Ich wache aus meinen Tagträumen auf. Dörte ist nicht mehr da. Sie wird nicht zurückkommen. Das muss ich verdammt noch einmal akzeptieren. Heute ist Reiser, heute ist Martin. Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich heute ein dickes Problem. Obwohl es Ostermontag ist, wird einer von ihnen verdammt sauer auf mich sein. Ich mache mir einen Kaffee, wage es kurz, nach draußen zu schauen und ziehe mich sofort wieder zurück in die Wohnung. Die Osterspaziergänger in ihren feinsten Ausgehanzügen, ihr nicht vorhandener Stil, ihre nicht einmal ansatzweise versteckte Tristesse. Dazu die Sonne. Ich werde heute nicht rausgehen.

Am Nachmittag mach ich mein Handy an. Auf ihm wimmelt es von Anrufen in Abwesenheit. Natürlich nur von Reiser (17x) und Martin (12x). Ich rufe die Mailbox an und drücke auf Löschen. Wenn es wichtig ist, werden sie sich schon melden. Den Computer lass ich wieder ganz aus. Das Netz kann ich mir nicht geben. Durchgeklickt zu den SMS. Ein ganz ähnliches Bild. „Melde Dich mal, ich mach mir Sorgen. Top-Umsätze. Martin“, sagt die letzte SMS von Martin. Was ist denn da los? „Verflucht, komm endlich aus deinem Loch raus. Reiser“ ergänzt Reiser meine Verwunderung. Ich rufe Reiser an. „Endlich. Seit zwei Tagen hänge ich in der verschissenen Meisterredaktion rum und bis auf Meisterflatter fällt mir nichts ein, Du solltest mir Stoff liefern. Ich habe Dir gesagt: Schau es Dir an, wir liefern Dir Munition. Wenn…“ „Aber Martin…“ „Was ist jetzt schon wieder mit Martin?“ „Ich war am Ende. Die Sonne, die Shirts, die Gürtelschnallen, die Fans. Ich musste weg“ „Wer hat Dir gesagt, Du sollst mit Martin da hin?“ Langsam dämmert es mir. Martin hatte meine Schwäche einfach ausgenutzt und sich meine Verzweiflung zu Eigen gemacht. Es gab überhaupt kein Abkommen zwischen Martin und Reiser. Ich öffne den Kühlschrank, leer. Am anderen Ende der Leitung ereifert sich Reiser. Es geht um Fahnenklau, Feuerwerke und die Meisterflatter. Ich nicke stumm. Werde wohl oder übel in der Meisterredaktion vorbeischauen müssen, Reiser will sich nicht in der Kneipe treffen. Ostern ist vorbei. Eine anstrengende Woche steht bevor.

anrufe in abwesenheit