Die Zeit war gekommen. All die Lügen, all die unseriösen Geschichten sogenannter Journalisten. Ich ertrug sie nicht mehr, noch weniger als die Niederlagen der Borussia. Auch die häuften sich in letzter Zeit, nahmen ein bedrohliches Ausmaß an. Die Berichterstattung darüber jedoch war fremdgesteuert.
Ich musste aufräumen. Endlich einmal klaren Tisch machen. Von Piotr erzählen, von den Konstrukteuren erzählen, von ihrem Deal mit Hoeneß. Das hatte ich schon oft getan, keine Frage, aber die Zeit heilte keine Wunden, sie verschleierte nur die Erinnerung. Die Zeit war der Alkohol der Massen, und ließ die Vergangenheit in einem guten Licht erscheinen. Immer.
Piotr kontrollierte die Zeit, die Konstrukteure kontrollierten die Welt, und die Welt kontrollierte uns. Sie produzierte Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Es waren Bedrohungen, keine Verheißungen. Krankheiten, Kriege, Krisen. Die 3 K! Wer anders als die Konstrukteure, die schon immer da waren hätte sie in die Welt setzen können.
Die Konstrukteure hatten mich verraten, ich war ihr Doppelagent, und sie hatten mich benutzt. Seitdem ich Piotr 2011 getroffen hatte. Zumindest das war mir seit der Rückkehr von Reiser klar. Wer sich mit ihnen einlässt, wird stürzen. Wer sich gegen sie stemmt, wird stürzen.
„Weil immer alle stürzen“, hatte Piotr mir einmal gesagt. „Weil immer alles scheitert. Weil ihr scheitern wollt.“
Ich erinnerte mich nicht mehr an den Inhalt des Gesprächs, aber der Worte erinnerte ich mich sehr wohl. Auch er hatte mich aufgebaut, mir all die Werkzeuge für eine erfolgreiche Zukunft mit auf den Weg gegeben, nur um sie mir hinterrücks und ohne, dass ich es bemerkte, wieder aus der Hand zu nehmen.
Ich hatte mich den Konstrukteuren ausgeliefert, und mein Verein, meine Liebe, meine Borussia hatte sich den Bayern ausgeliefert. Den Kampf angenommen. Die Gelder, wie man sagt, investiert. In Beine, in immer mehr Beine und umso mehr Beine da waren, umso mehr Beine waren verletzt. Neues Geld musste her, neue Märkte mussten erschlossen werden. Es gingen schon lange keine Innovationen mehr von dem Verein aus. Sie waren nur noch ein weiterer Verein, der den Kampf mit den Bayern angenommen hatte, und scheitern würde
All die Lügen, all die unseriösen Geschichten sogenannter Journalisten. Dazu die Niederlagen, wie erst am Wochenende wieder. Diesmal daheim gegen Hannover. Jetzt die Durchhalteparolen, die freundlichen Kommentare. Alles wird gut, schrieben sie und verwiesen weiter auf das Pech, auf die Verletzten, auf das große Unglück der Vorbereitung auf eine Saison nach einer Weltmeisterschaft.
Es musste sich was ändern. Nicht bei den Medien, denn die würden sich nie ändern. Sie warteten auf den großen Knall, auf den einen schwachen Moment von Klopp. Und dann würde er fallen, würde er scheitern, „weil alle immer stürzen.“
Was also konnte man gegen diesen Sturz unternehmen? Konnte man ihn überhaupt noch aufhalten? Diesen von fremden Kräften kontrollierten Sturz? Denn natürlich steckte Hoeneß dahinter. „Kapitalerhöhung, Kagawa, Klopp! Die 3K“ hatte Piotr gesagt und mir dann die Rachepläne gesteckt.
„Es ist wie es ist. Uli hat viel Zeit, und vielleicht will er die Dinge nicht mehr ändern. Aber denk dran, er wird stärker zurückkommen. Er ist der Begründer des Lamakults. Und er bestimmt Deine Zukunft!“
Das war im frühen September. Danach ging es bergab. Nur noch bergab. Die Champions League ausgenommen. Das war der Rettungsanker als der Auftrag vom Verein kam. „Machen Sie die Schuldigen für die Krise ausfindig!
Längst erledigt. Deswegen kümmerte ich mich nun um die Strategie gegen die Krise.
„Lasst die Dinge einfach laufen, lasst sie einfach laufen. Redet was von Saisonzielen und wie ihr sie verfehlt. Wichtig: Bleibt in der Champions League dran. Gewinnt sie. Ihr werdet sie gewinnen, denn kein anderes Team wird an den Wochenenden so viel Kraft sparen!“, hatte ich dem BVB gesteckt.
„Was bedeutet das?“
„Steigt ab, steigt einfach ab. Die nationalen Ligen machen schon lange kein Sinn mehr. Es ist egal, ob ihr in der ersten oder in der zweiten Liga spielt. Es ist egal, ob der Gegner Kaiserslautern oder Hoffenheim heißt. Europa ist die Zukunft. Und der BVB wird die Entwicklung vorgeben. Die Bundesliga ist tot! Lasst sie das spüren. Und rockt Europa. Das ist die Zukunft.“
Piotr, da war ich mir sicher, hatten diesen Plan nicht auf dem Schirm. Die Bayern auch nicht! Es war die perfekte Revolution!
bvb 0 hannover 1 – die epische krise und die revolution