Und dann kamen die ersten Anrufe. „Dembowski, lebst Du noch?“ oder „Wie kann man sterben und trotzdem schreiben, Du bist ein verrückter Hund, Dembo!“. Auch Redermann meldete sich bei mir. Per Mail: „Soulvan vereinbarungsgemäß verschrottet – Schade – Redermann“. Dazu muss ich natürlich noch einmal auf die Richtlinien der Konstrukteure hinweisen. In langen von Piotr verfassten Sätzen steht dort sinngemäß, dass wenn eine Person aus einem Konstrukteursverbund ausscheidet – ähnlich anderer lebenslanger Verbünde, wie zum Beispiel dem sogenannten Papstverbund, scheidet man nur durch den Tod aus (oder einer so großen Schuld, dass nicht einmal die Konstrukteure Verständnis für die Schuld aufbringen. Ihr Schuldverständnis ist naturgemäß ein derart kompliziertes, dass eine Erläuterung an dieser Stelle sinn- und zwecklos wäre) – sein Partner alle mit der ausscheidenden Person in Zusammenhang stehenden Materialien zu vernichten habe.

Redermann hat also voreilig gehandelt, was uns für die Zukunft in unserer Mobilität einschränkt. Hatte ich mich doch gerade an den Soulvan gewöhnt. Er war uns ein guter Gefährte. Auf nicht so vielen Reisen, aber immerhin. Die Pläne für die Auswärtsfahrten nach Europa liegen noch bei mir auf dem Computer, gegengecheckt von höchster Stelle. All das hinfällig! Aufgrund eines Traums. Dinge, ernst genommen. Dinge, auf die leichte Schulter genommen. Egal. Ich bin mir sicher, dass ich noch lebe. Mein Kopf schmerzt. Es war wieder zu viel. Zu viel von allem. Wenn ich heiter bin, mixe ich mir die Getränke. Wie sie mir gefallen. Und wache morgens auf und wundere mich über die Schmerzen im Kopf. Heute bin ich glücklich. Über die Schmerzen. Sie zeigen mir: Dembowski lebt!

Glücklich über meinen Lebensschmerz hole ich mal wieder „Farm“ von Dinosaur Jr aus dem Plattenschrank. Gleich auf Said The People. Wurde überhaupt jemals ein besseres Lied veröffentlicht, denke ich und singe „of all the people to let me down, of all the people, why now? save me, save me!“, bastel dann ein Video, stelle es bei youtube rein und habe wieder eine Aufgabe erledigt, die ich mir nie gestellt hatte.

Ich schreibe Redermann: „Dembowski lebt! Weiter, immer weiter! Das hattest Du Dir schön ausgedacht. Dembowski ist der neue Dembowski. Redermann bleibt Redermann. Treffpunkt: 18 Uhr im Park. Besprechung. Es geht um den „Samstag!“. Über die Unmöglichkeit der Ermittlungen sind wir längst hinaus. Nur noch zwei Tage bis zum Saisonstart. Wir müssen uns was einfallen lassen. sswm – Grüße, Dembowski lebt!“ Redermann ist sogar hellauf begeistert. Scheinbar war ihm mein angeblicher Tod nahegegangen. Er schreibt mir: „Wichtig ist, dass Zidan auf der Bank sitzt. Wichtig ist, dass Sandhausen kein Braunschweig wird. Wichtig ist, dass Du lebst.“

dembowski lebt!