Während ich mich also irgendwie von der Vorstellung einer ruhigen Rückrunde verabschiedete hatte, war es dann am Ende Redermann, der mir am Telefon ordentlich Bescheid gab. Ich kümmere mich da schon drum, sagte er und ergänzte „aber jetzt schauen wir doch erst einmal Bundesliga-Fußball! Jetzt schauen wir erst einmal und zwar noch 17x einmal die Borussia. Schauen wir die Borussia und freuen wir uns über die Titelverteidigung.“ „Wieso?“ „Es wird so kommen, das steht außer Frage“. Gerne wollte ich ihm glauben, doch natürlich gab es da einfach zu viele Unsicherheitsfaktoren. Alleine das Spiel in Hamburg war bereits einer dieser Unsicherheitsfaktoren.

Hamburg hatte in der Winterpause mächtig aufgefahren. Natürlich nur verbal. Dafür aber sah der neue Hamburger Trainer Fink die Rauten bereits wieder in der Champions League. Und ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ein alter Lütgendortmunder Junge wie Fink jemals die Unwahrheit ausgesprochen hatte. Also standen sich an diesem Sonntag zwei Mannschaften mit durchaus berechtigten Chancen auf den Einzug in die Champions League gegenüber.

Zur Bestätigung blickte ich noch einmal auf die Tabelle. Für den Meister war ein Sieg Pflicht, wenn es nicht bereits nach dem ersten Spiel der Rückrunde zu einer Mega-Krise kommen sollte. Die Hamburger, auf der anderen Seite, hatten mit einem Sieg alle Chancen auf eine Serie. Gerade nach den Niederlagen der Bremer und Stuttgart war also der Weg frei für den Bundesliga-Dino. Dortmund nur lästiges Pflichtprogramm. Dann noch ohne Götze. Ohne Weidenfeller. Wo immer Redermann seine Zuversicht her hatte, von mir sicher nicht.

Auf in die Kneipe. Spiel schauen. Erst lief da wieder diese Klopp-Doku. Es schien beinahe so, also ob es in Dortmund nur noch Klopp gab. Ich wurde wütend, meine Laune und auch meine Zuversicht waren unten. Ganz tief unten. Zu allem Überfluß stupste mich einer der besoffenen Gäste minutenlang in die Seite. Zur Rede gestellt, hatte er keine Erklärung für sein Verhalten. Ich konnte mich nicht wehren. Die Laune war im Keller, die Mannschaften auf dem Platz. Und siehe da: Fink verzichtete zu Beginn des Spiels auf den in zahlreichen Champions-League-Spielen gestählten Mladen Petric. Mein Pessimismus schlug schlagartig in größte Zuversicht um. Auch Kacar, der mir bereits vom Hinspiel sehr positiv aufgefallen war, durfte ran. Es entwickelte sich das typische Dortmunder Spiel. Und mit jedem Tor sprang ich höher, und mit jeder ausgelassene Chance sank ich wieder in mich zusammen. Die Borussia verpasste gegen den Abstiegskandidaten HSV die Tabellenführung. Nicht nur, dass mich Fink belogen hatte, die Schwatzgelben hatten zahlreiche Borussen, die teils vor dem Stadion in Regen das Spiel übers Radio verfolgten, um die Tabellenspitze betrogen.

Mein Kommentar würde dementsprechen ausfallen, nahm ich mir auf dem kurzen Weg zurück in die Wohnung vor. Als Redermann anrief, ließ ich das Telefon einfach klingeln. Das hier würde er mir nicht ausreden. Ich war stinksauer

Chance verpasst – Dortmund weiter nur Verfolger
(berlin / 23.01.2012) Diese Chance bekommt Borussia nie wieder! Gegen desolate Hamburger gelang dem Titelverteidiger am Sonntag zwar ein 5-1 Erfolg, doch nicht der Sprung an die Tabellenspitze. Auch in der Winterpause konnte die Klopp-Elf ihre größte Schwäche nicht abstellen. Lewandowski bleibt Lewandoofski! Ein Weltklassestürmer macht aus fünf Chancen auch fünf Treffer. Doch der Pole (23) verballerte Chance um Chance. Nur gegen Stümperverteidiger Aogo gelang ihm ein Lupfer! Ohne Götze ist Dortmund nur ein dunkler Schatten auf den Meisterträumen der Bayern. Sie reden von Wachablösung! Und verpassen weiter ihre Chancen. DerSamstag! sprach exklusiv mit dem Welttorhüter: „Wer solche Verfolger hat, auch keine Sorgen mehr!“ Dortmund, das war nichts! Die Bayern ziehen weiter einsam ihre 4-Tore-Kreise an der Tabellenspitze und Deutschland langweilt sich! (dembowski / DerSamstag!)

chance verpasst – dortmund weiter nur verfolger – der kommentar