Die Fans in Dortmund störten sich nicht an den kalten Handlangern des seelenlosen Geschäfts. Dembowski aber trug weiter seine hässliche Maske. 


Wann hat das eigentlich angefangen? Nicht einmal am Morgen nach dem schon wieder geschichsträchtigen Spiel gegen Real Madrid wollte sich niemand mehr die Zeit nehmen, um wenigstens für ein paar Tage einmal alle Transfergerüchte zur Seite zu wischen und sich am Moment zu erfreuen, die Gedanken eben nicht auf den möglichen Zerfall einer großen Mannschaft, sondern auf die große Mannschaft zu lenken. Wer auch immer damit angefangen hatte, vor langer, langer Zeit, ich verachtete ihn. Aber ich würde mich von ihm auch nicht stören lassen.

Ich saß in der Bahn zurück nach Berlin. Wieder einmal war ich in Dortmund gewesen und diesmal hatte ich sogar bis zur letzten Minute ausgehalten. Ich saugte jeden Augenblick diesen denkwürdigen Tages in mich auf, ich hielt mich nicht mit den Gedanken an das was mal sein könnte auf, sondern konzentrierte mich vollkommen auf den Moment, der mich mit großen Glück erfüllte und der mir für Monate und Jahre Kraft geben würde.

In die ganze Götze-Aufregung hinein hatte ich mir ein paar Fragen gestellt. Warum schaue ich Fußball? Warum bin ich Fan? Was macht mein Leben als Fan aus und warum lasse ich mich doch immer wieder dazu hinreißen, angefeuert von irgendwelchen Äußerungen Gerüchte zu kommentieren, DerSamstag! immer weiter zu einem Boulevard-Blatt verkommen zu lassen.

Ich saß in der Bahn zurück nach Berlin und dachte an eine Äußerung einer Bekannten. „Dembowski, warum quälst Du Dich so“, hatte sie mich kürzlich erst gefragt, auf meine stets schlechte Laune angespielt. Doch diese war, wie so vieles an mir, aufgesetzt. Ich ruhte in mir und nach außen gab ich den schlecht gelaunten, versoffenen Ermittler.

Nach außen war ich eine Hülle, hatte keinen Charakter, keinen Sinn und meinen Verstand gegen eine Flasche Kronen eingetauscht. Ich war nie hungrig, ich hatte keine Emotionen. Ich war der Tweet von gestern, verloren in den Weiten des Internets. Ich war die Beschleuniger, den niemand brauchte. Ich war der Redakteur, dessen Weisheiten nervten. Ich war Dietfried Dembowski, eine von mir geschaffen Kunstfigur, die ich mit Tristesse füllte. Ich war Dietfried Dembowski, der Querulant, der nur glücklich werden konnte, wenn er wieder einmal für Unruhe gesorgt hatte. Ich war der Ermittler, der Aufmerksamkeit brauchte und wenig bekam.

Ich saß in der Bahn zurück nach Berlin und dachte daran, wie wenig diese Hülle doch mit mir zu tun hatte. Ich war sehr zufrieden mit mir. So wie ich sehr zufrieden mit dem Mittwoch in Dortmund war. Die Stadt, das wurde mir bei meinen Besuchen in der Fußball-Hauptstadt immer wieder bewusst, gierte nach Fußball, gierte nach der Borussia und hatte überhaupt kein Interesse daran, sich diese Gier von miesen Beratertricks und der Hektik des Internets zerstören zu lassen.

In Dortmund war es egal, wer wann wo was gesagt, wer wann wo wen gesehen und wer wieso was vermutet hatte. All die Insider dieser Welt, all die aufgeregten Jäger des nächsten Super-Transfers waren im Endeffekt bemitleidenswerte Menschen. Sie hatten über all ihr Insiderwissen vergessen, was das Spiel bedeutete. Sie hatten über all ihre Wichtigtuerei die Fähigkeit verloren, den Moment länger als für einen winzigen Augenblick zu genießen. Sie waren die kalten Handlager der seelenlosen Spieler in dem miesen Geschäft, zu dem ein Teil des Spiels längst verkommen war.

Im Stadion und in der Stadt jedoch ging es um die Liebe zum Verein, nicht die echte, kapitalistische Liebe, sondern die aus dem Herzen kommende, die in den 90 Minuten gegen Madrid wieder einmal ganz Europa verzauberte. Das aber, beschloss ich in der Bahn sitzend, würde ich für mich behalten und weiter meine Rolle spielen, weiter meine Beweggründe verschleiern und mich weiter bemühen, der Schnelllebigkeit mit Verwirrung zu begegnen.

Als Redermann mir später am Donnerstag, ich war längst zurück im Soldiner Kiez und badete mal wieder in der Nachmittagssonne am Pankeststrand von den neuesten Entwicklungen rund um Lewandowski, Götze, Hoeneß und Gomez erzählte, fragte ich ihn was er denn überhaupt davon halte. „Mir doch egal, was passiert. Aber lass uns die Gomez-Geschichte groß fahren und lass uns einfach weiter mitspielen“, war seine Antwort. Wir waren auf einer Linie und ich versprach ihm, noch am Freitag Neuigkeiten in Sachen Gomez zu veröffentlichen. „Aber bezieh Dich nicht nur auf das Knappschaftskrankenhaus“, drängte Redermann mich zu weiteren Lügen. Diese Tatsache allein war Beweis genug: DerSamstag! war die beste Boulevard-Zeitung dieser Welt. Und Redermann der beste Kollege, den ich jemals hatte. „Perfekt!“

Und so schrieb ich noch spät in der Nacht

Der BVB schlägt zurück! Alles klar mit Gomez. Kommt jetzt auch noch Bale?
(berlin / 26.04.2013) Nach dem Götze-Schock schlägt Dortmund jetzt zurück. Alles klar mit Mario Gomez! Der beste deutsche Stürmer seit Gerd Müller spielt im nächsten Jahr in Schwarzgelb. „Es ist nicht einmal mehr Formsache, der Vertag ist unterschrieben, wird aber nicht vor dem 03.05 öffentlich gemacht“, erklärt ein Insider dieser Zeitung. DerSamstag! weiß: Gomez hat München pappsatt und will endlich wieder ballern und war gestern in Dortmund.
Und Dortmund plant die Mega-Offensive. Neben Gomez bemüht der BVB sich um die Tottenham-Granate Gareth Bale. Die Waliser Wunderwaffe soll für fünf Jahre unterschreiben. Mit Draxler, Bale und Gomez, sagen Insider, ist das Ende noch nicht erreicht. Auch Freiburg’s Ginter und Barcelona-Star Pique, Vertrag bis 2015, sind im Gespräch. „Der BVB“, sagt ein Insider „ist momentan die heißeste Adresse Europas! (dembowski / DerSamstag!)

bvb 4 real 1 – dortmund und der gomez-deal