-Logo an der Wand. „Schon gesehen?“, fragte ich Schulze beiläufig. „Wat is dat denn? Wat soll dat sein?“ „Na, The Unity?“ „Kenn ich nich. Ruf ma gleich…ah. Die Hundertschaft!“ Schulze stürmte hinkend los. Koslowski starrte ihm entgeistert hinterher. „Der war doch im Krieg, der muss die kennen“ „Du kennst doch Schulze. Gut anne Kanne, willste jetzt eigentlich wat?….“ „Dat Ding is verhaftet“ „…aber sonst nicht so klar im Kopp.“

Am oberen Ende der Treppe beratschlagten sie sich jetzt. Schulze kam wieder auf mich zu. „Dembowski, Hand aufs Herz. Hast Du dat Ding dahingehangen? Wat is jetzt The Unity?“ „Überhaupt keine Ahnung, Schulze! Überhaupt keine Ahnung.“ „Find ich ma raus“. Schulze drehte sich weg, sprach jetzt durch sein Funkgerät. „Da steht Ze Unity drauf, und dann ist da der Chef der Bande drauf abgebildet….Ok…Ich check dat ma….“ Schulze schüttelte mit dem Kopf, drehte sich wieder zur Hundertschaft und brüllte „Jungs, ihr müsst euch dat ma anschauen. Wat is dat fürnen Material? Und wie ist dat da fest gemacht?“ Während zwei Beamte zum The Unity-Logo hochkletterten, zeigte ich auf die andere Seite. „Gerade gesehen, Schulze, da hängt auch so ein Ding.“ „Wat is jetzt Ze Unity? Sach doch ma. Wat soll dat überhaupt. Dat darf hier nicht hängen!“

Koslowski drehte sich immmer mal wieder zur Seite, lachte und drehte sich wieder in Richtung Schulze: „Also ich hab da auch überhaupt keinen blassen Schimmer, nicht!“ „Kerr, kerr. Dat geht nich mit rechten Dingen zu hier“ „Ach, Schulze. Die Aufklärer sind unterwegs.“

Die Aufklärer stiegen vom Geländer, schritten bedeutsam auf uns zu und sagten: „Aber Herr Inspektor Schulze, wir können doch das Stadtwappen nicht entfernen. Sieht dazu noch gut aus.“ Schulze stammelte: „Dat wusst ich nich, wirklich nich. Dat war mir überhaupt nicht bewusst.“

„Feierabend“, brüllte Koslowski. „Anweisung von ganz oben. Fussek! Komm Dembo, lass uns einen zischen gehen und dann ma schauen. Ich sach 2-1“ „Und wat is jetz Ze Unity?“. Schulze stand noch Minuten später, als wir mit ordentlich Kronen eingedeckt in den Hauptbahnhof schritten, am oberen Ende der Treppe.

dembowski und das stadtwappen