Ein fürchterlich anstrengender Tag gestern. Träumte früh vom Saufen, war ziemlich schnell blau. Noch vor 15.30 Uhr. Auf jeden Fall. Das Kronen floß und die Spieler kombinierten sich in Richtung Tor. Der polnische Chancentod zeichnete sich durch zahlreiche Abseitsstellungen aus. Das war wieder nix, Robert! Klar: Den Ball zum 1-0 versenkt er, und auch das 3-1 und das 4-1 gehen irgendwie auf seine Kappe. Doch es ist wie immer, gegen die kleinen Mannschaft glänzt er, gegen die großen Mannschaft  versteckt er sich. Ich sitze in der Wohnung. Schaue meinen Stream. Ich habe es also gesehen, Robert!

Als ich gegen 16.15 Uhr bereits alle Hoffnungen aufgegeben hatte, spielte auch noch der Stream verrückt. In Freiburg waren da 42.56 Minuten gespielt und der Linienrichter hob gerade seine Fahne. Dann: Standbild! Ich sprang auf, schmieß die halbleere Kronen-Pulle auf den Boden und schrie: „Niemals! Niemals! Verdammt: Der Ball kommt vom Gegner!“ Aber ganz deutlich sah ich die Fahne des Linienrichters – niemals würde ich Schiedsrichter-Assitent sagen – und somit war klar: Abseits! Radio an. Das dauert bei mir immer. So auch gestern. Offensichtlich war in Freiburg in der Zwischenzeit etwas passiert. An der Außenlinie, erklärte der Kommentator, sei die Aufregung gerade groß. Sicher wieder nen übles Foul von einem unser Treter, war mir sofort klar. Diese Mannschaft hatte ihren Drive irgendwo zwischen Marseille und Kaiserslautern verloren. Gurkentruppe. Nicht einmal gegen Abstiegskandidaten konnten sie dreifach punkten. Sorg also war wohl im Zentrum des Geschehens und regte sich über eine Ungerechtigkeit auf. Vielleicht gab es ein brutales Foul, vielleicht hatte er ein Tor nicht gewertet, einen Elfer nicht gegeben. Nur mit Schiriglück zum 1-1 Pausenstand. Mir wurde schlecht. Und dann: „Hier ist noch eine Minute Nachspielzeit. Dortmund führt durch den umstrittenen Gündogan-Treffer 2-1. Zurück ins Funkhaus!“ Hä? Tor? Ich hatte die Fahne gesehen. Er hatte Abseits gegeben. Ich war mir sicher. Aber so? Kann mir bitte mal einer erklären, was wir für eine geile Truppe haben? Legen die kurz vor Pause nach und machen das 2-1! Unfassbar. Auf dem Weg zum Ziel, keiner kann uns halten.

Ich kehrte den Scherbenhaufen zusammen, machte mir ein Bier auf und setzte mich schon einmal an den Kommentar. Das Ding war durch, und so blieb es dann auch. Der Chancentod war gegen diese Freiburger in guter Gesellschaft. Immer durch die Mitte, immer zum Erfolg. Langweilig. Kein Gegner auf dem Platz, da macht sogar der Pole ein gutes Spiel. Ich hatte ihn bereits nach seiner Verpflichtung im letzten Sommer gefressen. Sein 12. Ligator, sein 6. Assist – nicht einmal in dieser Wertung reichte es für ihn bis in die Ligaspitze. Robert Lewandoofski für immer. Da hatte Reiser einfach mal ins Schwarze getroffen. Ich schrieb und schrieb. Irgendwas mit Wachablösung würde ich schreiben, das war mir klar. Der Kommentar war damals auf großen Anklang gestoßen. Auch wenn ich es nicht so sah, diese Nummer würde ich jetzt weiterdrehen. Weiterdrehen? Das Wort hatte ich vor der Reiserschulung nie gehört. Jetzt liebte ich es. Man muss immer weiterdrehen. Der Ermittler auf dem Egoexpress.

Borussia geht den nächsten Schritt – Auf Augenhöhe! 
(berlin / 18.12.11) Was zu bleiernen Doll-Zeiten undenkbar schien, ist längst Realität. Der Ballspielverein aus Dortmund befindet sich auf Augenhöhe mit den Bayern aus München. Erst rauschte der Porsche-Fahrer aus der Tiefgarage, dann der Alleinherrschaftstraum der Bayern gegen die Wand. In den letzten 2 Kalenderjahren holten sie 139 Punkte. Der BVB jedoch 136. Danach folgt die große Leere. Was in den 90ern als ungleicher Machtkampf began, findet nun in den 10ern seine Fortsetzung. Während der Süden mit Geld um sich schmeißt, beruht die westfälische Politik auf den Säulen: Vertrauen, Geschick, Klugheit. In nicht einmal fünf Jahren spazierte die Großmacht vom Abgrund zum Olymp. Sie verlor auf dem Weg Spieler wie Valdez, Petric und Frei. Sie wird auf ihrem Weg weitere Spieler verlieren und weitere Talente formen. Diese Borussia wird über kurz oder lang um jeden Titel dieser Welt mitspielen. Das unterscheidet sie von den stets ein wenig arrogant wirkenden Bayern. Von Doll zu Klopp. Ein kleiner Schritt für den Verein, ein großer Schritt für die Menschheit. Das beweist auch der gestrige 4-1 Triumph gegen den starken Abstiegskandidaten SC Freiburg. (dembowski / der samstag!)

auf augenhöhe mit den bayern – der kommentar