Irgendwann um 16 Uhr platzte die Bombe. Reus wechselt nach Dortmund. Ich rief Redermann an, konnte ihn nicht erreichen, schrie „in yer face, Ernst!“ auf seine Mailbox. Nachdem wir den Transfer bereits Ende Dezember verkündet hatten, war er es, der mir kein Glauben schenken wollte und mir gravierende Vorwürfe machte. Dabei hatte ich mich nur auf meinen Informanten verlassen. Seine wüsten Beschimpfungen gingen mir noch einmal durch den Kopf. Das hier formulierte „Spinner“ war noch die freundlichste Beleidigung gewesen, er hatte kurz vor dem Jahreswechsel seinen Kopf verloren und jetzt ging er nicht mehr ans Telefon.

Erstmal in die Küche, an den Tisch, einen Tee trinken. Für das neue Jahr hatte ich mir weniger Bier am Nachmittag verordnet. Heute war der erste Tag, an dem ich dieses Vorhaben auch durchziehen konnte. Siegestrunken malte ich mir in meinem Kopf die neue Auflage aus. Vielleicht, dachte ich, müssen wir uns jetzt auf die Suche nach einer neuen Druckerei begeben. Was immer uns auch durch das Jahr bringt, es wird allright sein. Mit Reus nahmen wir jetzt erst einmal Fahrt auf, Redermann wollte davon sicher nichts wissen und verweigerte daher meine Anrufe. Vielleicht aber war seine Sorge auch einfach purer Euphorie gewichen. Bei ihm wusste man es nie.

Mit einem Schlag aber waren die letzten Tage wie ausgelöscht. Was interessierte mich der Russe, der mich planlos eingesperrt hatte und was interessierte mich die fette Qualle von Pankow? Okay, die Qualle konnte was und ich würde ihren Weg verfolgen. Schon allein aus dem Grund, dass die Kneipe an der Grenze wirklichen Charme besaß. Und eben die weißweintrinkende Qualle. Sowas hatte ich noch nie gesehen, sowas war aber eben nichts gegen den Coup, den wir als erstes Fachmagazin schon vor dem Jahreswechsel öffentlich gemacht hatten. Zeit für ein wenig Carter. You win some and you lose some, but I’ve lost the will to lose. My part time job, my faith in god. Falling on a bruise! Nicht mit dem Ermittler.

Draußen war es dunkel geworden, der Präsident sprach wirre, aber bedeutungsschwangere Sätze in die Kamera. „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem sich ein Mensch kein Geld von Freunden leihen kann!„, sprach er als moralische Verteidigung. „Kommt halt auch immer drauf, was man für Freunde hat, Herr Präsident“, murmelte ich in meinen mittlerweile mächtigen Ermittler-Bart. Aber auch Wulff konnte mir meine gute Laune nicht verderben. Schnell nachlegen, dachte ich. Schnell einen Kommentar nachfeuern. Die Wachablösung, dessen Ausrufung bereits einige Verstörte zur Verzweiflung getrieben hatte, war in vollem Gange. Wir mussten den Finger genüßlich in der Wunde drehen. Irgendwann würde der Manager-Kandidaten im Süden einen Fehler begehen, er musste nur richtig provoziert werden.

Woanders ist auch scheiße – Reus in den Pott

(berlin / 04.01.2012) Es waren sicher nicht nur die Worte des Heimatautors Frank Goosen, die Reus‘ Entscheidung beeinflußten. Aber es waren auch die Worte Frank Goossens, die Reus‘ Entscheidung beeinflußten. Der Transfer-Hammer (DerSamstag! berichtete exklusiv) ist perfekt! Marco Reus wechselt zur neuen Saison nach Dortmund. Und Uli explodiert. Ausgerechnet am 60.Geburtstag des ewigen Bayern-Managers gab das Jahrhundertalent seine Entscheidung pro Curry- und contra Weißwurst bekannt. „Woanders ist eben auch scheiße, da kann Marco auch gleich nach Hause kommen“, hieß es aus dem Umfeld des 17 Millionen-Manns.

Aus Götzinho wird Götzeus! Das spannendste Mittelfeld der Liga spielt im kommenden Jahr in der Ruhr-Metropole. Götze, Großkreutz, Bittencourt, Bender, Gündogan, Kehl, Leitner, Kagawa, Reus, Amini. Nur Kuba will nicht mehr. Der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft wird nach Informationen dieser Zeitung den Verein verlassen. Die Wachablösung schreitet voran und in München sind sie alle rot! „Der war halt nicht bereit für uns“, erklärt Toni Kroos. Nur eine Frage der Zeit bis sich auch Nerlinger äußern wird. Jetzt muss Dortmund Ruhe bewahren! Dann klappt es mit Götzeus auch in der Champions League! Und immer wieder gegen den Nachbarn! (dembowski / Der Samstag!)

Ich hatte den Kommentar gerade fertiggestellt und mir doch ein erstes Kronen gegönnt, da klingelte es an der Tür. Bisher wußte nur die Schraudershaus und der Russe, wo genau ich wohnte, und wie ich mich an der Türklingel nannte. Mir rutschte das Herz in die Hose, doch was sollte ich machen. Ich musste die Tür öffnen. Es war Redermann! „Komm, wir drehen ne Runde im Rolls Reus!“, forderte er mich auf. Ich nahm meinen Mantel, ging auf die Straße und da stand er. Ein Traum in schwatzgelb. Der Rolls Reus! „Wie geil, Redermann!“ „Wie geil, Dembowski!“ Er umarmte mich. Den Tränen nahe.

aus götzinho wird götzeus – der kommentar