Und dann ist Lothar da. Wir sitzen in der Erdgeschosswohnung. Redermann reibt sich mehrfach verwundert die Augen und raunt mir irgendwann zu: „Der Typ sieht ja aus wie Phil Collins vor seiner Soft-Rock-Phase. WAS hat Piotr sich dabei gedacht, mit dem kommen wir doch niemals durch!“ Doch ich bin mir sicher: Lothar ist eine fantastische Wahl. Wir haben die Unterlagen auf dem Küchentisch zwischen unseren Bierflaschen und den Aschenbechern ausgebreitet. Die Konstrukteure haben Lothar einen exzellenten Lebenslauf zusammengestellt. Ich bin begeistert.

Aus den Tiefen der Sat1-Lokalredaktionen hat er sich über RTL Explosiv und TAFF in die Boulevardredaktion des Berliner Kuriers hochgearbeitet, steht da geschrieben. Jetzt will er den nächsten Schritt schaffen. Mit diesen Empfehlungen dürfte er nicht nur ein aussichtsreicher Kandidat für den Laden sein, mit seinem Aussehen und seinem Hintergrundwissen in Sachen Musik, seinen Sneakers und seinen Taschenspielertricks, die er uns in einer Tour präsentiert, wird er alsbald das dunkle Herz Dortmunds gewinnen. Da ist sich sogar Redermann sicher.

Zur Feier des Tages lege ich den 85er-Rockpalast-Bootleg von Bragg auf. „I don’t want to change the world, I am not looking for New England, just looking for another girl.“Die vermeintliche Absage an die Revolution. So werden wir es jetzt auch wieder angehen. Soll Reiser sich an meinem Dörte-Trauma weiden, soll er sich über Redermanns Cabrio amüsieren, in all der Zeit wird Lothar ihn manipulieren und er wird davon genau nichts merken.

Das Briefing halten wir kurz. Lothar soll sofort loslegen, Reiser hat bereits angebissen und der erste Auftrag führt den Berliner Phil Collins-Verschnitt auf das Trainingsgelände nach Brackel. Er soll erst einmal nur ein paar Stimmen zum anstehenden Götze-Transfer einfangen. „Zorc ist Dein Mann“, gebe ich ihm noch mit auf den Weg und schon entschwindet Lothar in seinem silbernen 82er-Porsche. Während also all die Jungs um mich herum heiße Schlitten fahren, sitze ich weiter auf meinem alten Drahtesel. Ich mache mich auf den Weg in die Redaktion, werfe ihm vorbeifahren einen schnellen Blick auf die Bauarbeiten am Saufraum und setze mich dann im großen Boss erst einmal wieder an die Theke. Redermann will nachkommen. Er muss in der Stadt ein paar Dinge erledigen. Irgendwas mit dem WDR.

Von der Theke aus surfe ich ein wenig im Netz, lese über die Brandsätze in der Hauptstadt, die unweit der Berliner Konstrukteursanlagen nicht gezündet wurden. Am Telefon ereifert sich der Zauberer: „Konnte nicht schlafen, überall Hubschrauber, überall Einsatzwagen. Die sind doch verrückt!“ Mir ist das egal. Wir haben hier einen großen Fall und wir haben endlich mal wieder einen Ansatz. Sind nicht kopflos, sind maßvoll in unserer Planung und können frohen Mutes in die Zukunft schauen. Da stört mich der gescheiterte Anschlag irrlichternder Linker in der Bundeshauptstadt nicht wirklich. Der Zauberer braucht eben seine Minuten und immerhin überbrückt er mit seiner Erzählung die Zeit.

Als Lothar anklopft wimmele ich den Zauberer schnell ab. „Absolute Geschichte, Dembowski! Absolut! Der BVB beobachtet Ronaldo. Die schlagen jetzt zurück. Hab das Zitat von Zorc. Machen wir morgen mit auf. Reiser sieht in der Borussia schon jetzt eine neue Großmacht im europäischen Fußball und glaubt Zorc! Irre!“ „Dranbleiben, Lothar! Das ist bislang nur ein guter Start“ Insgeheim reibe ich mir natürlich die Hände. Redermann kommt vom WDR-Treffen. „Den Ermittler haben wir auch in der Tasche.“ Tage wie diese!

borussia beobachtet ronaldo