Was ist das in meiner Tasche? Gerade noch war ich auf meinem Weg zum schönsten Stadion der Welt. Gerade noch stand ich in der Ringbahn und telefonierte mit Redermann. Es war früh. Vielleicht 4 Uhr. Redermann war noch blau. Ich schon wieder nüchtern. Die frühe Fahrt in das Herz der Republik. Am Hauptbahnhof suchte ich meine Karte, doch dort, wo ich beim Rausgehen noch die Karte hat, fühlte es sich auf einmal komisch an. Blutig. Klebrig. Menschlich.

Was ist das in meiner Tasche? Mit meiner Hand zog ich den Gegenstand langsam aus der Manteltasche. Zuerst sah ich die Fingerkuppe, dann einen Ring, auf dem Ring ein K. Sonst nichts. Das war es. Ein Ringfinger. Säuberlich von der Hand getrennt. Von der Größe her konnte es nur ein Frauenfinger sein, ein Blick unter das Blut bestätigte meine Vermutung. Der Fingernagel war lackiert. Mir wurde fad. Ich nannte mich zwa Ermittler, doch war ich nicht so ein Ermittler. Mir wurde aber auch sofort bewußt. Das Spiel würde ich vergessen können. Der Grund lag in meiner Hand. Jemand musste mir diesen Finger zugesteckt haben. Voller Absicht. Aber wieso? Und was hatte das K zu bedeuten?

„Du hast was? Hör auf zu saufen, Dembo! Das mache ich für Dich“, war klar, dass Redermann mir nicht glaube würde. Nicht einmal ein Bild konnte ich ihm schicken. All die Smartphonebenutzer um mich herum hätte es tun können, doch wir hatten uns längst drauf verständigt: Bist Du ein Konstrukteur benutzt Du kein Smartphone. Längst hatte ich den Finger wieder im Mantel verschwinden lassen. Mir war schlecht. Klar: Leichen waren mir bereits vorher ins Haus gekommen. Alle waren jedoch eines natürlichen Todes gestorben. Und das hier war keine Leiche, sondern nur ein fein säuberlich abgetrennter Ringfinger einer Frau. Der Krümmung nach zu urteilen, war es ein linker Ringfinger. „Dembo! Erzähl keinen Scheiß! Komm nach Dortmund“, lallte Redermann ins Telefon, doch ich hatte keine Wahl. Dieser Fall erforderte meine ganze Aufmerksamkeit. Ich machte kehrt. Vielleicht würde ich das Spiel sehen können, vielleicht aber würden mich die Ermittlungen in Beschlag nehmen.

In der Samenhandlung angekommen brühte ich mir einen Kaffee auf, schrieb Piotr und dem Nobster. Vielleicht hatten sie damit Erfahrung. Ich hatte es nicht. Doch eins war sicher. Ich würde an diesem Fall dranbleiben. Ich notierte:

  • Ringfinger
  • weiblich
  • linke Hand
  • abgetrennt
  • lackiert
  • zugesteckt zwischen Westhafen und Hauptbahnhof. Ringbahn? 

Ich schlürfte meinen Kaffee, zündete mir die 20 Ernte des Tages an, legte die Love, God, Murder von Cash auf und dachte nach.

das westfalenstadion bleibt leer